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30.06.2013
München – Grifte
Ratsch. Knurps.
Nachdem es doch bis Mittag gedauert hat, bis wirklich alles Nötige (?) im Wohnmobil war,
geht’s los nach Norden. Ursprünglich hatten wir gehofft, bis Hannover zu kommen, aber die Reisegeschwindigkeit mit dem Wohnmobil ist doch eine andere als mit dem Auto, und so schaffen wir „nur“ 400 km der 1.040 km bis nach Billund, Dänemark.
Viel zu erzählen gibt es nicht, außer Fahren haben wir nicht viel gemacht. Naja gut. Gerdi hat sich auf ca. halber Strecke die Jeans an der Kante der Bodenklappe des Wohnmobils zerrissen und ich habe mich kurz danach auf meine Sonnenbrille gesetzt. Totalschaden, da muss baldmöglichst eine neue her.
Wir finden in Grifte, ein paar Kilometer südlich von Kassel jedenfalls einen schönen Stellplatz für die Nacht (bzw. findet ihn der ADAC Stellplatzführer – danke nochmal an Micha und Raik fürs Leihen!), es gibt noch ein kurzes Fußballspiel zwischen Vater und Sohn, dann Abendessen und dann geht’s auch schon ins Bett. Kraft tanken für die 640 km, die morgen vor uns liegen.
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01.07.2013
Grifte – Billund
„Das ist der blödste Urlaub aller Zeiten!“
Heute die Monsteretappe. Nachdem unser natürlicher Wecker Kilian den Tag um 6.30 Uhr gewohnt zuverlässig einleitet, fahren wir nach einem gemütlichen Frühstück, einem kurzen Stopp bei Aldi Nord und an der Tankstelle gut gelaunt wieder auf die A7.
Gut gelaunt? Sind nach einer Stunde nur noch zwei von uns Dreien. Kilian ist wütend. Er weiß nicht genau, warum (wir auch nicht), das hat wohl mehrere Gründe gleichzeitig:
1. Papa verbietet ihm vehement, an seinem Kopfhörerkabel zu ziehen.
2. Irgendwie macht pausenlos reden keinen argen Spaß, wenn die Ansprechpartner (Opfer?) vorne im Führerhaus nur ein Drittel verstehen.
3. Ihm ist sein Fernrohr runtergefallen, und die Eltern sehen nicht ein, dass das (nach: ich hab Durst, ich muss aufs Klo, ich hab Hunger) diesmal KEIN Grund ist, den vierten Rastplatz in Folge anzufahren.
4. Im sind seine Bücher quasi runtergefallen, bzw. wurden in dem Tobsuchtsanfall, der auf die Weigerung des Parkplatzanfahrens folgte, eigenhändig zum Fernrohr geschickt...
Aber was er genau weiß, ist Folgendes: Er will sicher nie mehr mit dem Wohnmobil wegfahren, weil: „Das ist der blödste Urlaub aller Zeiten. Hört ihr? Der BLÖDSTE Urlaub ALLER Zeiten!!!“
Mit einem relativ ungehaltenen Kind im Rücken geht es also nach Norden. Über Hamburg (Elbtunnel) und Flensburg geht es nach Billund, ins Legoland Dänemark. Dort angekommen, suchen wir uns einen Platz auf dem Campingplatz direkt am Park und gehen dann Essen – zur Feier des Tages. Immerhin ist heute unser 7. Hochzeitstag.
Kilian ist auch wieder gut gelaunt – die Legofiguren und die Hinweisschilder aus Lego geben ihm einen ersten Eindruck, was morgen auf ihn wartet und daher geht es ihm doch seltsamerweise gleich besser. Ein Blick auf den Parkplan offenbart mir allerdings, dass mein 4-jähriges Kind morgen seine Tageskarte deutlich mehr nutzen wird als ich: Schwangere müssen meistens draußen bleiben...
(Fotos folgen noch, hier ist das Internet aber zu langsam um sie hochzuladen...)
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02.07.2013
Legoland Billund
Ein wunderschöner Tag im Legoland liegt hinter uns – und das Wetter (Sonne-Wolken-Mix) hat auch mitgespielt, in der Sonne wurde es teilweise sogar zu warm, und ich hab einen leichten Sonnebrand im Gesicht.
Das Legoland selber war auch toll. Kein Vergleich zu Günzburg, hier in Billund wirkt alles viel detailreicher und liebevoller – ich hab mich sogar an Disneyland erinnert gefühlt, und das will mal etwas heißen… ;-)
Und Kilian war begeistert. Die meisten der Attraktionen konnte er schon fahren, darunter zweimal ganz allein mit den Safari-Jeeps. Und aus dem MiniLand war er kaum mehr wegzubekommen – stundenlang hat er Züge, Feuerwehrautos und Lastwägen auf ihrem Weg durch die Miniaturstädte verfolgt, Schleusen und Hebebrücken beobachtet und und und. Die Mittagspause auf dem Campingplatz war das Schlimmste, was wir ihm antun konnten (aber bitter nötig…).
