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Trous en formation!

2.7.2011 München - Vitry ~650km

Schon liegt der erste Tag hinter uns und wir stehen mit unserem Camper auf einem Stellplatz in Vitry Le Francois gegenüber der Gendarmerie.
Sicherer gehts nicht. :-)

Nachdem wir befürchtet haben, dass wir nicht mehr loskommen, war es um 10.30 Uhr endlich so weit, dass wir Richtung Strasbourg starteten.
500 Meter hinter der französischen Grenze stellt Gerdi fest: "Hier ist es aber dreckig am Straßenrand!",
1000 Meter hinter der französischen Grenze blüht aber der Lavendel, und sagt uns quasi "Bienvenue!" - wir sind in Frankreich.

Durch das Elsaß geht es an Nancy vorbei in die Champagne. Heute ist reiner Fahrtag, wir wollen so weit wie möglich nach Westen.
Ziel ist der kleine Ort Vitry Le Francois 70km südlich von Reims.
Wie an der Einleitung zu erkennen: Wir haben trotz des megaspäten Starts die 650km hinter uns bringen können, und haben das fast leeren Straßen und einem unglaublich genügsamen Kilian zu verdanken, der vergnügt hinten im Wohnmobil gesessen hat und der Welt am vorbeifahren zugeguckt hat.
Was er dabei sehr oft gesehen hat, war ein Straßenschild "Trous en formation". "Trous" heißt "Loch", den Rest kann man sich ausmalen. So gefederte Fahrersitze haben was für sich.
Trotzdem kommen wir unbeschadet in Vitry an und finden auch gleich den im Wohnmobilführer empfohlenen Stellplatz.
Nach einem späten Abendessen gings dann für Kilian ins Bett, wir bereiten noch ein bißchen die Route für morgen vor und - gucken den Klitschko-Kampf.
So ein Fernseher hat doch was für sich! :-)

Morgen gehts dann nach Reims, Amiens und vielleicht noch nach Beauvais - Kathedralen gucken.
Kilian freut sich auch schon sehr auf die "goße Bimbam!". :-)

Vive la France!

Conny, Gerdi und KILIAN

Weltkulturerbe, die erste...

3.7.2011 - Vitry - Reims - Amiens

Eigentlich, ja eigentlich stehen heute zwei Kathedralen auf dem Programm. ABER: unser Sohn macht das Unmögliche möglich und schläft bis 9.00 Uhr. Und wir auch. Schließlich ist ja URLAUB. :-)
Nach dem Frühstück gehts dann los, Richtung Reims. Dort erfahren wir zum ersten Mal, was es bedeutet, das Opfer der Straßenführung in einer französischen Departement-Hauptstadt zu sein: Überall Einbahnstraßen, alles sehr eng, sehr schlecht Beschilderung. Nach ner halben Stunde Parkplatzsuche reichts Gerdi, und unter Mißachtung einer Einbahnstraße kommen wir endlich an dem einzigen Parkplatz in Reims an, an dem Wohnmobile stehene dürfen. Das Navi war übrigens keine große Hilfe, es gab zwar verlässlich Auskunft, aber leider immer erst HINTER der Kreuzung...
Weil dann schon Mittag ist, machen wir erstmal Brotzeit, dann gehts auf zur Kathedrale. Die steht auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste, und nur wenn man davor steht, weiß man auch warum. Alleine mit de Westfassade könnte ich mich stundenlang befassen, aber ich hab ja noch zwei nicht so ganz fanatische Begleiter dabei, drum gehts nach ner Teilumrundung der Kirche gleich hinein. Drinnen ist Kilian dann ca. 10 Minuten lang total begeistert von den bunten Maßwerkfenstern und erklärt, dass er solche auch zu Hause haben will, dann aber stellt er fest, dass der Kirchenraum groß genug ist, um prima darin tanzen und rennen zu können. Ganz toll. Weil das Ganze nicht wirklich leise von sich geht, lassen wir uns nicht mehr wirklich viel Zeit im Inneren, sondern wandern zurück zum Wohnmobil. Dann gehts weiter nach Amiens, zur nächsten hochgotischen Kathedrale. Auf dem Weg dorthin fällt uns ein, dass wir gar keinen Tipp für einen Stellplatz in Amiens haben, und meinem Kopf fällt ein, dass er jetzt Migräne bekommen muss. Darum verschieben wir die Besichtigung der Kathedrale auf morgen und fahren nur noch auf den Campingplatz, wo es Strom, Duschen und eine Dump-Station gibt. Morgen gehts dann mit den Rädern zur Kathedrale.

Weltkulturerbe die zweite und, wenns geklappt hätte, wie gedacht, auch die dritte ;-)

4.7.2011 - Amiens - Beauvais - Pont l'Eveque  227km

Der zweite Tag im Zeichen der Gotik. Ich finds super.
Kilian leider nicht, der genießt zwar, nachdem wir von der Sonne geweckt wurden und schön gefrühstückt haben, die 6km lange Fahrt in seinem Radlanhänger nach Amiens,
aber entpuppt sich dann in der Kathedrale (ebenfalls auf der Unesco-Welterbe-Liste) als "Kulturbremse" - in der Kathedrale begeistern ihn die bunten Maßwerkfenster nur noch ca. 10 Sekunden,
dann beschließt der kleine Mann, dass er jetzt die gotische Chorabsperrung erklimmen will - äh... MUSS. Damit ich aber noch ein bißchen was sehe, geht Gerdi mit ihm schonmal raus. Ist auch schöner für die restlichen Besucher, dann hören sie auch was von ihren Audioguides... :-(
Nach einem kleinen Spaziergang um die Kathedrale rum (immerhin Frankreichs größte Kirche) gehts mit den Rädern wieder zurück - immer am Somme-Kanal entlang. Die Sonne scheint, wir kommen an alten Backsteinhäusern vorbei, hin und wieder sehen wir auch einen Fischer - schön ists hier!
Nachdem wir Mittag gegessen haben und unser Bad-Water entleert haben, verlassen wir die Hauptstadt der Picardie und wagen trotz unserer Kulturbremse Kilian einen Abstecher nach Beauvais - hier hätte im Mittelalter die größte gotische Kathedrale der Welt erbaut werden sollen.
Der Plan war gut, die Ausführung leider nicht - der unglaublich hohe und feingliedrige Bau stürtze wegen konstruktiver Mängel mehrmals ein, und blieb daher unvollendet.
Vollendet hätte er es sicher auf die Weltkulturerbe-Liste geschafft, so aber steht "nur" das Querhaus und der Chor. - Aber was heißt hier "nur". Schon von außen wird klar, dass dieser Bau um Dimensionen größer ist als die Kirchen in Reims und Amiens.
Im Innenraum geht der Blick automatisch nach oben, und will gar nicht mehr runter. Über 48 Meter hoch ist der Bau, der urspr. sogar noch höher war.
(Als Maßstabsfigur ist in der Fotogalerie Gerdi mit Kilian im Seitenschiff zu sehen. Das Hauptschiff ist nochmal höher.)
Unsere Kulturbremse Kilian beendet dann auch diesen Ausflug vorzeitig mit dem stolzen Ausspruch "Kilja Kacka!" - Ich mache noch schnell ein paar Außenaufnahmen, Gerdi geht schonmal vor zum Parkplatz - diesmal haben wir nicht lange gefragt und uns einfach in der Nähe der Kathedrale auf nen normalen Parkplatz gestellt, frei war genug, da eh grad Mittagszeit war und Frankreich da quasi ruht.
Dann sind wir ein bißchen unentschlossen - heute noch so weit nach Westen wie möglich, oder nur bis Rouen und uns die Haupstadt der Normandie mit ihren Fachwerkhäusern und einer weiteren gotischen Kathedrale anschauen. Auf der Landstraße nach Rouen fällt dann aber der Entschluss: Wir wollen endlich Meer sehen, und deshalb durchfahren wir Rouen nur - und wie. Einmal falsch abgebogen, und wir schleichen im Feierabendverkehr ne gute halbe Stunde um die Stadt, ehe wir auf der richtigen Autobahn sind.
Ein Wort vielleicht zu den Landstraßen und Autobahnen Frankreichs: Die Autobahnen sind meistens kostenpflichtig, und da langen die Franzosen ganz schön hin: Die Strecke von Reims nach Amiens kostete beispielsweise 22 Euro.
Darum fahren wir, wenns möglich ist, lieber auf den Landstraßen. Bei einem Tempolimit von 90 km/h kann man gut mit seinem Wohnmobil dahinfahren, ohne als Verkehrshindernis betrachtet zu werden, und: Es ist erstaunlicherweise kaum was los auf den Straßen. Stau gabs bislang nur in Rouen, ansonsten wars super.
Weil wir gestern ja auf dem Campingplatz waren, und der Wassertank voll und das Klo leer ist, fahren wir heute einen kostenlosen Stellplatz an, der im WOMO-Reiseführer empfohlen ist (nochmal danke liebe Richters!) und landen so in dem beschaulichen Örtchen Pont l´Éveche. Käsefreunden ist er vielleicht als Namensgeber für eine berühmte Käsesorte bekannt, ansonsten besticht er durch ein paar nette alte Häuser und einen großen Parkplatz mit anschließendem Spielplatz, auf dem neben uns noch drei andere Wohnmobile stehen.
Dank unseres Ausfluges in einen Intermarché sind auch unsere Vorräte wieder aufgefüllt, und so gibts heute abend Nudeln mit Ziegenkäse-Speck-Oliven-Zwiebelsoße. Lecker!!!
Morgen fahren wir dann noch ca. 10 km, dann sind wir in Deauville - und damit am Meer!!! :-)
Je nachdem, wie uns der Sinn steht, gehts danach entweder nach Bayeux, oder gleich weiter bis zum Mont Saint-Michel. Allerdings ist das dann schon wieder ein Weltkulturerbe. Ist ja kaum auszuhalten... :-)

