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Aus meiner Hand.
Was noch übrig ist.
Geschrieben.
Bewegenswert.
Leben.
Gästebuch
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"Ein Schriftsteller braucht drei Arten von Mut..."
"... Den, er selber zu sein. Den Mut, nichts umzulügen, die Dinge beim Namen zu nennen. Und zuletzt den, an die Anrufbarkeit der anderen zu glauben.“
Hilde Domin
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"One warm night in Paris" by skeev
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Trubel.
Als der Trubel vorbei ist, liege ich allein in einem weißen Bett. Es hat ein Muster, dass ich nicht mag und das mir nicht vertraut ist. Meine Augen sind schwer. Nur mit Mühe schaffe ich, mich aufzusetzen. Ein kurzer Blick, ich falle wieder zurück. Ich atme schwer. Ich sehe Lichter und dann kommt eine Frau. Sie hat goldenes, zusammen gebundenes Haar und ein weißes Kostüm an. Als sie mich anspricht, antworte ich nicht. Sie blickt mich mit braunen Augen an und murmelt vor sich hin, ruft einige ihrer Freundinnen, die sich um mich scheren. Ich fühle mich bedrängt. Ich kenne diese Situation, und doch ist sie mir nicht vertraut. Eine der Kostüm-Trägerinnen holt einen Rollstuhl. So etwas kenne ich. Mit viel Mühe schaffen sie es, mich in ihn zu setzen. Meine Glieder sind taub und meine Reaktionen eingeschränkt. Ich sehe Zettel die heraus genommen werden und die Frauen machen sich Notizen. Sie starren mich an und ich überlege, ob ich etwas falsch gemacht habe. Eine von ihnen geht raus und kommt kurz danach mit einer Zimmerpflanze wieder, neben diese stellt sie einen bunten Kalender. Dann verschwinden die Frauen, nur eine bleibt bei mir. Sie schiebt mich in meinem Stuhl zum Fenster und redet auf mich ein. Ich höre nur Wortfetzen heraus: lernen, Zeit, Anruf, Schwester. Ich kann nicht viel damit anfangen. Ich habe eine Schwester. Sie heißt Sybille. Ich kenne sie, und doch ist sie mir nicht vertraut. Meine Finger sind gezeichnet, ich fasse mir an das Gesicht, ich spüre die Luft, die ich ausatme und weiß, dass ich lebe. Die Frau lächelt mich an, aber ich lächel nicht zurück, stattdessen spreche ich sie schwach an. “Tag?” frage ich.
Sie versteht mich nicht, kommt näher ran, fasst auf meine Schulter. “Was möchten Sie?” fragt sie mich. Schöne Augen, aber ebenso müde und hilflos. Ich versuche ihr noch einmal klar zu machen, was ich möchte “Welcher Tag … heute ?” stammel ich.
Mit einem erhellenden Lächeln, welches nicht in die Atmosphäre des kalkweißen Zimmers passt, dreht sie sich zum Kalender und zeigt mit dem Finger auf das Datum. Ich schaue auf, erkenne es und drehe mich nickend zum Fenster. Sonnenschein fällt in mein Gesicht, ich sehe Vögel, die singen und eine Welt, die ich nicht kenne. Mir rollt eine Träne über die Wange und ich weiß, dass sie niemand wegwischen wird. Nicht mal ich, denn ich habe keine Kontrolle über das, was ich mal meinen Körper genannt habe. Dann höre ich Geräusche, zu laut und unkontrolliert stürzen Menschen in das Zimmer, reden auf mich ein, aber ich antworte nicht. Die Frau, welche auf mich die ganze Zeit schon aufpasst, redet für mich. Ich finde das nett von ihr. Ich sehe, wie die lauten Personen wieder gehen und bedanke mich mit einem Lächeln bei ihr. Erneut sehe ich den Kalender und starre ihn an, bis auf einmal eine Frau mit roten Haaren und erschöpftem Gesicht in das Zimmer stürmt. Ich kenne sie, und doch ist sie mir nicht vertraut. Kurz tauschen wir Blicke und mein Herz pocht, vor Freude denke ich, aber ich kann es nicht einschätzen. Die Frau starrt sie an, steht auf, gibt ihr die Hand und geht kurz raus. Ich fühle mich allein gelassen, denn sie war mir vertraut.