Danach gings nochmal zurück in den Park, wo er sich mit Papa als Feuerwehrmann betätigt hat und anschließend wurde noch der weltgrößte Legoladen gestürmt. Leider für uns nicht wirklich attraktiv, Dänemark ist ein sehr teures Land und Lego in Deutschland deutlich günstiger. Aber ein kleines Feuerwehrauto durfte es sein – und zwar nicht mehr aus Duplo- sondern aus Legosteinen, weil Kilian ist ja schon fast fünf. ;-)
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03.07.2013
Billund – Kopenhagen – Malmö
Brückentag – über Belt und über Sund
Schweren Herzens trennen wir uns vom Legoland, und von dem tollen Campingplatz. Vorbereitend hatten wir ja bereits gelesen, dass die skandinavischen Länder sehr familienfreundlich sein sollen, aber der Campingplatz hier hat unsere Erwartungen übertroffen. Nicht nur, dass es Wickeltische sowohl in Damen-, als auch in Herrentoiletten gibt, der Campingplatz hatte in den Waschhäusern gleich mehrere Familiensanitätsräume – absperrbare vollausgestattete Badezimmer mit WCs (auch eins in Kinderhöhe), Waschgelegenheiten (wieder auch in Kinderhöhe), Badewannen und Wickeltischen für Babys und Duschen (auch wieder in Kinderhöhe) jeweils ganz alleine für eine Familie. Wir sind gespannt, ob sich der Trend in Schweden fortsetzt oder das Legoland als Familienmagnet ausschlaggebend für so viel Service war.
Wir sind noch ein bißchen unentschlossen, wo wir heute die Nacht verbringen wollen – es soll in Kopenhagen wohl einen Wohnmobilstellplatz in Innenstadtlage geben, aber für einen reinen Asphaltparkplatz 35 Euro zahlen? Wollen wir nicht wirklich, da war ja der Legoland-Campingplatz günstiger. Also doch in Kopenhagen nur kurz parken (nur wo?) und dann noch heute über die Öresundbrücke nach Schweden, wo es einen kostenlosen Stellplatz mit Aussicht auf die Öresundbrücke geben soll.
Es regnet ein bißchen, als wir Richtung Kopenhagen aufbrechen, aber je näher wir Dänemarks Hauptstadt kommen, desto besser wird das Wetter. Auf der Stoerebelt-Brücke werden wir zwar von Windboen durchgerüttelt, aber der Himmel lichtet sich, und das Bauwerk, welches über 18km die beiden Inseln Fünen und Seeland verbindet, ist einfach nur atemberaubend. 18km lang haben wir links und rechts von uns nur Meer.
In Kopenhagen angekommen, scheint die Sonne sogar schon wieder durch die Wolken. Auf dem Weg zu einem Parkplatz (Tipp aus einem WoMo-Forum im Internet, den wir heute früh schnell ergoogled haben) kommen wir auch an dem Wohnmobilstellplatz für 35 Euro vorbei. Er befindet sich auf einer besseren Verkehrsinsel, sprich einer Straßengabelung zwischen zwei mehrspurigen Straßen, ist pittoresk mit einem Bauzaun vom Geschehen abgetrennt und die Wohnmobile stehen so eng, dass man gerade noch seine Tür aufbekommt, ohne sich die Nase am Nachbarwohnmobil zu stoßen. Welch Idylle.
Wir parken dann ganz in Hafennähe bei der kleinen Meerjungfrau und machen uns auf in Richtung Nyhavn, dem alten Hafen von Kopenhagen, um eine Hafenrundfahrt zu machen. Dort geben wir unsere letzten Dänischen Kronen für die Tickets aus und werden eine Stunde durch Dänemarks Hauptstadt gefahren. Kopenhagen gefällt uns sehr gut – schade, dass wir nicht mehr Zeit haben, hier könnte man auch mehrere Tage verbringen. Auf dem Rückweg zum Wohnmobil besichtigen wir noch Schloss Amalienborg. Leider ist die königliche Familie gerade nicht zu Hause, weshalb nur vier Wachen im Schlosshof patrollieren. Doch die reichen! Kilian ist tief von ihnen beeindruckt. Es war wohl die Kombination aus sehr ernstem Blick, sehr großer Bärenhaube, blankblitzendem Säbel und vor allem ECHTEM Schießgewehr. Nachdem er sie eine Zeitlang beobachtet hatte, nahm er meine Hand und lief eine Zeitlang sehr still neben mir her. Als ich dann wegen irgendwas laut lachen musste, sagte er: „Nicht so laut Mama, lieber nicht stören. Nicht dass die Wachen auf uns schießen! Wir bleiben lieber brav und leise, ich glaube, das ist besser.“
Gerdi überlegt seither ernsthaft die Anschaffung einer neuen Kopfbedeckung. ;-)
Zurück am Wohnmobil geht es nach einem kurzen Snack los in Richtung Öresund. Die Straße über den Öresund, welche Dänemark und Schweden verbindet, beginnt mit einem Tunnel unter dem Meer, geht dann über eine künstlich geschaffene Insel und schließlich über die Öresundbrücke selbst. Wir sind ebenso beeindruckt wie am Vormittag von der Stoerebeltbrücke – und zahlen auch ähnlich viel. Insgesamt sind wir mit unserem langen (über 6 Meter) und schwerem (über 3,5t zul. Gesamtgewicht) Wohnmobil heute 188 Euro Maut los geworden. Ab morgen wird der Urlaub dann hoffentlich günstiger – und zurück geht’s in zweieinhalb Wochen wohl eher mit der Fähre.
