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Mit gesenktem Kopf betrat ich das Klassenzimmer. Als ich mich auf meinen Platz setzte, fingen die meisten meiner Mitschüler an zu kichern und zu erzählen. Ich hatte gestern mit dem aus meiner Sicht süßesten Typen aus der Klasse geschrieben, Viktor. > Hei Romi. Dein neues Bild ist echt hübsch. < So fing es an. Ich dachte, so blind wie ich war, dass er mich wirklich hübsch finden würde, und nicht, dass er in Wirklichkeit die halbe Klasse bei sich hatte und mich nur verarschte. Ich kam mir vor, als würde sich alles um mich drehen. Nur nicht im guten Sinne. Selbst als der Lehrer schon längst vor der Tafel stand, kicherten einige noch immer. Als die Stunden, die so endlos schienen, endlich vorbei waren, rannte ich so schnell wie nur möglich nach Hause. Der Bus brauchte so lange und ich wollte nicht noch mehr Zeit bei den Anderen verbringen. Endlich in meinem Zimmer, fing ich an zu weinen. Ich schämte mich so. Wie hatte ich nur glauben können, dass er mich wirklich mochte oder sogar hübsch fand? War ich denn wirklich so dumm? Ich hätte doch merken müssen das da was falsch war… Meine Tür ging auf und mein Dad kam herein. Als er mich sah, verlor er kein Wort, sondern ging wieder aus meinem Zimmer. Das liebte ich an ihm. Er ließ mir meine Freiheit. Ich schaute aus dem Fenster. Ein großes Möbelauto stand vor dem Nachbarblock. Wir bekamen also neue Nachbarn. Aber was ich dann sah, ließ mir den Atem stocken. Vinctor kam mit einem anderen Jungen aus dem Gebäude und sie trugen neue Kartons hinein. So sehr konnte mich das Leben doch gar nicht verfluchen. Oder? In diesem Moment kam mein Dad erneut herein. >Romi, ich würde mich sehr freuen, wenn du unseren neuen Nachbarn hilfst. Komm doch mit runter, ja? < Er verließ mein Zimmer und ich wusste, dass ich nicht einfach so nein sagen konnte. Also ging ich zum Spiegel, ließ meinen Pony vor mein Gesicht fallen und setzte mein Cap auf, sodass man meine verweinten Augen nicht mehr allzu sehr sah. Ich ging mit meinem Dad hinunter und hielt nach ihm Ausschau. Und da war er auch schon. Viktor kam auf uns zu und mein Dad ging schnell zu seinem Vater. > Na hast du ein Glück Romi. Jetzt wohne ich sogar gegenüber von dir. Willst du mich jetzt ausspionieren? Aber eins sei dir gesagt: Nicht mal im Nächsten Leben. Ich hoffe du weißt, was ich damit meine. Ich mein, schau mich an und dann dich. Das geht einfach nicht. < Er lachte. Doch nicht so zuckersüß wie man es von ihm kannte. Nein, es war ein fieses Lachen. Wieder traten Tränen in meine Augen und ich schaute weg. > Na, Bruderherz. Schon wieder die Nächste oder was? < Ich schaute hoch. Diese Stimme konnte man nicht ignorieren. Doch was ich dann sah, übertraf sogar Viktor. Seine blonden Haare glänzten in der Sonne. Seine großen braunen Augen spiegelten mein kleines Gesicht wieder. Und das offene Hemd entblößte einen wunderschön gebräunten Oberkörper. > Pass auf, sonst frisst die dich mit ihrem Blick noch auf. < Viktor riss mich aus meinen Gedanken. Sein Bruder schaute ihn verwirrt an. > Na ja vor der kleinen musst du dich in Acht nehmen. Die macht sich gerne peinlich. < Jetzt wurde es mir zu viel. Erneut lief mir eine Träne über die Wange und ich drehte mich um. Ich lief zurück in meinen Block und warf keinen Blick zurück. In meinem Zimmer, schaute ich noch einmal aus meinem Fenster und meine Augen fanden, was sie suchten. Er stand