Die Frau mit den roten Haaren umarmt mich zart, denn sie hat Angst, mich zu zerreißen.
Ich habe Angst, auseinander zu fallen.
Die Frau mit den roten Haaren ist meine Schwester.
Ich habe die Frau mit den roten Haaren lange nicht gesehen, denn
Heute ist der 8. März 2011 und
Ich habe 22 Jahre im Koma gelegen.
© Calhin.
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Namenslos.
Als ich noch klein war, bin ich oft auf den Schultern meines Vaters geritten und habe die Welt regiert. Ich konnte dort oben alles sehen, nach den Nachbarn Ausschau halten, Vögel verjagen und meine Arme in die Luft strecken. Ich konnte dort oben auch in die Küche schauen, in der meine Mutter gerade dabei war, einen Kuchen zu backen oder irgendwas anderes. Und wenn ich nach ihr rief, drehte sie sich zum Fenster, lächelte mich an und winkte zurück. Meist hatte sie eine ihrer schönen Schürzen an, die ich immer schmutzig machte wenn wir Plätzchen gebacken hatten. Dann malte ich mit Mehl um das orangefarbene Herz und lief kichernd weg.
Und meist war auch mein Vater irgendwo in der Nähe, trank seinen Kaffe und schaute liebevoll in die Richtung seines Lebensinhaltes. Zu uns.
Aber das war damals. Heute hat sich vieles verändert. Ich bin längst nicht mehr dieses kleine Mädchen, mein Vater schaut nicht mehr liebevoll und meine Mutter bäckt keinen Kuchen mehr, weil sie nicht mehr da ist. Sie hat mich alleine gelassen. Und ich verstehe es nicht. Vater kommt oft zu mir und sagt, dass sie Schuld an all unserem Elend ist. Dann drehe ich mich um und frage ihn, welches Elend er den genau meint. Das Elend, dass er säuft? Das Elend, dass er keinen Job mehr hat und auf der Couch verkommt? Oder das Elend, dass all diese Probleme mich geprägt haben und ich mich klein, schwach und ausgenutzt fühle?
Meistens steht er dann auf, fängt an zu heulen oder er schlägt mich. Und meistens hoffe ich, dass er einfach nur noch verschwindet. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft er mich geschlagen hat.
Und wenn er dann endlich aus meinem Zimmer verschwunden ist, dann setze ich mich auf mein Fensterbrett, zünde mir eine Zigarette an und nehme einen tiefen Zug, hoffe, dass ich davon tot umfalle oder einen Schock kriege oder dass mich irgendein Blitz trifft, damit ich in einem Krankenhaus aufwache oder sterbe. Hauptsache ich bin nicht mehr hier.
Heute ist so ein Tag.
Auf meiner Wange ist ein roter Abdruck, er schmerzt, aber ich empfinde es kaum noch. Ich rauche, eine Zigarette oder zwei, oder drei. Ich weiß nicht wie viel. Und dann fasse ich den Entschluss, dass ich das nicht mehr will. Dass ich hier raus muss. Ich weiß nicht, wohin. Oder zu wem. Was ich erreichen will. Ob ich überhaupt etwas erreichen kann. Ich schaue nur in die Ferne, in unseren Garten, der weit ist und umgeben von Bäumen, deren Blätter sich schon langsam färben. Als ein kleiner Wind an mir vorbei zieht, schließe ich die Augen und versuche ein bisschen vom Geruch der Meeresluft einzuatmen, die manchmal über unseren Bäumen zu mir strömt. Aber ich rieche nichts. Ich schlage meine schweren Lieder wieder auf. Nach einiger Zeit drücke ich die Zigarette aus und spring in mein Zimmer, stelle mich vor meinen Spiegel, der an einigen Stellen zerbrochen ist und betrachte mich. Widerwillig, aber ich tu es. Sehen tu ich nichts Aufregendes. Hellbraune Haare, Dunkle Augen, helle Haut, unproportionierter Körper. Hässlich irgendwie. Aber das war ich schon immer und ich werde nie etwas anderes sein. Vielleicht findet man sich mit so was irgendwann ab. Einen Moment überlege ich, ob ich den Spiegel endlich zerschlagen soll. Mit einer Handbewegung streiche ich mir die Haare hinters Ohr und setze mich auf mein Bett, blicke durch den Raum. Ich sehe Kinderfotos von mir an der Wand, lachend, glücklich, sorglos. Eintrittskarten, Tücher, die ich über die Schrammen meines Schranks gehängt habe, nachdem mein Vater sie im Suff dort rein geschlagen hat. Alles spartanisch. Dann lasse ich mich auf mein kaputtes Bett fallen, dass mir zu klein ist und grüße die ganze Welt mit einer Träne für jeden Einzelnen.