Der Stellplatz am Aussichtspunkt der Öresundbrücke erweist sich dann als Volltreffer. Ein ruhiger Parkplatz auf einer Landzunge neben der Brücke, erhöht über dem Meer und mit Blick auf den Öresund, und außer uns nur noch zwei andere Wohnmobile. Kein Vergleich zu CityCamp Kopenhagen!
Nach Nudeln mit Speck und Oliven geht’s jetzt wohlverdient ins Bett.
Morgen steht entweder die Besichtigung des Wikingerdorfes Foteviken auf dem Programm, oder bei schlechtem Wetter (für morgen ist eigentlich Regen vorausgesagt) ein Tag in Malmö.
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04.07.2013
Malmö – Foteviken – Ystad
Bei den Wikingern, Mücke Nr. 1
Heute werden wir von der Sonne geweckt – nach einer leider nicht so ruhigen Nacht geht es daher nicht nach Malmö, sondern weiter nach Süden ins Wikinger-Freilichtmuseum Foteviken. Dort bewahrheitet sich, was Gerdi mir nicht glauben wollte, was aber doch eigentlich total einleuchtend ist: Bei den Wikingern kann man sicher nicht mit Kreditkarten zahlen. Zum Glück aber mit Euros, und mit dem Wechselgeld halten wir dann unsere ersten schwedischen Kronen in Händen.
Das Wikingermuseum ist toll – ein ganzes Dorf, in welchem während der Sommermonate Menschen wie die Wikinger leben. Kilian hemmt das anfangs allerdings total – er traut sich nicht in die Häuser hinein, weil: „Da muss man doch erst fragen, da darf man doch nicht einfach so in die Häuser der fremden Leute reinlaufen!“ Mit der Zeit legt sich allerdings seine Skepsis, und er bestaunt einfach nur alles.
Nach einem kleinen Mittagssnack erschlagen wir unsere erste Mücke (BEVOR sie uns stechen konnte) und dann geht es weiter die Südküste entlang, zuerst bis Smygehamn, an den südlichsten Punkt Schwedens, dann weiter nach Ystad. Eigentlich wollen wir die Stadt heute noch besichtigen, aber auf dem Campingplatz angekommen, ist für Kilian der Riesenspielplatz viiiiieel interessanter, und weil mich eine bleierne Müdigkeit überfällt, lassen wir Fachwerkhäuser Fachwerkhäuser sein und genehmigen uns einen ruhigen Nachmittag mit Faulenzen, Spielen und Strandspaziergang. Morgen geht’s dann weiter an der Küste entlang bis Kalmar.
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05.07.2013
Ystad – Kalmar
Steinsetzungen aus der Bronzezeit, Mücke Nr. 2 (nicht persönlich angetroffen, aber die Beweislast, dass sie anwesend war, ist erdrückend)
Wieder weckt uns die Sonne – da fällt es schwer, Abschied zu nehmen von dem schönen Strand und Schwedens Südküste. Aber uns erwartet ja noch so viel mehr, und leider stehen heute über 200 km Fahrt auf dem Programm. Am Vormittag besichtigen wir noch eine bronzezeitlichliche Steinsetzung „Ales Stenar“ – die größte in Schweden. Erstaunlicherweise ist Kilian von den im Oval stehenden Felssteinen total begeistert, rennt über die Wiesen, erklettert die Steine, beobachtet Schafe. Gegen Mittag geht’s dann zurück zum Wohnmobil und nach einem kurzen Mittagssnack gehen wir die 247 km nach Kalmar an. Gerdi und ich sind neidisch auf Kilian, der macht jetzt seinen Mittagsschlaf – und wir müssen fahren. Irgendwie stecken uns die zwei Tage Anfahrt und die Weiterfahrt von Legoland nach Schweden wohl noch in den Knochen, wir sind total gerädert, als wir in Kalmar ankommen. Hier gibt es gegenüber dem Touristbüro einen Wohmmobilstellplatz der Stadt Kalmar, und der reicht uns für die diese Nacht eigentlich. Nur ist der leider schon voll. Also doch zum Campingplatz. Noch schnell Abend Essen, und dann gehen Kilian und ich gleichzeitig ins Bett. Morgen muss entspannter werden! Gerdi schaut sich noch den Campingplatz an, der einen schönen Strand mit Blick über den Ölandsund auf die Insel Öland hat, und folgt dann auch.
Ach ja: Mücke Nr. 2 – Kilian hat einen Mückenstich am Arm. Nach einer knappen Woche im Wohnmobil aber nichts ungewöhnliches. Von Mückenplage (bisher) keine Spur.