Baden in Deauville, Operation Overlord, und Schnuppern am Weltkulturerbe

5.7.2011 - Pont l'Eveque - Deauville - Bayeux

Nachdem wir wieder von der Sonne geweckt wurden (guuut - eigentlich wurde Kilian von der Sonne geweckt und hat dann UNS geweckt...),
gehts nach dem Frühstück gleich nach Deauville, dem wohl mondänsten Badeort der Normandie, und "Hauptstadt des Polosports".
Dementsprechend parken wir in der Nähe einer der vielen Pferdesportanlagen an einem kostenlosen Wohnmobilstellplatz mit Stromanschluss und spazieren Richtung Strand.
Der Ort ähnelt im Stil einem englischen Seebad, und tatsächlich kamen im 19. Jahrhundert auch viele Engländer hierher zur Sommerfrische.
Am Strand begrüßen uns dann die berühmten Umkleidekabinen - siehe Foto. Und das Meer!
Schnell die Strandmuschel aufgebaut, und dann geht Gerdi mit Kilian ab zum Meer (ich bleibe bei unseren Sachen, es soll da in der näheren Verwandtschaft in letzter Zeit ja einiges weggekommen sein bei solchen Badeaktionen).
Kilian findet das Meer aber nicht so super, nach der ersten Tuchfühlung (die große Zehe wurde wohl nass) rennt er wie besessen und so schnell er kann zurück Richtung Mama.
Da kann er dann aber im feinen Sand spielen, und ist begeistert - und nach kurzer Zeit auch paniert.
Gerdi und ich haben weniger Probleme mit dem Meer, und so sind wir heute das erste Mal in diesem Urlaub im Atlantik geschwommen. War gar nicht kalt, sondern schööööön!

Am frühen Nachmittag gehts dann zurück zum Wohnmobil und entlang der Invasionsküste nach Bayeux. Auf unserer Fahrt entlang der Küstenstreifen, an denen im zweiten Weltkrieg die Alliierten anlandeten, schlägt das Wetter um und es beginnt zu regnen.
Das passt zu der bedrückenden Stimmung, die sich angesichts der Reste von Bunkeranlagen, Kriegsgerät und riesigen Betonpollern im Meer bei uns ausbreitet.
Wir fahren nicht alle Landungsstrände ab, sondern verlassen nach Arromanches, wo wir uns noch die Reste von "Mullberry B" angucken - riesige Betonwellenbrecher, die aus dem Meer ragen, und Teil eines künstlichen Hafens waren, den die Alliierten vor der Küste aufbauten - die Strecke Richtung Bayeux.
Weil wir heute nämlich noch gar kein Weltkultuerbe gesehen haben, wollen wir noch den Teppich von Bayeux besichtigen - einen 75m langen Wandteppich aus dem 11. Jahrhundert, der die Geschichte Wilhelm des Eroberers nacherzählt.

Wir quartieren uns auf dem städtischen Campingplatz ein, was angesichts der Sanitäranlagen ein Fehler war - da ist mir die Chemietoilette echt lieber, brr!!! und gehen los Richtung Stadtzentrum.
Viel Zeit haben wir nicht mehr, es ist 18.00 Uhr und die Ausstellung schließt laut Reiseführer um 19.00 Uhr, aber einen Museumsbesuch kann man mit Kilian voraussichtlich eh nicht arg in die Länge ziehen, so dass eine Stunde wohl reichen muss.
Am Museum kommen wir um 18.20 Uhr an, und: stehen vor verschlossenen Türen! Letzter Einlass laut Schild: 18.15 Uhr. AAARGH!
Der Souvenirladen hat noch offen, und so erahnen wir auf Postkarten, T-Shirts und Sticksets "Do your own Tapestry", was wir heute verpassen. Der Museumsrundgang endet im Souvenirladen, so dass wir wenigstens den GERUCH des Weltkulturerbes erahnen.
Ironie des Schicksals: Kilian hat im Wagen ne knappe Stunde geschlafen, wir hätten IN ALLER RUHE das Museum anschauen können.
So gibts halt NOCH eine Kathedrale, diesmal romanisch-gotisch und auch sehr schön, und weil Kilian schläft, auch in aller Ruhe.

Weil wir nicht aufgeben wollen, schauen wir uns den Teppich halt morgen früh an - Zitat Gerdi: "Kann doch nicht sein, da fährt man über 1.000 km, und dann sieht man den Teppich von Bayeux nicht!" (Dass der eigentlich urspr. gar nicht auf dem Programm stand und Gerdi dessen Existenz gar nicht so 100%ig bewusst war, erwähne ich hier nur leise in Klammern...*ggg*)
Danach fahren wir dann weiter zum Mont Saint-Michel, wo wir gegen Mittag ankommen wollen - hoffentlich geht unsere Taktik auf, und die Franzosen machen auch dort wie überall bisher um diese Zeit ihre laaaaange Mittagspause, so dass es da nicht ganz so eng wird.
Also morgen gleich Weltkulturerbe mal zwei. Hoffentlich klappts.
Die weitere Strecke steht noch nicht fest, wir haben dann nämlich das Problem, mit der Tour de France in Kontakt zu kommen und wissen noch nicht, ob wir die weiträumig umfahren sollen oder ungeachtet dessen weiter Richtung St. Malo fahren.

unser gästebuch eintrag leider hier, weil wir als administratoren irgendwie keine einträge ins gästebuch stellen können. TOLL...

viele grüße aus bayeux, wir sind noch immer in der normandie...
leider klappt das mit den fotos noch nicht so wie gedacht - wir müssen die erst kleinrechnen, und gestern hat dann plötzlich die seite gesponnen und wir konnten nichts mehr hochladen. toll. :-(
darum sind wir damit jetzt ein bißchen in verzug, wir bitten um entschuldigung und hoffen, dass demnächst mal zeit für ne konzentrierte foto-einstell-aktion ist. jetzt ist es aber schon laaaange schlafenszeit, so dass das heute leider nix mehr wird...

liebe grüße,
conny, gerdi und KILIAN

Ein Teppich, ein Klosterberg und zwölf Huitres

6.7.2011 Bayeux - Le Mont Saint-Michel - Cancale

Heute morgen weckt uns der Regen - nicht so schön. Bis ich mich entschließen konnte, aus dem warmen Bett raus zur Dusche zu gehen, hats aber zum Glück schon wieder aufgehört.
Als wir uns zum zweiten Mal auf den Weg zum Teppich-Museum machen, kommt sogar die Sonne durch. Wir sind früh dran, und so haben wir den Teppich fast ganz für uns, weit hinten kommt noch ne Reisegruppe,
aber vor uns ist niemand. Der Teppich hängt in einem dunklen, schmalen Raum, und per Audioguide werden wir an den einzelnen Abbildungen vorbeigeführt. Die Geschichte von Wilhelm und der Schlacht von Hastings ist spannend erzählt,
Kilian ist begeistert von den Bildern und bleibt die ganze Zeit schön im Wagen sitzen und schaut, so dass das wirklich ein entspannter Auftakt des heutigen Tags war. Wieder draußen, sehen wir dann die Schlangen an der Kasse. Hat sich gelohnt, das frühe Aufstehen! :-)

Weltkulturerbe Nr. 1 ist also abgehakt und zurück am Campingplatz packen wir dann zusammen und fahren los Richtung Le Mont Saint-Michel.
Die Fahrt geht wieder problemlos, auf dem letzten Teilstück gehts entlang der Bucht, und so haben wir immer wieder eine schöne Aussicht auf den beeindruckenden Klosterberg.
Am Mont Saint-Michel angekommen, wird der Campi auf dem großen Wohnmobilstellplatz geparkt (12 Euro Parkgebühr, ordentlich! Die erlauben zwar ein Parken über 24 Stunden, aber wir wollen hier ja eigentlich nicht übernachten...).
Die befestigte Stadt unterhalb der Klosteranlage bestärkt uns dann auch in diesem Standpunkt - Es sind tausende von Touristen, die sich hier durch die engen Gassen schieben. Oben am Kloster wird das nicht bedeutend weniger. Aber dafür ist der Ausblick über das Watt, das Meer und das Hinterland mit dem Flüsschen Couesnon, welches die Normandie von der Bretagne trennt wirklich toll.
Der Rundgang durch die Klosteranlage ist dann aber leider wirklich - anstrengend.
Zum einen nerven die ganzen Japaner, die die Klosterräume in einem Blitzlichtgewitter versinken lassen, dann nervts mich, dass man kein ordentliches Foto von der Architektur mal OHNE einen Menschen drauf machen kann, und schließlich hebt auch Kilian nicht wirklich die Stimmung.
Der findet das Kloster große Klasse, und will deshalb nicht in der Kraxn bleiben, sondern viel lieber um jede, aber auch wirklich JEDE Säule ganz "schnääällll!" rumrennen oder sie alternativ beklettern.
In der "Krypta der dicken Pfeiler" hoffen wir, dass er davon irgendwann müde wird, aber dem ist nicht so.
Wir bechließen also, dass es jetzt reicht und dass das tollste am Klosterberg ist, ihn von weitem im schier endlos erscheinenden Watt zu sehen.