© Calhin.
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Verlangen.
Der blick, den ich im rücken spüre, als ich mich langsam anziehe,
Das Parfüm auf meiner haut, das mir noch nicht vertraut ist,
Weil es von dir ist,
Meine haut, die weich ist, weil du meinen Körper sanft berührtest,
Der abend, der zu schnell vergangen ist,
Weil du so schön bist,
Das Weinglas, das halb leer auf deinem Küchentisch steht,
Mit rotem Lippenstift,
Dein bett, das weich ist,
Warm,
Dass ich nie wieder verlassen wollte
Und das auf einer seite nach mir riecht,
Mein kleid, das ich bei dir vergessen hatte,
Das in der ecke lag,
Als du es mir gestern ausgezogen hast
Voller verlangen
Ich bereue nichts
Keine minute
Oder Sekunde
Die ich mit dir hatte
Der klang, als deine Tür hinter mir ins schloss fällt,
Ich lächle,
Der gedanke, der mir an dich bleibt,
Die Ungewissheit, wann ich dich wieder sehen werde,
Und die Hoffnung, dass es bald ist,
Sorgen um den mann, der mich bei einer freundin glaubt
Und vertraut in dem bett schläft
Dass ich vor vielen jahren
Zusammen mit ihm ausgesucht habe
Und um das es still geworden ist
Meine schuhe, die so furchtbar unbequem sind
Auf der straße, die nass vom regen ist,
Voll von lauten klängen,
Geräuschen,
Das baby, das im Kinderwagen schreit,
Die leute, die sich streiten,
Oberflächlich, belanglos
Der gestank der Autos, die an mir vorbeirauschen
Und ich lächle
Die sonne, die heraus kommt
Hinter den Wipfeln der bäume
Mit den braunen blättern
In dem park
Durch den ich gestern mit dir gegangen bin
An dem see
Wo du mich geküsst hast
Einfach so
Und es war ein fehler
Dass deine hände durch meine haare fuhren
Und ich in deinem bett gelandet bin
Aber ich lächle
Weil ich lebe
Und liebe
© Calhin.
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Szene aus meinem Buch. [noch kein Titel]
- - - - - - - - - Neu - - - - - - - - - -
Ich erschreckte mich gewaltig, als er mit einem Mal auf meinem Fensterbrett saß und mich verschmitzt anschaute. In diesem Moment wurde mir auf einmal ganz flau im Magen. Ich vergaß, was ich ein paar Sekunden zuvor gemacht oder gedacht hatte. Es gab auch nichts, was annähernd so wichtig gewesen wäre, als dieser jetzige Moment, hier in meinem Zimmer, in einer erneut eisig-kalten Nacht meines neuen Heimatortes. Es gab nur mich und ihn in diesem Moment. Er sprang auf den Boden, sein Lächeln war noch nicht ganz verschwunden. “Was ist mit dir los?” er grinste mich an. Mir wurde heiß. Was wollte er? Es war nachts, er war in meinem Zimmer, was zur Hölle hatte ihn hier her getrieben, wo wir uns doch gar nicht richtig kannten? Ich lächelte verlegen und schaute zu Boden. Er kam näher und strich mir mit seiner Hand eine Strähne aus dem Gesicht. Ich spürte, wie das Blut in meine Wangen schoss. Und schon wieder lächelte er sein wunderschönes Lächeln. Warum war es mir nie zuvor aufgefallen?
“Erin? Alles in Ordnung?” Ich spürte, wie seine Augen auf mir ruhten, konnte jedoch nur zu Boden schauen. Mit ganzer Kraft befreite ich mich aus seiner Nähe und setzte mich auf mein Bett. Mein Herz schlug wie wahnsinnig. “Janis, hast du auf die Uhr geschaut? Es ist 2 Uhr morgens!” Ich gähnte absichtlich, doch im nächsten Moment war mir dies ziemlich peinlich. Ich war schon immer eine miserable Schauspielerin gewesen. “Ich hatte Sehnsucht nach dir. Du fehlst seit ein paar Tagen in der Schule. Irgendwann hab ich es dann nicht mehr ausgehalten, ich musste dich einfach sehen.” Nun blickte auch Janis zu Boden. Eine Stille breitete sich aus, doch mein Herz schlug nur noch schneller.