lässig an das Möbelauto gelehnt und unterhielt sich mit Viktor. Plötzlich schaute er zu mir hoch. Unsere Blicke trafen sich und ich konnte nicht wegschauen. Es dauerte eine ganze Weile bis er wieder weg sah. Schnell zog ich meine Vorhänge vor die Fenster. Ich wollte nicht, dass mich noch irgendjemand sehen würde. Vor allem sollte mich Viktor nicht sehen. Ein paar Stunden des Grübelns später, legte ich mich in mein Bett. Wieder musste ich an ihn denken. Sein Bruder ging mir einfach nicht aus meinem Kopf. Diese Augen. Sie waren schon fast fesselnd und es lag ein Blick darin, den ich bisher noch nicht gesehen hatte. Wärme durchfuhr meinen Körper. Diese Nacht träumte ich von ihm und ich wollte nicht aufstehen, als der Wecker klingelte. Ich zog die Vorhänge zurück und zog mich um. Meine braunen Haare ließ ich über meine Schultern fallen. Auf dem Weg zum Bus regnete es und ich war froh, als ich an dem überfülltem Wartehaus angekommen war. Er stand auch darin. Erst wollte ich im Regen stehen bleiben, doch irgendwas ließ mich dann doch weiter gehen. Wir standen nicht weit auseinander und warfen uns immer wieder Blicke zu. Der Bus kam und die Masse stürmte hinein. Ich setzte mich auf die hintersten beiden Plätze und neben mich… > Hi, Romi? < Ich bekam gerade mal ein leisen Hallo zustande und ich wurde rot. Er musste lächeln. Wahrscheinlich genau deswegen. > Ich bin übrigens Vincent. < Die ganze Nacht hatte ich gegrübelt, wie er wohl heißen würde. Vincent. Das passte zu ihm. Wir waren an meiner Haltestelle. Ich stieg aus. Er blieb im Bus. Ich ging ins Klassenzimmer. Heute war es nicht so schlimm wie gestern. Doch trotzdem hatte ich das ständige Gefühl, beobachtet zu werden. Auf dem Heimweg liefen Vincent und ich uns über den Weg. Er fand den Weg zu Fuß auch besser und so gingen wir zusammen. Er liebte die Farbe Lila und aß am liebsten Gummibärchen. Er hasste Marzipan, so wie ich. Wir stellten viele Gemeinsamkeiten fest. Ich fühlte mich in seiner Nähe wohl. Denn als wir uns trennten, hatte ich ein seltsames Gefühl. Ich fühlte mich so leer. Jedoch hatten wir ausgemacht, dass wir uns noch am Spielplatz treffen. Einerseits hatte ich Angst. Angst davor, dass das nur ein mieser Plan von Viktor war. Doch andererseits fühlte ich mich bei Vincent so sicher, dass ich das einfach nicht glaubte. Als ich auf dem Spielplatz ankam, stand er schon dort und wartete. Ich musste lächeln, als ich ihn sah und wir umarmten uns kurz. Wir fanden heraus, dass wir beide die gleiche Musik hörten, denselben Lieblingsfilm hatten und unsere Eltern beide getrennt waren. Es war so leicht mit ihm zu reden und zu lachen, sodass ich gar nicht merkte, dass sich unsere Hände sehr nahe kamen. Zu nah. Ich hatte immer noch diese Angst. Auch wenn ich ihm vertrauen wollte… Es ging einfach nicht. Somit tat ich so, als würde ich etwas in meiner Tasche suchen und bekam so wieder etwas Abstand zwischen uns. Jedoch, nachdem wir noch eine Weile erzählt hatten, lagen unsere Hände doch aufeinander. In meiner Hand kribbelte es und das Gefühl breitete sich langsam über meinen ganzen Arm aus. Als die Sonne hinter den Baumkronen verschwand und es langsam dunkel wurde, ließ ich ihn langsam los. > Ich muss nach Hause… < >Du hast recht. Ich auch, Romi. < Wir umarmten uns. Doch nicht einfach so, wie man es jeden Tag mit Freunden oder den Eltern tat, nein. Ich spürte die Wärme, die er ausstrahlte, die Freude, aber