Kennst du das Gefühl, wenn du in eine Buchhandlung gehst, und es in dir ganz still wird?
Ich habe dieses Gefühl schon immer geliebt.
Raus aus dem Stress der Welt, der Hektik der Menschen die mich umgeben, raus aus dem Lärm der Straßen und der Tränen von Kindern, die Angst vor bissigen Hunden haben, fernab von Zeit und Problemen.
Ich komme herein und es ist ganz still. Man hört nur manchmal, wie ein alter Mann eine Seite des dicken Romans umblättert, den er gerade eifrig im roten Sessel liest.
Die Verkäuferin lächelt mich an und es bilden sich Falten um ihre grauen, intelligenten Augen. Ich bewundere sie.
Alle Menschen um dich rum verstehen dich, denn sie verbindet eines: die Liebe zum Lesen. Die Liebe, von anderen Menschen zu lernen, durch sie zu lachen, durch sie zu weinen, durch sie Inspiration zu finden.
Und wenn ich langsam durch die endlos wirkenden weißen Gänge schlendere, spüre ich diese Ruhe in mir. Ausgeglichenheit. Ich gehe vorbei an unendlichen Lebensgeschichten, an viel Schmerz aber ebenso viel Liebe. Es gibt einige Fenster, und ich sehe, wie tausend kleine Staubkörner durch die Atmosphäre tanzen.
Ich kann die Tiefe der Emotionen, die ich in Tausenden Seiten von diesen wunderbaren Schriftstellern finden würde, förmlich spüren. Vom Zauber der Religionen, zum tristen Leben im Mittelalter, dann wieder zu den gefährlichen Liebschaften junger Mädchen im 18. Jahrhundert, bis hin zur Ermordung tausender Menschen durch Größenwahn.
Von Biografien und Lebewesen, die es nicht gibt. Von leuchtenden, grünen Wäldern und unerklärlichen Begebenheiten. Von Kummer und Weisheit, von Dingen die nie geschehen sind und von Dingen, die man geschehen lässt. Vom Erwachsenwerden und Jugendsünden, vom Tod und der Schwierigkeit, das Leben manchmal zu verstehen. Von Aufständen und Revolutionen, und dass uns die Regierung im Endeffekt doch nur bescheißt. Aber auch von Lebensweisheiten und Kinderlachen und allgemein dem, worüber wir viel zu schnell wegsehen, aber was uns eigentlich viel bedeuten sollte. Ich kenne keinen anderen Ort, in dem man so schnell Antworten auf all dies findet.
Wenn ich mit meinen müden Augen ein Buch gefunden habe, wessen Titel mich ansprach, dann fasse ich über den Buchrücken, spüre, wie viel Arbeit darin steckt und hoffe, dass ich nicht die einzige bin, die so etwas noch zu schätzen weiß. Dann setze ich mich, schlage die erste Seite auf und bin neugierig, was eine andere Seele mir sagen möchte.
© Calhin.