© Calhin.
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Runaway.
Farbenfroh erhebt sich die gewaltig schöne Stadt vor mir. Kein Auto ist auf der Straße zu sehen, kein Mensch läuft auf dem trostlosen, zerschundenen Asphalt des Bürgersteiges entlang. Es ist früh am Morgen und die ersten Sonnenstrahlen kommen hervor, doch sie erreichen nicht mich, sondern nur das Zentrum der Stadt, welches ich von hier wunderbar erkennen kann, obwohl es einige Kilometer entfernt liegt.
Eine eiskalte Brise weht mir ins Gesicht, ich setze mich mit ausgestreckten Beinen auf das Fensterbrett und öffne das vorher nur leicht angekippte Fenster so weit es geht. Die Ruhe und Stille füllt mich aus. Irgendwo bellt ein Hund, was die Stille aber irgendwie nur noch mehr unterstreicht. In der Ferne schaue ich auf den sich hell erleuchtenden Horizont, der eine Mischung aus rot und orange ausstrahlt. Ich bin wie verzaubert davon. Nach einer Weile jedoch schaue ich in die andere Richtung, in mein Zimmer. Es ist relativ klein, aber ein großes Bett steht darin, mit einem weißen Kissen und einer blauen Zudecke. Gut geschlafen habe ich nicht, dafür riecht es einfach noch zu anders und unvertraut. Mein neuer Schreibtisch steht neben der Heizung vor meinem Fenster. Er gefällt mir nicht, er ist zu neu, zu jung. Kein einziger Kratzer ist auf ihm zu sehen, er hat noch überhaupt keine Seele. Ich verbinde noch nichts negatives oder positives mit ihm. Der breite, eichenholzfarbige Schrank steht an der anderen Seite des Zimmers. Die Wände sind mit einem hellen Blau gestrichen. Meine Füße fühlen sich kalt auf dem Laminat an, als ich zu meinem Bett gehe und mich hinauf fallen lasse. Die Bettwäsche ist auch sehr kühl, kein Wunder wenn man das Fenster um 5 Uhr früh so weit auf hat.
Mit einer schnellen Bewegung schlüpfe ich unter die Decke und nehme mein Handy. Ich lese die alten Nachrichten meiner Freunde durch. Sehe mir die alten Fotos meiner Klasse an. Ob sie wohl an mich denken? Mit einem mal unterdrücke ich ein Schluchzen, doch schon bald spüre ich die Nässe auf meinen Wangenknochen, es sind die ersten Tränen in diesem Zimmer. Es sind die ersten Tränen in meiner neuen Heimat. Nach ein paar einsamen weiteren Minuten setze ich mich auf, schließe die Augen und lass die letzten zwei Tage noch einmal Revue passieren. Der Regen, der gegen das Fenster prasselte. Der Schock, als meine Mutter tränenüberströmt in mein Zimmer rauschte. Die Panik, die in mir aufstieg, als sie mir erzählte wir müssten verschwinden. Der Hass, der mich verbrannte, weil ich wegen ihm weg musste. Die Verzweiflung, als ich meine Sachen packen musste, weil er schon hinter uns her war. Die Angst, als meine Mutter tränenüberströmt mit mir im Auto saß.
Die Taubheit, als wir 600 km weiter erschöpft an unserem Ziel angekommen waren, wir beide, allein, zwei Frauen (ich selber eher halbwüchsig), die nichts weiter besaßen außer einer Adresse, etwas Geld und der Angst vor ihm im Nacken. Das Gefühl der Leere, als wir die neue Wohnung betraten, die der Schwester meiner Mutter gehörte. Das Gefühl, in dieser Stadt der Kunst und Geschichte einfach nicht dazuzugehören. Außenseiter zu sein. Mit einem tiefen Seufzer stand ich wieder auf und setzte mich erneut auf das Fensterbrett, einen Fuß ließ ich heraus baumeln. Dies war gefährlich, aber mir war es relativ egal. Meine Gedanken waren eine endlose Schleife von Angst, Trauer und Hass, von Verwirrung, Leere und Neugier. Kopfschmerzen breiteten sich in mir aus.