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06.07.2013
Kalmar – Västervik
Der schwarze Ritter Abraham
Heute (nachdem wir alle mal lange geschlafen haben), geht’s pünktlich um 10.00 Uhr auf ins Schloss von Kalmar, einer Burganlage, deren Anfänge im Mittelalter liegen, und welche durch die Wasa-Dynastie zu einem typischen Wasa-Schloss umgebaut wurde. Wir haben etwas Bedenken, ob Kilian die Schlossbesichtigung dauerhaft fesseln wird, aber wieder einmal werden wir überrascht von der Kinderfreundlichkeit der Skandinavier: Im Burghof und den angrenzenden Räumen befindet sich die ganzen Sommerferien über die „Kinderburg“. Hier ist die Szenerie eines Ritterturniers aufgebaut – es gibt echte Ritter, Burgfräulein, König und Königin, Hofnarren usw. – alle in authentischen Gewändern, die durch die kleine Zeltstadt gehen. In den Zelten und außerhalb dann verschiedene Aktionen für Kinder – Mittelalter hautnah. Kilian weiß jetzt, wie schwer eine echte Ritterrüstung war – er durfte nämlich eine anlegen (in seiner Größe! Mit echtem Kettenhemd, Waffenrock, Helm) und auch das tjosten wurde geübt. Die größeren Kinder durften gegen den „schwarzen Ritter Abraham“ im Schwertkampf antreten, usw.
Kilian war schwer begeistert, und die Besichtigung der Schlossräume lief mit Aussicht auf noch eine Runde Tjosten auch super.
Zum Abschluss noch ein Spaziergang auf der Wehrmauer, wo von Kilian alle Kanonen abgefeuert wurden, bis auf die, an denen Spinnweben waren, und dann gings nach einem sehr schönen Vormittag zurück zum Wohnmobil und auf nach Västervik an der Ostküste Schwedens.
Die 140km sind schnell gefahren und wir kommen an unserem 5-Sterne-Campingplatz an, den Gerdi ausgesucht hat, weil er gleich neben den Kletterfelsen von Västervik liegt. Gegen sowas sträube ich mich natürlich nicht und bin gespannt…
Der Campingplatz ist… riesig. Zweispurig stehen hier die Wohnmobile an, um sich an der Rezeption anzumelden. Ich befürchte schon, dass wir ohne Reservierung kein Glück haben werden, noch einen Platz zu ergattern, aber doch. Gaaaanz weit weg von der Rezeption, dafür sehr nahe am Meer und am Spielplatz, findet sich noch ein Plätzchen. Zuerst laufen wir den Platz ab, beruhigenderweise geht das doch noch einigermaßen, und durch die geschickte Landschaftsgestaltung erscheint der Platz trotz der über 800 Stellplätze nicht unüberschaubar. Der Kinderspielplatz ist größer als alles, was wir bisher an Spielplatz gesehen haben, und Kilian ist nur am Rennen und Spielen. Am Meer entdeckt er dann ein Kind mit… Käscher. Und braucht auch so einen. Nächste Überraschung: Gibt es am Campingplatzshop für 1,50 Euro. Also Käscher kaufen, Badetasche packen und ab an die Ostsee. Leider fängt Kilian keinen Fisch für mich, so dass er eher ernüchtert den Rückweg antritt.
Eigentlich stünde morgen schon die Fahrt durchs Smaland auf dem Programm – aber das verschieben wir um einen Tag – der Campingplatz hat eine Anlegestelle für einen Schärendampfer, und wenn das Wetter weiterhin so gut ist, tuckern wir mit dem morgen raus in die Schärenwelt und verbringen einen Tag schwimmend, lesend, käschend und picknickend in den Schären Ostschwedens.
Ach ja, was wir lernen durften: In Schweden kommt wohl niemand auf die Idee, stilles Mineralwasser zu verkaufen. Wo man doch die Leitung aufdrehen kann, wäre das ja auch mehr als verrückt ?!
Gott sei Dank haben wir noch nicht alle leeren Plastikflaschen entsorgt, so dass wir für Kilian, der ja "keinen Blubber liebt" auch stilles Wasser bunkern können... ;-)
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07.07.2013
Schärenausflug
„Und wo ist jetzt der Strand?!“
Heute weckt uns mal wieder ein strahlend blauer Himmel – also geht’s nach dem Frühstück los mit dem Schärendampfer auf die kleine Schäreninsel Idö. Die Fahrt durch die Schären ist toll – die Ostsee total ruhig, und auf fast jeder Insel liegt jemand auf den Felsen und sonnt sich – das wollen wir auch!