Zurück am Camper überlegen wir, wie es jetzt weitergehen soll - morgen kommen wir nämlich wirklich nah an die Tour de France ran, bzw. sie an uns. ;-)
Wir beschließen also, nördlich von Dinan am Meer zu bleiben und nicht nach Fougeres zu fahren und wollen deshalb nach Cancale.
Nachdem wir in Neuseeland ja schon die "Welthauptstadt der Grünlippenmuschel" sowie die "Welthauptstadt des Languste" kennengelernt haben, gehts jetzt also in die "Welthauptstadt der Auster".
In Cancale fahren wir zu dem im Womo-Führer empfohlenen und schönen, aber leider kostenpflichtigen Wohnmobilstellplatz oberhalb des Hafens und merken gleich: Hier in der Bretagne sind deutlich mehr Wohnmobile unterwegs als in der Normandie. Auf dem Stellplatz stehen mind. noch 20 weitere Wohnmobile.
Dann gehts runter zum Hafen - es ist Ebbe und schon von weitem sehen wir die Austernbänke vor der Küste. Unten reiht sich ein Fischrestaurant neben dem anderen, aber wir suchen etwas anderes, und finden das dann am Ende der Hafenstraße auch: Direktverkauf von Austernmuscheln, die wirklich gerade frisch vom Traktor kommen.
Für lächerliche 5,50 Euro gibts dann ein Dutzend Austern mit Zitrone an der Hafenmole. Jetzt ärgern wir uns doch, dass wir in Reims nicht doch noch in einer der berühmten Champagnerien gewesen sind und zumindest einen Piccolo Pommery oder Veuve Cliquot mitgenommen haben... wäre schön dekadent gewesen, Austern- und Champagnerschlrüfend auf das weite Watt der Bucht rauszuschauen... ;-)
Auf dem Rückweg kommen wir an einem kleinen Kinderkarrussell vorbei, und da muss Kilian natürlich mit.
Der Tag endet mit drei Rothers im Campi, die alle zufrieden lächeln. :-)

Morgen fahren wir nur ein ganz kleines Stückchen, nach St-Malo. Da hoffen wir auf gutes Wetter, wir wollen erst an den Klippen von Rothéneuf entlangspazieren, dann im Meerwasserbecken ein bißchen plantschen und uns dann die alte Seeräuberstadt mit iher "Ville Close" anschauen.


Piraten! Sturm! Und schon wieder eine Muschel.

7.7.2011 - Cancale - Saint-Malo - An der Smaragdküste entlang zum Cap Frehel - Erquy

Der Tag beginnt sonnig - perfekt für unseren Plan, uns am Strand von Rothéneuf ein paar Felsskulpturen anzugucken und zu baden.
Es ist nicht weit von Cancale bis dorthin, und nach einem echt französischen Frühstück mit Croissants und Pain du Chocolat gehts los.
Gekauft haben wir das Gebäck übrigens bei einem Bäcker, der laut hupend mit seinem Verkaufswagen in der Früh um halb acht über den Stellplatz gebrettert ist. :-)
Wir folgen der Routenbeschreibung im WoMo-Führer, der Parkplatz am Strand von Rothéneuf ist gleichzeitig als Stellplatz ausgewiesen, und werden dann kurz vor unserem Ziel böse überrascht.
Vor dem letzten Stück zum Parkplatz ist eine neue Höhenbegrenzung errichtet worden - Fahrzeuge über 2,10 Meter können nicht mehr durch. Diese Schranken sehen wir leider sehr oft, meistens an den Parkplätzen zu schönen Stränden.
Das ist ärgerlich für uns, weil es teilweise echt Zeit kostet, einen geeigneten Parkplatz zu finden. Tja. Entweder, die Camper haben sich in der Vergangenheit übel aufgeführt, oder die Kommunen haben entdeckt, dass es für sie lukrativer ist,
die Campingplätze zu füllen als das kostenlose Übernachten auf Parkplätzen zu erlauben. :-(
Diesmal haben wir jedenfalls wirklich Pech, die Straße zum Strand geht von einem Wohngebiet ab, nirgends ist ein Plätzchen für unseren Camper zu finden, und so fahren wir unverrichteter Dinge weiter.
Etwas grumelig parken wir auf dem Stellplatz in Saint Malo, auch der liegt außerhalb und kostet für uns 7,40 Euro. Auch kein Schnäppchen, wir wollen hier ja nicht die Nacht verbringen, sondern nur für zwei, drei Stunden parken.
Aber wenigstens ist der Shuttlebus in die Altstadt kostenlos. Immerhin. Also auf in die alte Korsarenstadt Saint-Malo, auf zu dem Piraten!
Saint-Malos befestigte Altstadt, die "Ville Close" oder "Intra Muros" genannt wird, ist dann wirklich super. Obwohl im zweiten Weltkrieg größtenteils zerstört, wurde das Stadtbild beim Wiederaufbau weitgehend erhalten. Wir umrunden die Stadt erst einmal auf der Wehrmauer.
Die Sonne versteckt sich mittlerweile teilweise hinte Wolken und: Der Wind ist... beeindruckend. Wir haben von hier oben aber immer wieder andere schöne Aussichten auf das Meer, den Hafen oder die Altstadt.
Nach unserem Spaziergang auf der Mauer geht es noch hinein in die Altstadt, wir laufen am Geburtshaus von Herrn Chateaubriand vorbei und merken da: Kilian hat nur noch einen Schuh an. Auf unsere Frage, wo denn um Himmels willen der Schuh sei, meint er vergnügt: "Da hinte!" und grinst.
Schön. Und wo ist "da hinte?!". Keine Ahnung. Also zurück. Zum Glück war unsere Gestik wohl ausdrucksstark genug um einen Franzosen auf uns aufmerksam zu machen, der uns dann den Tipp gibt, auf dem Hauptplatz läge ein einsamer Kinderschuh. Super. Ein genervter Papa macht sich auf die Schatzsuche,
Kilian weint, weil Mama ihm zu verstehen gegeben hat, dass das jetzt nicht so die super Aktion war und die Moral der Truppe ist im Keller. Da hilft nur ein Crêpe. Zwei davon gefüllt mit Maronencreme und einer mit Butter und Zucker für Kilian machen das Leben dann wieder lebenswert.

Weiter gehts dann über den Fluss Rance mit dem ersten Gezeitenkraftwerk der Welt nach Dinard, wieder einem alten englisch geprägten Badeort, immer der Küste entlang bis zum Cap Frehel.
Da ist dann wettertechnisch Schluss mit lustig. Auf dem Weg zur Spitze der Landzunge stürmt es nur kräftig, vorne beginnt es dann aber zu regnen. Waagrecht. Wir kauern uns an den alten Turm und ziehen die Köpfe ein.
Zum Glück gilt für das Wetter in der Bretagne wohl das gleiche wie für das Wetter in Neuseeland: Man braucht nur fünf Minuten zu warten, dann ists schon wieder anders.
Wir warten also kurz ab, dann gibts noch ein paar Fotos vom sturmumtobten Ca, und dann treibt uns der Wind wieder zurück ins Wohnmobil.

Unser Etappenziel für heute heißt Erqui - wie es der Zufall so will, ist das die "Hauptstadt der Jakobsmuschel". Grade ist aber keine Fangsaison, also gibts heute keine Muscheln am Hafen. Schade eigentlich. ;-)
A propos Etappenziel: Gestern ging ja die Tour de France von Dinard nach Lisieux, wir fahren ein Stück der Strecke ab, und sehen hier und da noch ein paar Aufräumarbeiten. Erstaunlich aber, wie schnell von dieser Riesentour nix mehr zu sehen ist.
Kein Abfall irgendwo, die Absperrungen schon wieder weg, nur noch ein paar Versorgungszelte, die sich im Abbau befinden und provisorische Parkverbotsschilder erinnern an das Riesenpeloton, das gestern hier durchgerauscht ist.
In Erqui angekommen fahren wir einen im Reiseführer empfohlenen Campingplatz an - man mag es nicht glauben, aber ich muss tatsächlich waschen! Angeschnallt im Auto schafft es Kilian irgendwie jede halbe Stunde, eine Garnitur äh... ihr wisst, was ich meine. Der alte Schluckspecht. ;-)
Der Campingplatz liegt außerhalb, an der Plage de Caroual, einem riesigen wunderschönen Sandstrand. Wir essen schnell zu Abend, und dann darf Kilian länger aufbleiben, wir müssen noch runter zum Meer!
Mit Baden ist zwar nix, dafür ist es deutlich zu kalt und zu windig, aber Kilian ist ganz begeistert von den Wattwurmwürstchen, die hier zu tausenden rumliegen, und bewirft sich, Gerdi und mich eifrig mit Sand.
Danach ist klar: Das Kind braucht eine Dusche, besser noch ein Vollbad. Gerdi duscht mit Kilian, und ich plane unsere Fahrt für morgen.
Nachdem Kilian eingeschlafen ist, geht Gerdi noch an den Strand, ein bißchen in den Felsen rumkraxeln, und danach mache ich noch einen Sonnenuntergangsspaziergang, der leider keiner ist, weil zu wolkig.
(Den Spaziergang mache ich übrigens um 22.30 Uhr, so weit im Westen und so kurz vor Sonnwend sind die Tage hier laaaaaang.)
Morgen fahren wir dann zur Côte de Granit Rose und wandern den Sentier des Douaniers, den Zöllnerpfad ein Stück entlang.