auch, dass er mich nicht loslassen wollte. Ich wusste nicht ob er genauso empfand, aber ich wollte ihn auch nicht gehen lassen. > Na, was hab ich dir gesagt Vincent. Ich wusste es! Die Göre will wahrscheinlich am liebsten unsere ganze Familie heiraten. < Wir hatten uns losgelassen und es war das passiert, vor dem ich so Angst gehabt hatte. Ich schaute zu Vincent, der mich entsetzt ansah. > Das glaube ich nicht. Ich will das nicht Vincent. Warum? Warum ich… < Ich konnte nichts mehr sagen. Ich drehte mich um und rannte. Rannte weg. Zurück nach Hause. Jedes Gefühl war entwichen. Nur der Schmerz und die Trauer blieben. Vincent rief mir irgendetwas hinterher, doch ich wollte es nicht hören. Als ich in meinem Zimmer war, schloss ich die Tür ab, und legte mich in mein Bett. Einmal hatte ich meine Gefühle gezeigt, zugelassen, dass er mit mir spielt. Ich hatte es doch gewusst. Warum war ich nur so dumm gewesen. Genau wie bei dem Vorfall mit Viktor plagten mich meine Gefühle. Nur war es diesmal noch anders. Schlimmer. Ich lag in meinem Bett und weinte. Weinte den Trauer heraus und schlief ein. Selbst als ich am nächsten Morgen aufwachte, war mein Kissen noch nass und mein ganzer Körper war verkrampft. Es klopfte, und ich nahm an, dass es mein Vater war. Ich stand auf und ging zur Tür. Als ich sie aufgeschlossen und geöffnet hatte, traf mich ein eine Welle von Verzweiflung. Er stand vor der Tür. Der Ausdruck in seinen Augen ließ mich erschaudern. Er litt, dass sah ich ihm an. Aber ich hatte nicht vergessen, was gestern passiert war. Ich drehte mich weg, sah ihn nicht an. Ich hätte ihn auch beschimpfen können, schreien, weinen, drohen. Doch wieso? Es hatte keinen Zweck, denn in mir wusste ich, dass ich es nur bereuen würde. Ich war noch immer verliebt. Er kam auf mich zu, legte seine Hände auf meine Schultern und drehte mich zu sich um, sodass ich direkt in seine Augen sah. > Was muss ich tun, Romi? Was muss ich tun, damit du mir glaubst, dass das gestern nicht von meiner Seite kam. Ich mein, als wir uns umarmt haben… So etwas habe ich noch nie Gefühlt. Ich fühle mich bei dir so wohl, so als ob ich alles schaffen könnte. Ich hätte dich gestern nicht mehr losgelassen Romi. Bitte glaub mir. < So gern hätte ich es einfach getan. Doch ich konnte nicht. > Beweis es mir. Beweise mir, dass du mich wirklich… < liebst. Ich musste es nicht aussprechen. Wir beide wussten, was ich sagen wollte. Und das reichte. Still gingen wir nebeneinander zur Haltestelle, fuhren Bus und schließlich musste ich raus. Jedoch stieg er dieses Mal mit aus und kam mit mir auf den Schulhof. In der Nähe meiner Klasse blieben wir stehen. Viele schauten uns an. Auch Viktor. Vincent schaute ihn mit einem Blick voller Hass an, doch als er wieder zu mir schaute, war er so zerbrechlich. > Was tust du hier, Vincent? Ich mein… < >Ich beweise es dir. <  Er beugte sich zu mir runter und die Welt um uns herum verschwamm. Als er mich küsste, spürte ich wieder diese Wärme, seine Verzweiflung. Selbst seinen Herzschlag konnte ich spüren, oder war es meiner? Ich wusste es nicht. Wir brauchten keine weiteren Worte. Er hatte es mir bewiesen und an diesen Moment würde ich immer denken. Wir lächelten uns an, und er hielt meine Hand fest. Ich war so glücklich. Nie hatte ich gedacht, dass ich mich so verlieben kann. Nie hatte ich gedacht Ihn zu finden. Meinen Prinzen…

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