Da saß ich nun, allein, im Zimmer nebenan meine schwache Mutter.
Ich wollte schon immer in eine große Stadt mit viel Trubel und außergewöhnlichen Persönlichkeiten, aber nicht, um mich zu verstecken. Und dies tat ich. Dies taten wir.
Ängstlich verharrten wir beide in unserer kleinen Mietwohnung, am Rande von Paris.
© Calhin.
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Am Tag bevor du gegangen bist.
Am Tag bevor du gegangen bist, war ich allein spazieren. Ich war glücklich, weil ich wusste dass ich dich habe. Ich wusste, dass ich in ein paar Stunden wieder durch deine schwarzen Haare streifen durfte, wusste, dass ich wieder in deinen blauen, wunderschönen Augen versinken dufte. Das war mir alles bewusst. Ich dachte nicht einen Moment daran, dass ich am nächsten Tag sterben würde. Es schien einfach alles zu perfekt.
Und vielleicht war es das auch, es war perfekt, wie du mir einen Kuss auf die Lippen gedrückt hast und mir dann das schönste Lächeln geschenkt hast, was ich je zu Gesicht bekommen habe. Es war perfekt, wie du deine Hände um meinen Körper geschlungen hast und mir meinen Namen ins Ohr geflüstert hast. Es war perfekt, wie du mit mir auf dem Feld gelegen hast und wir uns die Sterne angeschaut haben. Du hast mich mit deinen atemberaubenden Augen angeschaut und ich wusste, dass ich dich immer lieben werde. Es gab nichts, was uns trennen würde. Keiner konnte uns was, wir waren ein Traumpaar, wir waren einfach nur perfekt füreinander.
Jetzt, wo ich gestorben bin, weiß ich, dass es zu perfekt war, um real gewesen zu ein. Aber all diese schönen Dinge sind mir durch den Kopf gegangen, am Tag bevor du gegangen bist. All diese Dinge hast du mir mitgegeben auf den Weg, auf dem ich jetzt bin. Dem Weg der Personen, die getötet wurden, weil man ihnen das Herz genommen hat. Ich hätte nicht geglaubt, dass ich auch mal zu ihnen gehöre, schon gar nicht an diesem einem besagten Tag wo ich spazieren gegangen bin und an die Sachen dachte, die ich so sehr an dir liebte. Ich wusste nicht, dass dieser Tag der letzte in meinem Leben war. Aber doch, das Loch in meinem Herz sagt es mir immer wieder. Ich spüre es immer wieder. Es sagt, dass ich naiv war. Es sagt, dass ich nie wieder glücklich werde. Es sagt, dass mein Leben bereits zu Ende ist. Aber es sagt diese Dinge all nur, weil du mich verlassen hast, am Tag nach Valentinstag vor vielen Jahren.
Du bist gegangen, weil du mich nicht mehr wolltest und weil du jemand anderes gefunden hattest. Und auch diesem jemand wirst du die gleichen Küsse gegeben haben, wie mir. Ich denke oft an dich. Ich denke oft an das Leben, wo ich so glücklich war. Ich war glücklich wegen dir. Und auch daran habe ich gedacht, am Tag, bevor du ohne ein weiteres Wort gegangen bist. Am Tag, bevor ich gestorben bin.
© Calhin.
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Traumwelt.
“Komm, ich nehme deine Hand und geh mit dir an einen anderen Ort. Es ist ein Ort wo du nicht ständig dein Gesicht abtrocknen musst, wegen den Tränen, die andauernd fließen. Es ist ein Ort wo wir beide frei sein können, unabhängig von der Außenwelt. Es ist ein Ort, wo du nicht drauf achten musst wie du aussiehst, denn so wie du ihn jetzt gleich mit mir betreten wirst, genau so bist du wunderschön. Du wirst nur die Sonne auf deinen Schulten spüren und den Vögeln lauschen, die ohne Pause für uns beide singen werden. Du wirst dir keine Sorgen mehr machen müssen, denn es gibt keine Verpflichtungen und keine Zeiten mehr. Am Tage werden wir durch die Wälder streifen und in der Nacht werden wir auf einem Feld liegen und den Sternen zuschauen, wie sie über uns funkeln. Und sie werden genauso schön funkeln wie deine Augen...