Ich will Meer sehn... Immer mehr vom Meer sehn...

8.7.2011 - Erquy

Wie?! Was?!
Heute unser Homepageeintrag schon zu Mittag?!
Das liegt daran, dass heute früh die Sonne scheint und der Strand so toll ist und der Campingplatz auch - mit Riesenspielplatz.
Darum bleiben wir einfach noch einen Tag. Grad ziehts zwar leider etwas zu, aber das Satellitenbild verspricht baldige Besserung,
so dass es heut nachmittag an den Strand geht. :-)
Die rosa Granitbrocken, die heute durchwandert werden wollten, gibts morgen bestimmt auch noch.

Steine, Steine, Steine

9.7.2011 - Erquy - Beauport - Côte de Granit Rose

Nach einem dann doch etwas durchwachsenen Strandtag mit Sonne, Wind und leider auch Regen zwischendurch - was uns aber nicht vom Baden abgehalten hat, die Wellen waren nämlich super! - gehts heute weiter.
Später als gedacht brechen wir auf, es dauert doch ne Zeit bis das Altwasser abgelassen und der Frischwassertank aufgefüllt ist. Außerdem müssen wir noch einkaufen und machen deshalb halt an einem großen Supermarkt.
Dann gehts aber los, zuerst zur Abbaye de Beauport, einer Klosterruine. Wir sind aber schon spät dran, immerhin wollen wir heut noch wandern, und so besichtigen wir das Kloster nur von außen.
Anschließend fahren wir weiter nach Norden, zur Côte de Granit Rose, wo wir einen Teil des Sentier des Douaniers entlang der Rosa Granitküste wandern wollen.
Der Startort, Ploumanac´h, ist leider nicht wirklich auf Wohnmobile eingestellt, nirgends ein Stellplatz. Darum stellen wir uns auf dem Strandparkplatz einfach auf den natürlich viel zu kurzen PKW-Platz und hoffen, dass das in Ordnung ist.
Weil Gerdi Rückenschmerzen hab, darf ich heute die Kraxn tragen. Irgendwie muss dieser Kilian ganz schön zugenommen haben...
Und so wird die gut zweistündige Wanderung, die eigentlich ohne nennenswerte Höhenunterschiede durch wunderschöne Granitformationen über der Küste entlang läuft, zu ner doch recht sportlichen Veranstaltung.
Glücklicherweise ist der Weg aber größtenteils harmlos, so dass Kilian auch mal laufen kann. Er ist ganz begeistert von den Felsen und den vielen "FFFFiffen" (Schiffen), die vor der Küste kreuzen.
Wieder am Wohnmobil stellen wir erfreut fest, dass wir keinen Strafzettel bekommen haben und machen uns auf den Weg zu unserem heutigen Stellplatz. Dort angekommen, stellen wir fest: Viel zu laut.
Diese Warnung stand schon im WoMo-Führer, aber wir haben dem Stellplatz noch ne Chance geben wollen. Aber direkt neben nem Kreisverkehr, an dem sich zwei Schnellstraßen treffen und dicht an dicht zum Nachbarn wollen wir dann doch nicht schlafen.
Also weiter zum nächsten Stellplatztipp. Der liegt direkt am Meer und soll gebührenfrei sein, also nix wie hin. Dort angekommen, müssen wir aber feststellen, dass neben den vier anderen Wohnmobilen ne ganze Dauercamper-Sinti-Familie sich dort wohl für länger wohnlich eingebucht hat.
Hunde, viele Kinder, Wäscheleinen, ebenfalls also sehr laut, und dann noch ein Parkwächter, der 5 Euro für die Nacht will. Ist wohl nix mehr mit kostenlos. Ich fühle mich da nicht wohl, also fahren wir noch ein Stück weiter.
Endlich haben wir Glück - wir stehen ganz in der Nähe eines Gallierdorfes, eine Art Glentleiten auf bretonisch, es ist schön ruhig hier, außer uns noch ca. 5 andere Wohnmobile und diesmal wirklich kostenlos.
Nachdem sich Kilian beim Fußballspielen mit Gerdi noch ordenlich das Gesicht zerschrammt hat (super, ich bin gespannt, wie das morgen ausschaut...) gabs dann noch Abendessen und dann gings ins Bett.
Wir schauen grad Fußball-Viertelfinale und überlegen, wo wir morgen hinfahren. Es gibt da mehrere Möglichkeiten, lasst euch überraschen.

Kalvarienberg mal anders und Zustände wie in Norwegen: Fjorde und kaltes Wasser

10.07.2011 - Côte de Granit Rose - Calvaires von Thegonnec und Guimiliau - Côte d`Abers

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Zuallererst mal unser Gästebucheintrag - unser Computer nimmt immer den einzugebenden Code nicht an,
so dass wir dort nix einstellen können. Komisch.


ui, so viele mitleser! das freut uns!

marita, an den stränden soll euer vorhaben nicht scheitern, wir sind hier an einem traumhaften sandstrand nach dem anderen. allerdings ist heute zugegebenermaßen die wassertemperatur sehr niedrig gewesen, solange wir im bereich des kanals waren, war der atlantik noch angenehm warm, aber jetzt ganz im westen wars dann doch etwas sehr sportlich heute...

kilian machts wirklich riesig spaß im "womo! womo!" wie er selber sagt (micha, er fährt übrigens schon in fahrtrichtung), findet sein großes höhlenartiges bett ganz toll und: neben all den kirchen, die er so gucken muss, gibts ja auch tonnenweise sandstrände hier. sooo schlimm ists also nicht für ihn. ;-)

liebe grüße,
conny, gerdi & KILIAN

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So, jetzt aber zum eigentlichen Reisebericht!
Nachdem wir gestern nicht ganz sicher waren, wie weit wir von der Granitküste aus ins Innenland fahren wollen, steht jetzt die Entscheidung:
Wir gucken uns heute zwei der berühmten bretonischen Kalvarienberge in St-Thégonnec und Guimiliau an und fahren dann in den Nordwesten, an die Côte d´Abers.
(Abers sind eingesunkene Flusstäler, die vom Meer erobert wurden und nun fjordartig ins Landesinnere reichen.)
Unser Plan, durch den Wald von Huelgoat zu wandern, wird auf später verschoben.
Die Übersetzung "Kalvarienberg" für das französische Wort "Calvaires" ist eigentlich irreführend, denn bei den Calvaires handelt es sich um umfriedete Pfarrbezirke, die in der Renaissance / im Barock entstanden sind.
So ein "Pfarrhof" besteht immer aus Kirche, Beinhaus, und "Kalvarienberg", einer figürlichen Darstellung von Szenen aus dem Leben und der Passion Christi, die auf einem steineren Sockel ruht und von der Kreuzigungsszene gekrönt ist (siehe Fotos).
Bei beiden Pfarrbezirken freut uns erstmal, dass es jeweils nen tollen Wohnmobilstellplatz für uns ganz in der Nähe gibt. Kilian ist wohl dem Barock mehr zugetan als der Gotik, denn er entdeckt überall Engelein. Und die sind alle "nacki!! da! nackiiii!"
Ansonsten erkennt er mittlerweile Maria und das Jesulein von alleine, ist ja auch kein Wunder nach dem Programm der letzten Woche. ;-) Heut kam dann an nem barocken Seitenaltar in der Kirche von Guimiliau endlich auch der "Papa" vom Jesulein ins Spiel,
der Altar war nämlich dem hl. Joseph geweiht. (Zum Glück war Kilian mit der Erklärung "das ist - äh - QUASI der Papa vom Jesulein" zufrieden.)

Dann ist Mittag, und nach dem Mittagsessen gehts weiter an die Nordwestküste der Bretagne, nach Kerlouan. Da ist nämlich für alle was dabei: Meer für die Mama, Sand für den Kilian und Granit-Boulderbrocken für den Papa.

Wir verbringen nen schönen Nachmittag am Strand, allerdings ist das Wasser hier außerhalb des Ärmelkanals doch deutlich frischer, und so fällt das Badevergnügnen nur sehr kurz aus.
Außer für Kilian. Der entdeckt zwei Löcher im Sand in Meernähe, in denen das Grundwasser steht. Damit ist er dann für eine Stunde voll beschäftigt und kommt naß, grinsend und paniert am Wohnmobil an.
Die Außendusche kommt zum erstenmal zum Einsatz, SO darf der kleine Mann nicht ins Wohnmobil.

