Grandpa. <3
Mein Grossvater litt jahrelang an Lungenkrebs. Er hat früher als Schreiner gearbeitet, hat zu viele krebserregende Stoffe eingeatmet, die damals nicht bekannt waren und heute angeblich nicht mehr benutzt werden. Sein Husten war schrecklich, seine Schmerzen heftig und nicht mit anzusehen. Er hat mehrere Jahre durchgestanden, viel länger als gedacht. Doch gegen Ende war sein Leben kein Leben mehr. Er sass zu Hause in seinem Sessel, hat gerade noch den Weg zu seinem Bett und zum Badezimmer geschafft, TV geschaut, gegessen und geredet. Nicht mal mehr über die Strasse hat er es geschafft. Durch Maschinen wollte er nicht am Leben erhalten werden, das Krankenhaus hat er gehasst.
An einem Morgen hat mich meine Mutter angerufen.. "Schatz,.. Grossvater schafft den heutigen Tag nicht mehr. Ich hol dich nun ab und dann fahren wir zusammen mit deiner Grossmutter ins Krankenhaus. Deine Tanten und Cousins kommen auch bald." Sie war ziemlich durcheinander und wusste wohl selber nicht richtig, ob sie das nun realisieren muss oder nicht. Die ganze Familie war also bei ihm, hat noch mit ihm darüber gelacht, was für ne Scheisse er doch durch das Morphium labert. Ich habe mich an meinem damaligen Freund festgehalten, der mir von Deutschland aus SMS geschrieben hat. Es waren nur SMS, aber es hat geholfen, die schlechte Stimmung nicht zu nahe an mich ran zu lassen.
Am Abend wollten Mama und Grossmutter kurz nach Hause fahren, um den Kopf frei zu kriegen und sich etwas frisch zu machen. Genau darauf hat mein Grossvater wohl gewartet, denn genau dann ist er gestorben, obwohl wir nur eine Halbestunde weg waren. Ich hab die Hand meiner Grossmutter im Auto gehalten, als wir wieder hingefahren sind. Sie schaute aus dem Fenster, aber ihr Blick war leer und sie wollte die Tränen verdrängen. Erst im Krankenhaus hat sie geweint und zu meinem Grossvater gesprochen, ob er sie denn nicht dabei haben wollte. Ich konnte nicht weinen, ich hatte keinen richtigen Grund, denn er wurde endlich erlöst.
Heute besuchen wir regelmässig sein Grab.