Auf Idö angekommen, geht’s also los – ein bißchen weg vom Gästehafen, an einem einsamen Hof vorbei, ein paar Ferienhäusern, und schließlich stehen wir – vor einer total brackigen Küste, Algen und Seegras bevölkern die ersten vier Meter Wasser. Geht gar nicht. Also den Weg zurück, wieder am Gästehafen vorbei, diesmal in die andere Richtung, über eine kleine Brücke auf eine Nachbarschäre. Hier teilt sich der Weg- Ostküste, oder Westküste. Wir versuchen es zuerst mit der Ostküste. Fehlanzeige. Auch hier: Seegras und Algen. Also weiter, zur Westküste. Hier ist es besser, zwar nicht gänzlich unbewachsen, aber erträglich. Leider ist das Wasser so weit draußen zu kalt zum Baden, und die felsige Schärenküste hier zu steil für Kilian, um am Wasser spielen zu können. Das haben wir uns irgendwie anders vorgestellt... Also fassen wir den Entschluss: Mit dem 13.00 Uhr- Boot zurück zum Campingplatz und dort an den Strand. Nach einer kurzen Mittagspause geht’s dann runter zum Strand und Kilian und ich nehmen unser erstes Ostseebad – es ist nicht mal kalt, schätzungsweise 20°C warm. Leider wachsen auch hier Seegräser aller Art unter Wasser, ich finde es nicht sehr prickelnd. Also sind wir bald wieder draußen und Kilian baut sich im Sand eine Art Wasserburg – also, mehr Wasser als Burg… Eimer um Eimer Wasser holt er aus der Ostsee und gießt es in seinen Burggraben, der sich bald darauf in eine Seenlandschaft verwandelt. Irgendwann fragen wir uns, wann in der Ostsee weniger Wasser sein wird als in seinem See… er hat jedenfalls seinen Spaß. Nur Fische fängt er weiterhin keine…
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08.07.2013
Västervik – Sevedstorp – Gibberyd
„Sing dudeldei, sing dudeldei…“
Heute geht es weiter, ins Landesinnere des Smålandes, in die Gegend um Vimmerby. Unser erster Stopp ist das kleine Dorf Sevedstorp – oder, wie es seit der Verfilmung des Buches heißt – Bullerbü. Da stehen wir also nun, vor dem Mittel-, dem Nord- und dem Südhof, alle in Falunrot gestrichen – wie man es sich vorstellt. Sicher kommen gleich Lasse, Bosse, Ole, Britta, Inga und Lisa um die Ecke!
Es gibt auch noch eine Scheune, in der Kilian mehrmals aus schwindelerregenden Höhen ins Heu springt, leider ist nicht genug Heu da, um wie die Kinder aus Bullerbü dort Höhlen graben zu können.
Die Häuser selber sind bewohnt, man kann also nicht hinein – das ernüchtert Kilian etwas, ebenso wie die Tatsache, dass er kein einziges der Bullerbü-Kinder getroffen hat… ;-)
Naja, egal. Weiter nach Gibberyd, oder sollen wir besser sagen: Auf nach Katthult? Es sind bloß ein paar Kilometer Fahrt, erst durch Mariannelund, das Michel ja immer aufsucht, wenn er einen Arzt braucht – sei es, weil er leider eine Suppenschüssel auf dem Kopf hat, die nicht mehr herunter will, oder sei es, weil er Alfred mitten im schlimmsten Schneetreiben nach Mariannelund zum Arzt fährt, um ihn vor dem Tod durch Blutvergiftung zu retten… weiter durch smaländisches Hügel- und Waldland, dann sind wir da: Bei Michel von Lönneberga.
Das Erste, was Kilian sieht, ist der Tischlerschuppen. Und der ist wirklich toll – die Männchen sind alle noch da, der Holzbock, auf dem Michel sitzt und schnitzt, sogar der Kamin, durch den er klettert. Kilian ist begeistert.
Der Hof selbst ist in Privatbesitz und bewohnt, wäre aber wohl auch eine Enttäuschung gewesen, da die Innenaufnahmen für den Film bis auf die Szenen im Tischlerschuppen hier nicht gedreht wurden. Aber im Garten steht die Fahnenstange, an der Michel Klein Ida hochzieht, und Alfreds kleines Haus ist auch da, und und und… Dreimal müssen wir noch in den Tischlerschuppen, bevor Kilian sich trennen kann – dann geht’s – zu seiner Enttäuschung ohne „Müsse und Büsse“, also ohne eine typische blaue Michelmütze und – noch viel schlimmer: ohne ein Michel-Holzgewehr – wieder zurück nach Vimmerby auf den dortigen Campingplatz.