Unser Stellplatz für heute liegt dann zwischen dem Aber-Wrac´h und dem Aber Benoit in Lannilis. Wir sind hier die einzigen und überlegen schon, ob wir weiterfahren sollen, so allein auf nem Riesenplatz ganz am Ende einer Sackgasse fühlt sich komisch an.
Aber dann bekommen wir zum Glück noch Gesellschaft. Das ist auch gut so, wir sind nämlich beide zu müde, um noch weiterzufahren. Gut, ICH bin zu müde. Gerdi ist nach dem Genuss einer ganzen Flasche Cidre wohl kaum mehr fahrtauglich. Aber einen so erfolgreichen Bouldertag MUSSTE er nach eigener Aussage einfach irgendwie begießen.
Morgen gehts dann "ans Ende der Welt" zur Pointe de Corsen, dem westlichsten Punkt des französischen Festlands. Dann stellen sich uns noch ein paar Menhire in den Weg und ein weiteres Kap wartet auf uns, die Pointe de Saint-Mattieu. Dann sind wir auch schon in Brest, evtl. gehen wir da noch Fische gucken in Oceanopolis.

Kaps und Hinkelsteine



11.07.2011 - Côte d´Abers - Pointe de Corsen - Pointe de St. Mathieu - Huelgoat

Nach einer entsetzlichen Nacht auf einem Stellplatz bin ich leider fahruntauglich.
Ich weiß nicht, wie ich es elegant umschreiben könnte, also sag ichs, wie´s war:
Ab elf Uhr abends hats da zu stinken begonnen als wären im Gebüsch nebenan mehrere Hirsche am Verwesen. Woher der abartige Geruch kam, konnten wir nicht rausfinden.
Das übrige zu ner schlaflosen Nacht tat die Schnellstraße, die gleich hinter nem kleinen Wall am Stellplatz vorbeiführte. ARRGGGHH!
Am Morgen dann nix wie weg.

Zuerst gehts zur Pointe de Corsen, dem westlichsten Punkt des französischen Festlandes. Auf dem Weg dorthin besichtigen wir aber noch den "stehenden und den liegenden Menhir von Kergadiou.
An der Pointe de Corsen angekommen, parken wir ziemlich weit weg von der eigentlichen Landspitze. Das macht aber nix, entlang der Steilküste gehen viele schöne Wanderwege, und ein bißchen Bewegung tut uns allen gut.
An der Landspitze angekommen, haben wir einen tollen Weitblick durch die Schiffspassage zwischen der Bretagne und den vorgelagerten Inseln - einer durch ihre Untiefen sehr gefährlichen Schiffspassagen.
Seit der Havarie der Amoco Cadiz ist dieser Seeweg für größere Schiffe aber gesperrt, die müssen außenrum.
Eine schöne Sicht haben wir auch auf unser nächstes Ziel, die Pointe de St. Mathieu weiter südlich. Vorher gehts aber noch zu dem größten noch stehenden Menhir in der Bretagne, den Menhir von Kerloas. Der war mal 12 Meter hoch, seitdem ein Blitz aber seine Spitze abgeschlagen hat, "nur" noch 10 Meter.
Diese Riesenhinkelsteine sind trotzdem unglaublich beeindruckend. Wie es die Menschen vor über 4000 Jahren geschafft haben, diese schweren Steine über kilometerweite Strecken zu transportieren und aufzurichten ist unglaublich.
Weiter gehts zur Pointe de St. Mathieu. Sie markiert die Südspitze der Côte d´Abers und ist mit ihrem Leuchtturm, der aus den Ruinen einer sich dort befindlichen ehemaligen Benediktinerabtei gebaut wurde, schon etwas besonderes.
Die Klosterruine ist nun schon die dritte, an der wir auf unserer Reise vorbeikommen. Diese französische Revolution hatte nicht nur ihr Gutes...
Nach nem schönen Spaziergang durch die Ruine und am Cap entlang gehts dann los Richtung Huelgot. Immerhin hat das Hinterland der Bretagne auch sehr schöne Wälder zu bieten, und einen davon wollen wir morgen durchwandern.



Märchenwald und Atom-U-Boote


12.07.2011 - Huelgoat - Halbinsel Crozon

Heute gehts Wandern im Wald von Huelgoat. Da der Stellplatz (diesmal wieder ein viel besserer!) ein Stück vom Startpunkt der Wanderung entfernt ist,
packen wir unsere Räder aus und fahren erstmal ein Stück an nem schönen kleinen Bach entlang, bevor der eigentliche Wanderweg dann an einer Brücke in dem kleinen Ort Huelgoat beginnt.
Wir steigen die Treppe in eine kleine Schlucht hinunter und... sind im Märchenwald.
Zuerst gehts durch ein Steinlabyrinth aus WIRKLICH großen Granitsteinen. Weiter durch die Teufelsgrotte zum Roche Tremblante, einem ca. 100 Tonnen schweren Felsblock, den man aber, drückt man an der richtigen Stelle, in Schwingung versetzen kann.
Durch einen dicht bewachsenen, moos- und farnreichen Wald kommen wir dann noch an Orten wie der Ménage de la Vierge (Haushalt der Jungfrau), der Artusgrotte, einem Wasserfall, dem Wildschweintümpel, dem Weg der Liebenden und der voiletten Allee vorbei.
Kilian klettert am Anfang eifrig mit, dann ist er aber müde, und es heißt mal wieder: Tragen.
Mittags sind wir wieder am Wohnmobil, und nach ner Brotzeit fahren wir wieder zurück an die Küste, diesmal auf die Halbinsel Crozon. Diese Insel bildet mit der nördlich gegenüberliegenden Küste einen natürlichen Hafen, den "Rade de Brest".
Da in diesem Hafen die französische Atom-U-Boot-Flotte vor Anker liegt (natürlich in unterirdischen Bunkern) sind Teile der Insel militärisches Sperrgebiet.
Crozon spielte schon immer eine strategisch wichtige Rolle spielte, findet man hier Befestigungsanlagen aus dem Mittelalter ebenso wie deutsche Bunker aus dem zweiten Weltkrieg.
Die Insel erreichen wir bei einer Fahrt über eine wunderschöne Brücke "Pont de Térénez" über den Fluss Aulne. Weiter gehts zum Pointe des Espagnoles, der uns einen tollen Ausblick über die Rade de Brest mit dem Atlantik zu unserer Linken, Brest am gegenüberliegenden Ufer und der Mündung der Aulne im Osten gibt.
Leider ist das Wetter heute nicht so gut, so dass die Sicht eher verschwommen ist. Drum wirds heute leider nichts mehr mit unserem Badevorhaben und wir fahren den Campingplatz an, nach drei Nächten auf Stellplätzen wieder ein bißchen Luxus.
Morgen wollen wir dann nach noch mehr Hinkelsteinen - es gibt hier ganz in der Nähe schöne Alignements zu sehen - zur Pointe de Pen´hir und HOFFENTLICH den tollen Strand gleich unterhalb des Kaps ausgiebig nutzen.
Ob das klappt, ist allerdings unsicher, bis grad eben hats nämlich noch geregnet. Der Wetterbericht sagt zwar besser, hat das aber für heute nachmittag auch schon gesagt. Öh...

Kleiner Nachtrag - grad haben wir unseren ersten Sonnenunterang am Meer gesehen!!! :-)

