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Bericht über Armut

Weltbank legt Bericht über Armut in GUS-Staaten vor
Kein Anschluss an den Wohlstand?

Die Armut ist in einigen GUS-Staaten zurückgegangen, aber dennoch sehr weit verbreitet, vor allem im Kaukasus, in Zentralasien und in Moldova, heißt es in einem in Washington veröffentlichten Bericht der Weltbank.




Der Bericht über die Armut in Osteuropa und in der ehemaligen Sowjetunion wurde von Experten der Weltbank verfasst. Darin wird betont, dass insgesamt die Armut in der Region auf dem Rückzug ist. Zwischen 1998 und 2003, also seit der Finanzkrise in Russland, lag das Tempo der Wirtschaftsentwicklung in den ehemaligen Sowjetrepubliken über dem weltweiten Durchschnitt. Die Folge dieser Entwicklung ist, dass 40 Millionen Menschen in Ländern wie Russland, Kasachstan und in der Ukraine aus der Armut herausgekommen sind. Trotzdem leben 61 Millionen Menschen weiterhin unter der Armutsgrenze. Weitere 150 Millionen Menschen gelten als wirtschaftlich verwundbar.



Kaukasus und Zentralasien



Ein Pro-Kopf-Tageslohn bis zu 2 Dollar wird von der Weltbank als Armutsgrenze festgelegt. Besonders weit verbreitet ist die Armut in den drei kaukasischen Ländern Georgien, Aserbaidschan und Armenien, aber auch in den zentralasiatischen Ländern Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan, Turkmenistan und Moldova – vor allem unter der Landbevölkerung. Dem Weltbank-Bericht zufolge können in vielen GUS-Staaten Bauern immer noch keine Kredite erhalten oder Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Außerdem fehlt den Bauern der Zugang zum Markt.



Lage in Moldova



In Moldova, das immer noch zu den ärmsten Ländern Europas zählt, ist die Kindersterblichkeitsrate zurückgegangen, aber die medizinische Versorgung ist weiterhin unbefriedigend, wird in dem Bericht der Weltbank unterstrichen. Obwohl die Wirtschaft in Moldova seit 2001 jährlich um mehr als sechs Prozent wächst, spürt die Mehrheit der Bevölkerung diesen Fortschritt bislang nicht. Die Entwicklung auf dem Lande bleibt wie in den zentralasiatischen Ländern in Moldova deutlich hinter der Entwicklung der Städte zurück. Das wirkt sich auf die Schulbildung aus und führt zu häufigen Störungen bei der Wasser- und Stromversorgung.

Deutschland: Zwei Berichte zu Armut bei Migranten

Nach Angaben der Bundesregierung ist die Armut in Deutschland in den vergangenen Jahren gestiegen. Das belegt der Anfang März vorgelegte „Zweite Armuts- und Reichtumsbericht". Das Armutsrisiko von Migranten ist deutlich höher als das der Gesamtbevölkerung. Ferner dokumentiert eine Unicef-Studie, dass in den letzten Jahren die Anzahl der Kinder in Deutschland, die in Armut leben, stärker gestiegen ist als in anderen Industriestaaten. Auch hier sind Zuwandererfamilien besonders betroffen.

Der „Armuts- und Reichtumsbericht" legt die zwischen den EU-Mitgliedstaaten vereinbarte Definition einer Armutsrisikoquote zugrunde. Danach gilt als arm, wem weniger als 60% des mittleren Netto-Einkommens zur Verfügung stehen. In Deutschland liegt die Armutsrisikogrenze bei 938 Euro pro Monat. Das allgemeine Risiko, von Armut betroffen zu sein, ist zwischen 1998 und 2003 von 12,1% auf 13,5% gestiegen, so der Bericht.

Die Hauptursache von Armut und sozialer Ausgrenzung sieht der Bericht in der hohen Arbeitslosigkeit. Daher kämen Beschäftigung und Wirtschaftswachstum bei der Überwindung der Armut besondere
Bedeutung zu. Der Bericht ist mit dem Titel „Lebenslagen in Deutschland" überschrieben und berücksichtigt neben der Verteilung materieller Ressourcen auch die Teilhabe- und Verwirklichungschancen der Bevölkerung in Bereichen wie Bildung, Ausbildung, Erwerbstätigkeit und Gesundheit _ die so genannten individuellen und kollektiven Lebenslagen.

Die Daten belegen ein wachsendes Armutsrisiko bei Migranten. Es ist zwischen 1998 und 2003 von 19,6% auf 24% gestiegen und liegt weiterhin deutlich über der Armutsrisikoquote der Gesamtbevölkerung. Der Anstieg sei maßgeblich auf die im Jahr 2004 fast doppelt so hohe Arbeitslosenquote der ausländischen Bevölkerung (20,4%) im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (11,7%) zurückzuführen. Zwischenzeitlich war diese Quote von 20,3% im Jahr 1998 auf 17,4% im Jahr 2001 gesunken, danach jedoch erneut angestiegen. Primäre Ursache dafür, dass Migranten häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen sind, seien vor allem die Defizite in der sprachlichen Kompetenz und der schulischen sowie beruflichen Qualifikation. Kinder ausländischer Herkunft weisen weiterhin deutlich schlechtere Bildungsabschlüsse auf und haben daher ungünstigere Ausgangsbedingungen auf dem Arbeitsmarkt als Deutsche. Auch die Ausbildungsbeteiligung bleibt dementsprechend geringer.

Der Bericht geht neben der Arbeitsmarktlage auf die Bereiche Gesundheit und Wohnumfeld ein: In Bezug auf die gesundheitliche Situation von Migranten, so der Bericht, kann man trotz der sozialen Nachteile und migrationsspezifischer Belastungen nicht generell von einem schlechteren Gesundheitszustand ausgehen. Zuwanderer würden jedoch durch präventive Angebote deutlich weniger erreicht als die deutsche Mehrheitsgesellschaft. Allerdings seien ausländische Arbeitnehmer im Durchschnitt häufiger und länger krank.

Dagegen scheint sich die Wohnsituation von Familien mit Migrationshintergrund positiv zu entwickeln. Im Jahr 2000 war eine wesentlich größere Anzahl von Zuwandererfamilien mit ihren persönlichen Wohnverhältnissen zufrieden als noch 1998.

Nach einer internationalen Vergleichsstudie des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen Unicef lebt in Deutschland jedes zehnte Kind in Armut. Die Studie geht im Gegensatz zum Bericht der Bundesregierung davon aus, dass Armut dann vorliegt, wenn einem Kind weniger als die Hälfte des Einkommens zur Verfügung steht, über das ein Kind in der jeweiligen Gesellschaft durchschnittlich verfügt. In fast allen westlichen Industriestaaten wächst der Anteil von Kindern in Armut, so Unicef. Den geringsten Anteil haben Dänemark und Finnland (jeweils unter 3%), während Kinderarmut in den USA sehr häufig anzutreffen ist (21,9%). Zwar liegt Deutschland im OECD-Vergleich weiterhin im Mittelfeld (10,2%), jedoch ist hier die Kinderarmut seit 1990 wesentlich stärker gestiegen als anderswo.

Die Unicef-Studie macht deutlich: Der größte Anstieg von Kinderarmut in der Bundesrepublik ist bei Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund zu verzeichnen. In den 1990er Jahren verdreifachte sich der Anteil armer Kinder in dieser Bevölkerungsgruppe von rund 5 auf 15%. Dieser Anstieg lag weit über dem Durchschnitt und trug maßgeblich zum Gesamtanstieg der Kinderarmut in Deutschland bei. js i.A. der bpb

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