...wir beide haben uns immer schon so einen Ort gewünscht und es gibt ihn wirklich. Man kann immer dorthin, egal wo man ist, egal wann und warum man dort hin möchte. Er ist immer frei für dich. Ich möchte mit dir dorthin. Komm, mein Schatz, ich nehme deine Hand, lass uns dorthin gehen. Ich weiß nicht, ob du mir glaubst, dass es ihn wirklich gibt, aber es ist so. Du hast so ein schönes Lächeln, aber in letzter Zeit kommt es nicht oft zum Vorschein...
...ich möchte dich lächeln sehen und du wirst lächeln können, wenn wir erst einmal an diesem Ort sind. Du wirst dich rundum gut fühlen, du wirst merken, wie die Sonnenstrahlen dich glücklich machen und dein Herz erwärmen. Du wirst merken, wie sich mit der Zeit viele kleine Lachfältchen um deine Mundwinkel bilden werden. Du brauchst keine Angst haben, ich werde immer bei dir sein und deine Hand halten, ich werde dich niemals loslassen. Wir werden für immer vereint bleiben und glücklich sein. Ist das möglich? Ja, es ist möglich, Engel. Komm mit mir…”, sprach er und schaute mich an.
Sein Blick war standhaft. Mir traten die Tränen in die Augen, als er mich küsste, denn ich wusste, dass es der letzte Kuss sein würde. Danach schluckten wir beide das Röhrchen mit dem Gift herunter. Er schaute mich an, ich schaute ihn an. Er lächelte. Und dann merkte ich wie ich einschlief …
© Calhin.
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Sehnsucht.
“Ich hasse dich!” schrie ich dem Mann ins Gesicht, der mir vor einigen Minuten die Hand ins Gesicht schlug. Er starrte mich mit einer Mischung aus Überraschung und Boshaftigkeit an. Meine Augen funkelten, ich kniff sie nur noch mehr zusammen und nahm seine Wut als Ansporn. Das Fenster stand weit offen, aber nur die schrecklich heiße Luft dieses Spätsommerabends quoll herein. Schweißperlen liefen an mir herunter, vermischt mit Tränen.
Der salzige Geschmack auf meinen Lippen ekelte mich. Mein weißes, schmutziges Shirt klebte nass an meinem Körper.
Und dann hörte er auf mich anzustarren, hob den Kopf und formte seinen Mund zu einer schmalen Linie. Sein einer Mundwinkel verzog sich zu einem schmierigen Lächeln. “Du hasst mich nicht. Du liebst mich. Mehr als alles andere, du kannst nicht ohne mich. Du bist abhängig von mir. Du bist viel zu schwach, um alleine klar zu kommen … “, er machte langsame Schritte auf mich zu, dann griff er fest um meine Taille. Ich schaute nach unten. “…Sag so was nie wieder. Aber diese Ohrfeige, die hast du einfach verdient weißt du?”
Er versuchte mir einen Kuss aufzudrücken, doch plötzlich durchfuhr mich ein so gewaltiges Gefühl von Energie, dass ich es schaffte ihn mit aller Wucht wegzustoßen. Er flog auf die Glasplatte, sie zersprang in tausend Teile. Während ihm das Blut an den Oberarmen runter floss und er versuchte, sich wieder aufzurappeln, setzte ich ein zufriedenes Lächeln auf. Noch bevor er es mitbekam, schnappte ich mir das Taschenmesser, dass er so sehr mochte. Das Taschenmesser, das er mir schon so oft an den Kopf gehalten hatte. Ich packte es schnell und unauffällig in meine Hosentasche. Er hatte es nun endlich geschafft, aufzustehen und blickte mich hasserfüllt, aber auch überrumpelt an.
“Das hättest du nicht tun sollen…” er kam langsam auf mich zu. Ich zückte das Messer und kam ihm genau so langsam entgegen. Er blieb stehen. “Nimm das Messer weg.” brachte er hervor. Ich lächelte. “Nein. Ich habe keine Angst vor dir. Pass gut auf dich auf … Unterschätz mich nicht. Du wirst es nie mehr schaffen, mir weh zu tun ...” Ich machte mit dem Messer einen schnellen Schritt auf ihn zu. Er sprang nach hinten. Sein Gesicht werde ich nie vergessen. “Frohes Leben noch. Und das hier nehme ich mit -” , ich fuchtelte in der heißen Luft mit dem Messer herum, “für den Fall, dass du darauf kommst, dich in meine Nähe zu begeben.” Ich drehte mich schnell um, nahm den Autoschlüssel von der Wand, sprang fast nach draußen und knallte die Tür hinter mir zu.