Noch ein Kap und Baden


13.07.2011 - Pointe de Pen´Hir - Telgruc - Cléden-Cap-Sizun

Nach einer guten Nacht auf dem Campingplatz und ner ausgiebigen Dusche für alle gehts weiter, zuerst zu den Allignements von Lagatjar.
Die begeistern uns aber nicht wirklich, im Gegensatz zu den Menhiren zieht uns dieses Steinfeld nicht wirklich in ihren Bann. Darum reicht auch eine Umrundung und ein schnelles Foto aus dem Auto.
Lieber gleich zur Pointe de Pen`Hir, von der wir mal wieder einen wunderbaren Ausblick haben - Gerdi bekommt ganz schwitzige Hände, weil man hier auch klettern kann.
Zur Abkühlung muss also ein Strand her! Der Strand an der Pointe selber sieht zwar wunderschön aus, aber hier weht doch ein ziemlich kalter Wind - wir erhoffen uns von den wieder etwas landeinwärts liegenden Buchten mehr Windstille,
und fahren den nächsten im Wohnmobil-Führer empfohlenen Badeplatz an. Da werden wir dann zum ersten Mal enttäuscht, bzw. waren wohl von den bisherigen doch recht einsam und idyllisch gelegenen Stränden zu verwöhnt:
Der Strand von Morgat ist ein echter Stadtstrand, klein, voll, mit Hafenmole davor und Tourismus-Ramschläden dahinter. Nix wie weg.
Der nächtste Strand - der von Telgruc - ist dann aber wieder gewohnt schön. Obwohl die Strände im Norden noch einsamer waren, hat man hier schön Platz und viel Natur um sich rum.
Wir bleiben, bis uns die Flut buchstäblich zum Rückzug zieht - immer wieder ist es schön zu sehen, wie riesige Sandstrände innerhalb von zwei Stunden völlig vom Meer verschluckt werden. Beim Baden muss man sich hier ein bißchen nach den Gezeiten richten,
sonst bleibt einem nur der Platz auf dem schmalen Steinstreifen, der hier die Sandstrände steil von den Küstenstraßen abtrennt. Nicht so doll. Aber wir hatten ja hunderte Meter Sandstrand vor uns, als wir gekommen sind.
Kilian paniert sich wie immer, allerdings ist er einfach nicht fürs Meer zu begeistern. Komisch, letztes Jahr konnte er gar nicht genug davon kriegen.
Wir schwimmen jedenfalls im klaren blauen Meer, die Sonne scheint endlich mal verlässlich und es ist super.
Dann heißts aber noch, ein Stück fahren. Weil wir morgen mal wieder "ans Ende der Welt" wollen, zur Pointe du Raz und zur Pointe du Van ganz im Westen, vor allem aber zu einem wunderbaren Badestrand zwischen den beiden Kaps, heißt es dann Abschied nehmen von der Halbinsel Crozon und ab zur Halbinsel "Cap Sizun".
Auf dem Weg dorthin fahren wir noch über den Menez´Hom, einen 300m hohen Hügel und damit die zweithöchste Erhebung der Bretagne, um uns die Gegend mal von etwas weiter oben anzuschauen.
Dann noch in den Supermarkt - morgen ist ja hier Nationalfeiertag, und wir wissen nicht, inwieweit dann Läden offen haben und ab zum Stellplatz in Cléden-Cap-Sizun.
Der ist wirklich schön und ruhig gelegen, mit uns stehen hier noch 6 andere Wohnmobile - nicht zu viele, nicht zu wenige. Kilian fährt noch ein bißchen Dreirad und dann ist auch schon Essen fertig und der Tag auch schon wieder vorbei.

Ach ja, wegen der Fotos: wir gucken, dass wir morgen ein paar nachliefern, wir sind uns bewusst, dass wir hinterherhinken, aber es wird irgendwie immer so spät, dass wirs nicht mehr schaffen.

Allons enfants de la Patrie, le jour de gloire est arrivé!


14.07.2011 - Sturm auf die Bastill... äh... die Pointe du Van und die Baie des Tréspasses - Weiterfahrt auf die Halbinsel Quiberon

Nationalfeiertag!!! Die Feierlichkeiten beginnen um Punkt 0.00 Uhr mit einem nicht enden wollenden Feuerwerk.
Wir haben sowas schon erwartet, in den Supermärkten sahs nämlich aus wie bei uns vor Silvester - Feuerwerk aller Art war da zu kaufen.
Wir bleiben müde im Bett liegen, aber unsere französischen Wohnmobilnachbarn stehen alle draußen und applaudieren am Schluss.
Am nächsten Morgen merken wir aber nix mehr von Nationalfeiertag, viele Supermärkte haben trotzdem den halben Tag offen.
Wir wollen aber zur Pointe du Van, quasi die "kleine Schwester" der Pointe du Raz, die sich mit der Pointe de Corsen darum streitet, wer jetzt der westlichste Punkt Frankreichs ist und wer nicht.
Wir haben für uns entschieden: Es ist die Pointe de Corsen, und zwar aus zwei Gründen:
Erstens haben mehrere Reiseführer die Pointe du Raz als sehr, sehr touristisch beschrieben, zweitens sind wir schon an der Pointe de Corsen gewesen.
Wir sind ein bißchen besichtigungsmüde, außerdem ist heute wieder tolles Badewetter, da wollen wir lieber mehr am Strand liegen als noch ein "Must Have Seen" gesehen zu haben.
Die Pointe du Van ist dann echt schön. Das Heidekraut blüht lila, der Himmel ist blau, vor und unter uns schroffe Felsen und tolle Brandung und echt wenig Menschen.
Nach ner Stunde Spazierengehen und einem Crêpe zu Mittag gehts weiter an die Baie de Tréspassés, eine wunderschöne Bucht, die zwischen den beiden Caps liegt zum Baden.
Zur Namensgebung der "Bucht der Dahingeschiedenen" gibt es übrigens zwei unterschiedliche Geschichten: Die Kelten haben hier ihre toten Druiden auf ein Boot gebunden und auf die Reise zur Ile de Sein, die vor den Kaps liegt, geschickt, wo sie ihre letzte Ruhestätte fanden.
Eine andere Theorie geht davon aus, dass hier in der Bucht viele Tote von den vielen an der Küste gesunkenen Schiffe angespült wurden. Brrr!
Wir glauben lieber an die erste Theorie, die die Toten vom Strand wegschickt und suchen uns bei strahlendem Sonnenschein ein Plätzchen am Strand. Die Bucht liegt relativ ungeschützt in Richtung offener Atlantik und das merkt man auch an zweierlei:
Erstens ist die Wassertemperatur das erste Mal WIRKLICH grenzwertig, zum anderen ist die Brandung auch zumindest respekteinflößend.
Drum gibts hier auch einen bewachten Strandabschnitt, an dem drei Rettungsschwimmer gleichzeitig ihre Arbeit tun.
Die Brandung jedenfalls war so toll, dass man das Stechen in den Waden und die Taubheit in den Knöcheln, die man Anfangs bekommt, wenn man ins Wasser geht, einfach überwinden MUSSTE (ich zumindest, Gerdi ist wohl nicht so Meer-süchtig wie ich und kneift nach ner kurzen Kneipp-Kur ;-).
Wir schätzen das Wasser auf 17°, die Luft blieb einem nämlich nicht weg, und das ist mir bei 16° damals in der Isar schon passiert.
Aber nachdem einen die erste Welle erwischt hat, ist´s eh egal, es ist einfach nur gigantisch.
Die hohen Wellen lassen den Leuchtturm, der vor der Pointe de Raz im Meer steht, immer wieder hinter einem Berg aus Wasser und Gischt verschwinden und das mitschwimmen mit so einer Riesenwelle ist einfach nur toll.
Aber uns wird klar, dass die ganzen Franzosen mit ihren Neopren-Anzügen (auch schon für ganz kleine Kinder) nicht ganz unrecht haben.
Wir bleiben wieder bis die Flut uns vertreibt, Kilian macht dem Namen des Strandes alle Ehre und lässt einen Hering von unserer Sandmuschel "dahinscheiden", er hat sie im Sand verbuddelt und wir finden leider nur FAST alle wieder.

Dann heißt es heute noch ein ganzes Stück fahren: Wir haben, besichtigungsmüde wie wir sind beschlossen, alle noch zwischen uns und der Halbinsel Quiberon liegenden tollen Städte links, bzw. in unserem Fall rechts liegen zu lassen und zu dieser Halbinsel im Süden zu fahren,
auf die ich mich schon die ganze Zeit über freue: Eine wilde Küste im Westen zum Wandern, und schöne geschützte Strände im Osten. Außerdem noch die berühmtesten Megalith-Denkmäler der Bretagne oberhalb der Halbinsel in Crozon. Wenn das nicht eine Reise wert ist.
Kurz vor der Halbinsel sind wir allerdings an einen Sonntagnachmittag auf der B13 von Bad Tölz nach Lenggries erinnert: Uns kommen lauter Tagesausflügler entgegen, es staut sich der Rückreiseverkehr von dieser sehr beliebten Badehalbinsel.
WIE beliebt die Halbinsel ist, wird uns spätestens auf dem Campingplatz klar: Wir sind jetzt seit drei Stunden hier und haben keine Ahnung, wo der Platz aufhört. Und: Er ist mehr als gut gefüllt. Wir befürchten, das hier ist der Ballermann der Bretagne. Mir gefällts überhaupt nicht. Darum der Plan für morgen:
Entlang der Steilküste wandern und dann nix wie weg. Vorausgesetzt, wir finden irgendwo noch nen Hinweis auf ein ruhigeres Plätzchen, der Süden ist allgemein dafür bekannt, touristisch mehr frequentiert zu sein. Aber ich will unseren letzten Badetag so verbringen, wie die anderen hier in der Bretagne auch: An einem riesigen Strand mit wenig Leuten...
hoffentlich klappt das auch...

Neue Fotos online, ABER...

... beim runterfahren der Auflösung wurde die Bildqualität leider total schlecht. Aber anders dauerts ewig, bis die Bilder hochgeladen sind. Nochmal das Ganze - leider nicht, es ist jetzt halb zwölf (nachts), wir hoffen, die Bilder vermitteln trotzdem einen ersten Eindruck...