Hier bekommen wir einen schönen Platz zugewiesen. Wohnmobil abstellen, Markise raus, in den Badeanzug und ab an den wunderschönene Waldsee, an dessen Ufer der Campingplatz liegt. Leider wird daraus nichts – kurz bevor wir losgehen, kommt ein Schweizer auf uns zu und sagt uns, wir stünden auf seinem Platz und das hier seien SEINE Campingmöbel. Wir hatten uns schon über die Nachbarn geärgert, weil wir davon ausgegangen waren, dass sie sich so ausgebreitet hatten, dass sie gleich zwei Plätze belegten. Leider falsch – der Campingplatzbesitzer hat unseren Platz doppelt belegt und wir müssen umziehen – also nochmal alles retour: Markise rein, runter von den Keilen, Strom abkabeln und rüber auf die „Behelfs-Stromplätze“. Die wurden eingerichtet, weil hier ab morgen wohl ein großes Stock-Car-Festival stattfindet und der Campingplatz dementsprechend voll ist – eigentlich ist der Bereich für Zelte vorgesehen. Und enstprechend klein ist dann auch unsere Parzelle: Das Wohnmobil passt gerade so drauf. Naja. Dafür ist es näher am Waschhaus, auch nicht schlecht. Trotzdem ärgert es mich: Der Schweizer wäre morgen früh wieder abgefahren, wir bleiben zwei Tage hier – für die eine Nacht hätte auch er sich auf den Behelfsplatz stellen können – zumal sein Wohnmobil ja noch fahrbereit war. Und ich bin um mein Bad in dem tollen See gebracht – hoffentlich klappt es morgen noch nach der Astrid Lindgrens Värld, das wird sicher für Kilian (guuuut, und für mich…) auch wieder supertoll – das ist ein Freizeitpark, in dem sämtliche Schauplätze der Astrid- Lindgren-Bücher kindgerecht im Maßstab 1:3 nachgebaut wurden: Die Villa Kunterbunt, die Krachmacherstraße, Katthult, Ronja Räubertochters Mattisburg, Bullerbü und und und…
Übermorgen besichtigen wir dann noch Vimmerby selbst, die Geburtstadt Astrid Lindgrens, und dann geht es schon weiter nach Stockholm. Darauf freue ich mich natürlich auch schon, aber hier könnte man es auch gut eine längere Zeit aushalten – Urlaub im Smaland ist sehr zu empfehlen!
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Lieber Leser, danke für die Gästebucheinträge!
Bitte wundert euch nicht, warum ihr von uns keine Rückmeldung auf eure Gästebucheinträge bekommt - es ist das gleiche Problem wie vor zwei Jahren in der Bretagne - wir können leider keine Gästebucheinträge verfassen, freuen uns aber natürlich, eure zu lesen!
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09.07.2013
Astrid Lindgrens Värld, Vimmerby
„Pippi Lotta Viktualia Rollgadina Pfefferminza Efraims Tochter Langstrumpf“
Heute geht’s los in die Astrid Lindgrens Welt! Gut gestärkt nach einem guten Frühstück starten wir bei strahlend blauem Himmel und sind pünktlich zur Eröffnung des Parks am Eingang. Gleich hinter den Parktoren treffen wir die Prusseliese und die Polizisten Kling und Klang. Es gibt ein Foto mit Klang und Kilian sagt ihm vorwurfsvoll, er dürfe Pippi nicht ins Kinderheim stecken.
Nach einer kurzen Orientierungsphase starten wir los zur Villa Kunterbunt, wo um 11.00 Uhr eine Aufführung stattfindet. Der ganze Park ist ein Traum, die gebaute Welt der Astrid-Lindgren-Bücher und ihrer Kindheit – das meiste im Maßstab 1:3 – es gibt ein Vimmerby, das so aufgebaut wurde, wie es zu Astrid Lindgrens Kindheit ausgesehen hat, das Dorf Bullerbü, die Krachmacherstraße und und und… Kilian rennt nur staunend von einem Haus zum anderen und will alles entdecken (und ich auch…) Dazwischen immer tolle Spielplätze, wie eine Seilfähre über einen kleinen See, einen riesigen Wasserspielplatz usw. Bei den größeren Attraktionen befindet sich jeweils ein kleines Amphitheater, wo über den ganzen Tag verteilt kurze Vorstellungen aufgeführt werden – zuerst sind wir bei Pippi zu Gast – wir kommen rechtzeitig, so dass wir die Villa Kunterbunt noch von innen besichtigen können, dann werden wir aber hinausgebeten, das Theaterstück beginnt – Pippis Vater kommt zurück zu Pippi und Pippi geht mit an Bord der Hoppetosse. Alles ist komplett auf schwedisch, aber so gut gespielt, dass man der Handlung auch folgen kann, ohne die Dialoge zu verstehen.
Später geht’s weiter zur Mattisburg, wo wir zusehen können, wie Ronja mit Birk die Eltern verlässt und den Sommer im Wald verbringt. Der Höhepunkt aber ist „Michel in der Suppenschüssel“ in Katthult, Kilian ist völlig begeistert, die Geschichte kennt er ja schon in- und auswändig. Ein bisschen irritiert ist er allerdings – Michel heißt im schwedischen Original nicht Michel, sondern Emil. (Für die deutsche Übersetzung hatte man sich damals für einen anderen Namen entschieden, da damals Erich Kästners „Emil und die Detektive“ gerade sehr beliebt war, und man Verwechslungen vermeiden wollte…). Das Stück ist musikalisch toll untermalt und die Lieder aus den Michel-Filmen wurden mit eingebaut. Da werden Kindheitserinnerungen wach!
