….Susi huschte auf Zehenspitzen über den Flur unbemerkt ins Bad, wo sie die Tür sorgfältig hinter sich verschloss.
„Oh Gott! Wie sehe ich nur aus?“ murmelte sie ihrem Spiegelbild fassungslos entgegen und musterte mit großen, dunkel umrandeten Augen ihr hohlwangiges bleiches Gesicht. Noch verschlafen zog Susi ihren Schlafanzug aus und betrachtete voller Ablehnung ihren Körper im Spiegel. Nackend drehte sie sich hin und her und stöhnte verzweifelt auf. „Das kann doch nicht wahr sein, mein Bauch ist so dick und ich bin so schrecklich fett.“ jammerte sie vor sich hin. Entrüstete holte sie die Waage hervir!“
“Nein, nein, nein …“, hauchte sie entsetzt. Beim Anblick der Zahl riss sie ihre Augen auf und stotterte erbittert: „fünfundvierzig – ganze fünfundvierzig Kilo!“ ….... Kopfschüttelnd stieg sie von der Waage und wagte erneut einen Blick in den Spiegel. Dort sah sie nicht das Spiegelbild eines Mädchens, das mager aussah, einem wandelnden Gerippe glich. Sie nahm nicht die spitzen Knochen wahr, die aus der scheinbar durchsichtigen Haut herausragten.
Sie sah sich auseinandergezerrt!
Sie sah das Bild eines Mädchens, das dick war, das aufgepustete Wangen hatte, das überschüssige Fettrollen um Bauch und Hüfte trug und das mindestens achtzig Kilo wiegen musste.….. Langsam füllten sich ihre Augen mit Flüssigkeit, zogen einen Schleier über das Blau ihrer Pupillen und das junge Mädchen kämpfte mühsam gegen die aufkommenden Tränen.
„Wie kann ich schlanker werden, wie nur?“ hämmerte es in ihrem Kopf. Diese Frage brannte schon wochenlang in ihrer Seele.