Ins wilde Bretagnistan


15.07.2011 - Côte Sauvage auf der Halbinsel Quiberon und Frischeduft im Wohnmobil

Hurra, heute konnten wir mal wieder ausschlafen! Das hat aber den Nachteil, dass es dann schon fast 11.00 Uhr ist, bis wir startbereit sind für unsere Tour entlang der rauhen Westküste der Halbinsel Quiberon.
Weil die Halbinsel selber kaum Parkplätze für Wohnmobile ausweist (überall finden sich an den Einfahrten zu den Parkplätzen 2,00m-Höhenbegrenzungsstangen), und wir eigentlich nochmal waschen müssen,
entscheiden wir uns doch noch zu einer zweiten Nacht auf dem Campingplatz.
So können wir das Wohnmobil stehen lassen und starten mit den Rädern los, Kilian im Anhänger und die Kraxn auf dem Rücken für die Wandertour. Der nördliche Beginn der Côte Sauvage wird durch eine weit ins Meer hinausragende Landzunge markiert.
An einem Parkplatz dort in der Nähe stellen wir die Räder ab und wandern los. Bis die kleine Halbinsel umrundet ist, dauerts ganz schön lang, aber immer wieder gibt es schöne Blicke die Steilküste hinab an die rauhen Felsen und das Meer.
Am Ende der Landzunge dann sehen wir ihn: DEN STRAND. Eigentlich haben wir ja geglaubt, der Strand an der Baie des Tréspassés wäre nicht mehr zu toppen, aber das hier ist einfach auch wunderschön: Ein breiter langer Sandstrand vor rauhen Klippen, den wir durch ein riesiges Felsentor erreichen,
und mit meterhoher Brandung, die an den Strand rollt. Super. Die nur kurze Mittagspause wird zum Tagesprogramm, an Weiterwandern oder Radln denken wir nicht mehr, Gerdi bouldert an den Klippen, Kilian spielt im Sand und ich laufe am Meer spazieren.
Wir ärgern uns nur, dass wir unser Badezeug nicht dabeihaben - im Reiseführer stand, an der gesamten Westküste wäre das Baden verboten - aber hier sind viele Leute im Wasser, das Meer ist nicht mal kalt. Naja. Langweilig wird uns trotzdem nicht, allein den Surfern kann man stundenlang zuschauen.
Wir gehen erst, als uns (wieder einmal) die Flut vertreibt. Dann ist es zu spät zum Weiterfahren, außerdem verschwindet die Sonne immer öfter hinter großen Wolken. Wir kommen gerade am Campingplatz an, da beginnt es auch schon zu nieseln.
Weil heute keiner Lust auf kochen hat, wollen wir uns beim Pizzabäcker des Campingplatzes ne Pizza holen.
Aber - again what learned - Franzosen sind halt keine Italiener, und so bekommen wir als Fertigstellungszeitpunkt für unsere um 18.30 Uhr georderten Pizzen 20.45 Uhr genannt. Öh...
Also doch Nudeln mit Pesto.
Danach wollen wir noch unsere Wäsche aus dem Waschhaus holen, mittlerweile müsste der Trockner fertig sein. Fertig war er, aber die Wäsche noch patschnass. Also nochmal ne Runde Tumblen.
Wie trocken die Wäsche danach war, könnt ihr in unserer Fotogalerie erahnen.

Einmal Steinzeit und zurück


16.07.2011 - Quiberon - Carnac - Locmariaquer - Paimpont

Was ist das denn bitte?!?! Wir wachen davon auf, dass unser Wohnmobil wackelt. Ganz toll. Sturm und Regen. Also ist es heute wohl nix mit einem letzten Badetag, bevor wir uns morgen auf den Weg nach Paris machen wollen. Grmpfl.
Naja. Wir machen das Beste draus, und beschließen, die Côte Sauvage nochmal abzufahren, bei Sturm muss die Steilküste nochmal beeindruckender sein.
Also gehts nach dem Frühstück nochmal los nach Süden. Leider haben wir Pech, es ist grad Ebbe, und daher sehen wir keine sturmumtosten Klippen, sondern nur ein bißchen Schaum um ein paar Felsen weit draußen.
Wir kehren also um, und los gehts zu unserem eigentlich für heute auf dem Programm stehenden Ziel: Die megalithischen Funde von Carnac und Locmariaquer.
Als wir in Carnac am Besucherzentrum und dem ersten Alignement ankommen, hat es zu regnen aufgehört. Und zu schütten begonnen. Obwohl die Alignements hier besser erhalten und viel größer sind als die, die wir an der Westküste besichtigen konnten, sind wir auch von diesen Steinreihen nicht wirklich tief beeindruckt.
Mag es am Wetter liegen, oder daran, dass die Steinsetzungen diesmal abgezäunt sind, um sie vor dem großen Touristensturm zu schützen, oder auch daran, dass sie für uns nicht immer stimmig erscheinen, allein die Größenordnung - von groß im Westen nach klein im Osten, wie wir lernen, ist oft nicht eingehalten.
Viel ist über diese Steinsetzungen nicht bekannt, man weiß nicht, warum sie aufgestellt wurden, vermutet aber einen Kultzweck. Die Datierung ist auch schwierig, der Zeitraum erstreckt sich vom 5. - zum 3. Jahrtausend vor Christus. Also alles nur noch schwer vorstellbar.
Obwohl wir schon ziemlich nass sind, beschließen wir dennoch, unser Glück noch beim zweiten Steinfeld zu suchen und fahren nach Kermario. Auch diese Steinsetzungen sind riesig - über eine Länge von 1120 Metern stehen hier über 1000 Menhire aufgereiht. Es regnet jetzt horizontal, und ich kann Gerdi nach unserer erneuten Flucht ins Wohnmobil nur mit Engelszungen dazu überreden,
überhaupt noch nach Locmariaquer zu fahren, wo der größte Menhir der Bretagne und ein mit dem "Table des Marchands" einen Dolmen (ein Steingrab) zu besichtigen sind. Davon erhoffe ich mir deutlich mehr.
Zum Glück haben wirs gemacht, obwohl es weiterhin regnet und stürmt, und meine Goretex-Jacke aufgeben musste und auch innen nass zu werden beginnt, ist der leider umgestürzte "Grand Menhir", der auch "Feenstein" genannt wird, wirklich beeindruckend, und das Ganggrab erst! Erstmal: Es ist trocken. ;-)
Dann sind an der Deckplatte, die aus einem riesigen Menhir besteht und an der Abschluss-Wandplatte jungsteinzeitliche Gravuren zu erkennen. Hier "spürt" man noch etwas von dieser alten Kultur.
Also fällt es uns nicht schwer, noch ein Ganggrab mehr anzufahren. Das liegt jetzt direkt an der Küste (JUHUUU! Wenigstens noch ein Abschieds-Winken in Richtung Meer) und ist eine sehr lange "Allee couverte" - also eine überdachte Steinallee, die in einem Dolmen endet. Sie ist deutlich niedriger als die Table des Marchands, und deutlich dunkler. Da dieses Grab nicht im musealen Bereich liegt,
braucht man eine Taschenlampe, und stellt sich die Frage, wie groß die Spinnen für die äh... beeindruckenden Spinnweben knapp über unseren Köpfen sein müssen, lieber nicht. Aber auch das Grab hier ist wieder toll. Vor dem Grab steht schon ein großer einzelner Menhir als Wegweiser zu der Grabstätte. Unter tonnenschweren Steinplatten laufen wir dann geduckt entlang, an den Wänden erkennen wir viele Gravierungen, darunter Kriegs- und Fruchtbarkeitssymbole.
Kilian findets auch super, erstens weil er in einer "Höhle" ist, zweitens, weil er eine eigene Taschenlampe gekriegt hat, mit der er wild herumleuchtet.
Dann reichts aber. Wir sind wirlklich komplett durchnässt, sogar Kilian ist bis zu den Knien nass, obwohl er doch eigentlich komplett unter der Regenhülle des Buggys war.
Auf gehts also Richtung Paris! Auf dem Weg dahin stehen noch zwei Besichtigungen auf unserem Programm, zum einen Vitré, eine Grenzstadt der Bretagne mit der für diese Grenzstädte typischen Befestigungsanlagen.
Und dann fehlt mir von den drei großen gotischen Kathedralen ja noch Chartres. Also fahren wir heute gleich noch ein Stückchen Richtung Osten und landen auf einem Stellplatz im "Forêt de Paimpont", der Wiege der Artussage. Hier soll Merlin begraben sein, hier soll König Artus seine Tafelrunde gehabt haben. (Wusste ich auch nicht, ich hab die ganze Sage immer nach Südengland gepackt.)
Jedenfalls ein sagenumwobenes Wäldchen hier. Leider reicht die Zeit nicht mehr für eine Wanderung durch den Wald, wir fahren morgen wie geplant nach Vitré und dann weiter nach Chartres.