Am Schluss schlendern wir noch durch die „echte“ Krachmacherstraße – die Lotta-Filme, die ja neueren Datums sind, wurden hier gedreht, deshalb gibt es die Krachmacherstraße auch noch einmal im Maßstab 1:1. Hier sind kleine Läden untergebracht, in denen ich Stunden verbringen könnte. Letztendlich erfüllen wir Kilian einen Herzenswunsch, den er seit längerem mit sich rumschleppt: Er bekommt (Ronjas) Pfeil und Bogen. Und für unser kleines Pünktchen kaufen wir das erste Kuscheltier: Lottas Schweinsbären. :-)
Im Buchladen könnte ich mich eindecken mit all den Büchern, die ich in meiner Kindheit so oft gelesen, aber nicht selbst besessen habe – aber die Bücher sind mit einem ordentlichen Preisaufschlag versehen, so dass ich mich zurückhalten muss… eine CD mit Kinderliedern aus Astrid Lindgrens Filmen wird aber mitgenommen – seltsamerweise liebt Kilian „Karlsson vom Dach“ – ich fand den damals ja immer ein bißchen „unliebenswert“, und habe das Buch nicht sooo gerne lesen, aber Kilian ist begeistert – ein Mensch, dem ein Propeller angewachsen ist… findet er super. Jetzt sitzt er hinten im Wohmmobil und singt lautstark „Karlsson! Karlsson!“
Resümee: Der Park ist wunderbar – und ein Tag reicht nicht – wir haben ganze Themenbereiche ausgelassen, teilweise, weil wir es zeitlich nicht geschafft hätten, teilweise, weil die Thematik für Kilian noch etwas schwierig gewesen wäre (wie das Kirschblütental der Brüder Löwenherz).
Wir kommen am späten Nachmittag am Campingplatz an, und nach einem Tag in der Sonne ist klar, was jetzt kommen muss: Ein Bad im See Nossen. Wir schwimmen in einem smaländischen See, die Sonne glitzert auf dem dunklen Wasser, am Rand Wälder und Seerosen – es würde uns nicht wundern, wenn uns gleich Alfred und Michel entgegenschwämmen.
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10.07.2013
Vimmerby (Näs) – Berg – Stockholm
„Lasses Neffe“
Heute nacht – man glaubt es kaum – hat es geregnet! Am Morgen kommt aber zum Glück schon wieder der blaue Himmel durch, und wir brechen schweren Herzens unsere Zelte in Vimmerby ab. Bevor wir uns aber auf nach Stockholm machen, wollen wir noch Astrid Lindgrens Geburtshaus besuchen – den ehemaligen Pfarrhof Näs bei Vimmerby. Das Haus selbst ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen, die aber erst für Kinder ab 8 Jahren empfohlen wird – so dass das leider ausfällt.
Trotzdem ist es toll, an dem Ort zu stehen, an dem die Geschichten der Kinder aus Büllerbü wirklich erlebt wurden – von Astrid und ihren Geschwistern. Neben dem Geburtshaus stehen noch ein paar alte Häuser, die zum Pfarrhof gehörten, und in einem ist ein kleiner Buchladen untergebracht. Hier kann ich mich dann nicht mehr zurückhalten, der Buchladen wird von den Nachkommen Astrid Lindgrens persönlich geführt.
Und wir sprechen länger mit dem Neffen von „Lasse“ aus den Bullerbü Büchern, der uns einige der Ereignisse aus Astrids Kindheit erzählt, die später in ihren Büchern – vor allem im Michel und den Kindern aus Bullerbü – niedergeschrieben sind – für mich ein ganz, ganz tolles Erlebnis. Offensichtlich hatte ich den richtigen Reiseführer in der Hand - ich möchte NIE mehr Kritik dafür hören, wenn sich jemand… sagen wir… mehr als vier, fünf Reiseführer für eine dreiwöchige Reise kauft – neben den Kultur- und Wohnmobilreiseführern, die ich mitführe, war der Kauf von „Auf Astrid Lindgrens Spuren durch Schweden“ wohl einer der besten Buchkäufe meines Lebens! So! ;-)
Der ältere Verkäufer im Laden jedenfalls kannte den Reiseführer, und hat uns angesprochen, dass wir mit einem „außergewöhnlich guten Reiseführer“ reisen würden und sich eben als „Lasses Neffe“ geoutet. Er zeigt Kilian (in dem er wohl seltsamerweise irgendwelche Michel-Qualitäten entdeckt?) dann sogar die ehemalige Speisekammer von Näs. Die hatte Astrid Lindgren vor Augen, als sie Michel aus seinem Tischlerschuppen übers Fenster in die benachbarte Speisekammer flüchten, dort alle Festtagswürste aufessen und schließlich im Vorratsschrank einschlafen ließ – den Vorratsschrank gibt es noch heute – Kilian hätte wunderbar hineingepasst. ;-)
Dann tätige ich noch zwei der wirklich besten Buchkäufe meines Lebens – die Bücher aus dem Buchladen sind nämlich hier an Astrid Lindgrens Geburtsort mit einem Einkleber versehen: „Ein Buch, gekauft im Garten von Astrid Lindgrens Geburtshaus, Näs in Vimmerby“. Für Kilian muss es die Gesamtausgabe von „Michel“ sein und ich kaufe mir noch „Mein Smaland“.
Dann müssen wir leider los – der Weg bis Stockholm ist noch weit, und wir müssen noch einkaufen und haben noch ein kleines Zwischenziel auf dem Programm – die Schleusentreppe des Götakanals in Berg.