Auf dem Weg zum Auto konnte ich hören, wie er mir hinterher kam und sich entschuldigte. Ich achtete auf das Gefühl des verbrannten Grases, das auf meinen Knöcheln kitzelte. Zum letzten Mal schaute ich mir noch einmal den Hof an, der umgeben war von verwucherten, gelben Sträuchern und über den ich nie wieder laufen würde. Dann stieg ich ins Auto und verbrannte mich an dem Gummi, als ich meinen Arm aufs Fenster legte.
Ich schaute ihn nicht an, als er auf mich zugerannt kam, sondern fuhr einfach los und hinterließ ihn in einer Staubwolke. Ich fühlte mich so energisch, so frei, unabhängig … so glücklich wie seit langem nicht mehr, als ich die lange Hauptstraße in dieser verflucht einsamen Stadt herunterfuhr.
© Calhin.
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Leah.
Ihr Atem ging schwer, als Leah den bemoosten Hang hinauf lief. Sie hatte die Angst im Nacken. Schweißperlen liefen ihr eiskalt die Schläfe runter. Vor ihr befand sich ein dunkler Wald. Wie war sie hierher gekommen? Sie wusste es nicht. Wie sollte sie hier wegkommen? In welcher Zeit lebte sie? Wie konnte das alles nur passiert sein? Sie durfte jetzt nicht daran denken. Sie musste alles daran setzen, dem Tier zu entkommen was sie eilig verfolgte.
Es war vorhin einfach so aus dem Gebüsch gesprungen und hatte sie mit seinen scharfen Zähnen angeschaut. Leah wusste in diesem Moment nicht, was größer war: ihr Schock oder diese unglaublich schnell eintretende Todesangst. Das alles ereignete sich vor höchstens 3 Minuten, aber Leah kam es so vor, als würde sie schon seit Monaten um ihr Leben laufen. Sie wusste, dass sie gegen dieses Tier eigentlich keine Chance hatte, aber es schien, als hätte ihr die Angst Flügel verliehen. Sie konnte das laute Hecheln des Tieres hinter ihr fast spüren. Sie konzentrierte sich trotzdem auf nichts anderes, als den Weg nach vorne.
Und sie lief, so schnell wie noch nie zuvor. Auf dem Hang war sie längst angekommen, nun steuerte sie vorbei an den dunklen Bäumen, tiefer in den Wald hinein. Sie merkte, wie das Tier nach ihr schnappte. Ihre Augen blinzelten nicht ein einziges mal. Dann sah sie plötzlich einen Abhang und ihr kam eine Idee, das Tier loszuwerden, auch wenn es waghalsig war. Und während sie schnell auf den Abhang zuraste, hörte sie auf einmal einen Schuss und fiel hin. Plötzlich wurde der dunkle Wald erleuchtet und es war so hell als würde kein einziger Baum hier stehen. Millionen von Glitzerlichtern schossen auf sie zu. Tausend Gedanken schwirrten durch ihren Kopf.
Wo war das Tier? Ist es noch hier? Wird es mich gleich töten? Mit ihren Gedanken drehte sich das Erstaunen über diese unglaubliche Schönheit des erleuchteten Waldes mit. Auf einmal wurde ihr schrecklich kalt und ein Wind zog auf. Mit letzter Kraft zog sie sich an einem Baum hoch und bemerkte, dass das Tier verschwunden war. Ihr Kreislauf fuhr Achterbahn. Das Licht war verschwunden, der Wind hatte es mitgezogen. Ängstlich schaute sie sich um. Der Wald war wieder so dunkel, wie vorher. Nachtdunkel.
Es war unheimlich. Sie hörte ihren eigenen Atem, er war eine weiße Wolke in der Dunkelheit. Ihre langen, blonden Haaren klebten nass auf ihrer blauen Jacke. Ihre Hose wurde durch ihre Flucht vor dem Tier von einigen Ästen zerrissen.
© Calhin.
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