Mal wieder - genau! - Weltkulturerbe

17.07.2011 - Paimpont - Vitré - Chartres

Nachdem wir zur Abwechslung mal ziemlich früh losgekommen sind, schaffen wir es auch, die alte Festungsstadt Vitré an der Ostgrenze der Bretagne noch vormittags zu besichtigen.
Entlang der bretonischen Grenze gibt es mehrere solche Festungsstädte, die im Mittelalter zur Verteidigung des Landes befestigt wurden.
Vitré hat eine tolle mittelalterliche Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern, und eine beeindruckende Burganlage. Allerdings muss man auch sagen: Die Bretagne ist uns nicht mehr wohlgesonnen.
Es regnet, es regnet. Dann geht auch noch der Kamera-Akku aus, und wir bekommen Hunger. So fällt die Besichtung relativ kurz aus, nach ner Stunde gehen wir schon zurück zum Auto und fahren weiter Richtung Chartres.
Auf die älteste der drei berühmten hochgotischen Kathedralen freue ich mich am meisten, vor einem halben Jahr haben Gerdi und ich eine Dokumentation im Fernsehen gesehen, und so werden wir heute eine restaurierte Kirche mit wiederhergestellter Bemalung in den Originalfarbtönen sehen.
Also genau so, wie die Leute im Mittelalter ihre Kirche gesehen haben. Die guten zweihundert Kilometer sind schnell hinter uns gebracht, auf der Autobahn ist nicht viel los. Viel los ist dann aber in unserem Geldbeutel: Der wird nach Bezahlung einer Maut in Höhe von 30 Euro deutlich leichter.
Da lob ich mir die Vignette der Österreicher, hier kann man ganz schön Geld auf der Straße lassen!
In Chartres angekommen, haben wir das erste Mal seit langer Zeit wieder keinen Plan, wohin mit unserem Wohnmobil, und so versuchen wir unser Glück (in Beauvais hats ja auch geklappt) auf nem öffentlichen Parkplatz und steuern den an, der "Cathedrale" genannt wird. Wird ja nicht so falsch sein.
Von wegen. Der Parkplatz entpuppt sich als Parkhaus, dessen einzige Zufahrt eine schmale Einfahrtsstraße darstellt. Da stehen wir also nun. Vor den Pollern der Fußgängerzone wenden wir in 20 Zügen, die Leute, die in die Tiefgarage wollen, schütteln nur den Kopf. Also nix wie raus aus dieser Wohnmobilfeindlichen Altstadt.
Nur: Das war leichter gesagt als getan: Die Straßen sind alle gleich eng, ich muss mehr als einmal aussteigen und gucken, ob wir überhaupt noch durchpassen, einmal klappts nur unter voller Ausnutzung des 40 cm schmalen Fußgängerweges. Ich hab Puls. 200 Puls. Als wir dann vor der Entscheidung stehen: NOCH ne engere Gasse oder die Einbahnstraße ignorieren, fällt die Entscheidung leicht.
Nix wie raus. Nur - was jetzt? Auf einem Museumsparkplatz etwas außerhalb sondieren wir mal die Lage, und: Es gibt einen Campingplatz, keine 3 km von der Kathedrale entfernt. Nur war der leider nirgends angeschrieben, genauso wenig wie es einen Hinweis darauf gab, dass es sich um ein Parkhaus und keinen Parkplatz handelt und dass größere Autos in der Innenstadt evtl. LEICHTE Probleme bekommen können.
Mich nervt das - ist das nur, weil wir Wohnmobil-Greenhorns sind und noch kein Gespür dafür haben, wo man einen Parkplatz finden kann oder ist das wirklich so schwer? Und wie ist das in Deutschland? Ich finds jedenfalls superanstrengend, und die Lust auf die Kathedrale ist mir fast schon vergangen, eher verspüre ich das Bedürfnis nach einem Beruhigungsschnaps.

Am Campingplatz sieht die Welt aber schon wieder besser aus - wir haben einen schönen Platz und ein Fußweg führt entlang einem kleinen, ruhigen Flüsschen, der Eure, die gesäumt ist von Trauerweiden und Gräsern, in die Innenstadt. Die ist dann ebenfalls total schön - lauter enge Gässchen, die verkehrsberuhigt sind, mit alten Fachwerkhäusern und kleinen Läden. Oben an der Kathedrale angekommen, sind wir zuerst ein bißchen enttäuscht:
Die Sanierungsarbeiten sind noch nicht abgeschlossen, die Westfassade ist bis auf die beiden Türme total eingerüstet. Auch innen ist die große Fensterrose nicht sichtbar, sondern wegen Bauarbeiten verhangen, der Chorbereich ist bis auf den halben Chorumgang ebenfalls noch eingerüstet und gesperrt.
Trotzdem: Es war die tollste und beeindruckendste Kirche unserer Reise. Wenn man in die Kirche eintritt, ist es erst einmal sehr dunkel und die Augen müssen sich an die Umgebung gewöhnen. Aber dann!!! Die bunten Maßwerkfenster sind zum allergrößten Teil noch original erhalten - das ist auch der Grund, warum es in dieser Kirche dunkler ist als in den anderen, in welchen durch das helle Glas einfach mehr Licht fallen kann.  
Es ist jedenfalls ein Traum, diese alten Glasarbeiten zu betrachten, alleine hierfür bräuchte man schon Stunden, Tage, Wochen!
Dann wird gerade noch ein Orgelkonzert gegeben, die Klänge passen wunderbar zur Atmosphäre der Kirche, und: der Teil des Chores, der bereits fertiggestellt ist, ist zugänglich und erstrahlt in den Originalfarben.
Ich mag gar nicht mehr raus, am liebsten würde ich mich über Nacht in der Kirche einsperren lassen und in Ruhe alles anschauen. Da macht aber leider Gerdi nicht mit, also muss ich doch wieder gehen. Nach einer letzten Umrundung der Kirche spazieren wir wieder zurück zum Wohnmobil, und dann schafft es DIESER Campingplatz doch tatsächlich, Pizzen zu backen, die innerhalb von 10 Minuten fertig sind. (Naja, "Pizzen"... wir bleiben dabei, Franzosen sind nun mal keine Italiener, und so hat das, was wir da bekommen, nur bedingt was mit Pizza zu tun. Wenn man aber die Augen zumacht und denkt, man würde in ein überbackenes Baguette beißen, ists richtig lecker.)

Morgen wird unser Wohnmobil dann für drei Nächte auf dem Stellplatz aufgepimpt - heißt: Schmutzwasser ablassen, Frischwasser auffüllen, WC leeren. Dann noch Hamsterkäufe im Supermarkt, und
LOOOOS GEHTS NACH DISNEYLAND!!!!

Paris - Banlieu und die Seine


18.07.2011 - Chartres - Paris

Auf gehts nach Paris! Nachdem wir gestern abend noch mit Ilona und Andreas gechattet haben und erfahren haben, dass sie schon um 9.00 Uhr in Paris ankommen, weil ihr urspr. Flug annulliert wurde, bricht Stress aus. Alles dauert nur so lange wie bisher, aber das ist einfach zu lange.
Es ist bereits 11.00 Uhr, als wir endlich den Supermarkt in Chartres verlassen und losfahren nach Paris. Nochmal spendieren wir dem Staat Frankreich knappe 9.00 Euro für das Befahren ihrer löchrigen Autobahnen (man möchte meinen, bei DEN Mauteinnahmen könnte die die "Trou en Formation" eigentlich ausbessern aber anscheinend müssen sie noch ein bißchen Geld sammeln... :-(
Dann kommen wir nach Paris, bzw. lotst uns das Navi entlang der Randbereiche dieser Riesenstadt Richtung Osten. Es ist unglaublich, wir sind bereits mitten in der dichtesten Wohnbebauung, und das Navi sagt immer noch 60 km bis zum Ziel. Einfach eine Riesen-Metropole. Ohne das Navi wären wir übrigens jetzt noch nicht da, unsere Baedecker-Frankreich-Karte hätte einen viel zu kleinen Maßstab gehabt, um uns da durchzulotsen.
Wir stehen im Stau, es gibt teilweise Abfahrten, die LINKS weggehen - ein Chaos. Aber dank Navi steht es dann irgendwann vor uns: Das Disneyland! Hurra wir sind da! Gleich nachdem wir auf dem Parkplatz unser Plätzchen gefunden haben, gehts aber schon los zum S-Bahnhof, wo wir Ilona und Andreas treffen wollen, um uns ein bißchen was von Paris anzugucken.
Eine dreiviertel Stunde später stehen wir dann vor dem Centre Pompidou und laufen weiter auf die Ile de la Cité, zur Kathedrale Notre Dame. Gerdi und ich kennen die Kirche ja schon, aber Ilona und Andreas waren noch nie drin und so wollen wir uns die Kirche als erste ansehen. Die ca. 150m lange Schlange hält uns dann aber davon ab. Weil es auch schon nach 15.00 Uhr ist und wir im Disney Village zu Abend essen wollen, entscheiden wir uns für "Paris in a nutshell" - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes:
Wir machen eine Ausflugsbootfahrt die Seine hoch und runter an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei. Ilona und Andreas bekommen so einen ersten Überblick über die Stadt, Kilian freut sich darüber, endlich mal auch selber "Fiffe fahren" zu dürfen und Gerdi und findens auch toll, das haben wir damals nämlich nicht gemacht. Es geht also von Notre Dame über den Louvre, das Musee d´ORsay, den Place de la Concorde usw. bis hinunter zum Eiffelturm und wieder zurück.
Anschließend laufen wir noch ein Stück zu Fuß bis zum Louvre, und dann gehts zurück. In "Annette´s Diner" gibts als Einstimmung auf morgen Abendessen. Anschließend schlendern wir noch durch den Disneystore und dann zurück zum Wohnmobil. Wir hören hier noch die tolle Musik vom Park und freuen uns auf morgen!
(Fotos gibts heute leider keine, wir haben uns auf Andreas verlassen, der hat heut fotografiert und wir haben die Fotos noch nicht.)

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