Nach einem kurzen Stopp bei einem Supermarkt verdunkelt sich plötzlich der Himmel und es beginnt zu regnen – wie passend: Wir haben bis auf den kurzen Zwischenstopp heute eh nur noch die längere Fahrt nach Stockholm vor uns, und wenn es schon regnen muss, dann finden wir es sehr, sehr anständig von den schwedischen Wolken, dass sie das an einem unserer längeren Fahrtetappen erledigen. ;-)
In Berg angekommen, regnet es zwar noch immer, aber wir haben trotzdem ein riesiges Glück: Auf dem Götakanal, der von Göteborg quer durch Schweden bis zur Ostsee führt, verkehren entlang der zweitägigen Route noch drei historische Kreuzfahrtschiffe. Und das älteste von Ihnen, die „Juno“, steht gerade inmitten der Schleusentreppe! Schnell ist das Auto geparkt, und wir sehen noch die Fahrt durch zwei Schleusen – und wie sich die Hebebrücke für die Durchfahrt des Schiffes hebt. Kilian ist begeistert.
Und weiter geht es nach Stockholm – wir haben uns für einen Campingplatz etwas außerhalb direkt am Mälarsee entschieden. Die Sanitäreinrichtungen sind zwar… naja… in die Jahre gekommen beschreibt es am freundlichsten… aber dafür gibt es einen wunderschönen Badeplatz am See und die U-Bahn nach Stockholm in Laufweite.
Bilder folgen noch, heute sind wir zu müde zum Runterladen…
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11.07.2013
Stockholm: Gamla Stan, Wachablösung vor dem Kungliga Slottet, Stadshuset: Turm
Warten auf schwedisch
Heute geht es hinein nach Stockholm. Wir schlafen ungewöhnlich lange (was bedeutet, dass Kilian ungewöhnlich lange schläft) und machen uns so erst gegen 10.30 Uhr auf Richtung Innenstadt. Zuerst geht es direkt in die Gamla Stan, die historische Altstadt. Hier laufen wir durch die engen Gassen und schauen kurz im Dalapferdchen-Museum vorbei, wo wir für Kilian eines der typisch schwedischen Holzpferde erstehen - die kennt und liebt er schon vom Kindergarten, wo Schweden vor ein paar Wochen Thema der Woche war.
Dann geht es weiter zum Königlichen Schloss, wo wir um 12.15 Uhr die Wachablösung verfolgen wollen. Obwohl wir eine knappe halbe Stunde zu früh da sind, um noch einen guten Platz zu ergattern, stehen wir „nur“ in dritter Reihe. Bis es los geht, strömen noch so viele Touristen auf den Platz, dass die Zugangswege zum Schlosshof völlig verstopft sind. Die königlichen Wachen greifen leider nicht so durch, wie es ihre Körperhaltung, ihr Stechschritt oder ihre Bewaffnung erwarten lassen würden, und so haben wir bald nicht zwei Reihen Köpfe vor uns, sondern ca. 10. Wunderbar. Das hätte man besser organisieren können, wenn man die Zuschauer gleich am Zugang zum Schlosshof rechts und links hinter die Absperrungen geleitet hätte. So sehen wir wenig von der Zeremonie, nur Kilian hat auf Gerdis Schulter eigentlich eine hervorragende Aussicht, aber da die Wachen hier im Gegensatz zu Kopenhagen KEINE Bärenmützen tragen, und auch die Kanonen im Schlosshof wider seinen Erwartungen doch nicht abgefeuert werden, wird es ihm schnell langweilig und er beginnt erst zu quengeln, dann zu schimpfen, und dann zu weinen. Als das Weinen in einen trotzköpfischen Tobsuchtsanfall auszuarten droht, räumen wir das Feld, um ihn in aller Ruhe wieder „einzunorden“. Es scheint gewirkt zu haben, denn beim anschließenden Mittagessen im Restaurant gibt er den Musterknaben. Sein Wasser fällt zwar um, aber dafür konnte er nichts, das war Gerdi. ;-)
Am Nachmittag wollen wir noch eine Bootsrundfahrt machen und uns einen Blick vom Stadshuset-Turm von oben auf die Stadt gönnen. Mit der Stockholm-Card, die wir gekauft haben, sind die Eintritte dafür inklusive. Womit wir allerdings nicht gerechnet haben, ist die Vorliebe der Schweden für Wartenummern. Das erste Mal begegnet ist uns diese Eigenheit in der Tourist Info in Kalmar, wo man sein Anliegen nur nach Ziehen einer Wartenummer und Aufruf derselben vortragen darf. Und auch hier: Die nächste Möglichkeit, auf den Rathausturm zu gelangen, ist erst in einer dreiviertel Stunde – und das nur, weil ich die letzten beiden Wartenummern für diese Zeit ergattere und die beiden Kassiererinnen mit Engelszungen überrede, dass Kilian ja eigentlich keine Nummer benötigt, weil er ja auch noch nichts kostet (und doch noch ziemlich klein ist. Das sage ich auf englisch, sonst hätte Kilian lautstark protestiert…). Sonst hätte das Ganze noch eine halbe Stunde länger Warten in Anspruch genommen… Naja. Der Blick vom Turm aus über die Stockholmer Innenstadt ist es dann aber wert.
Anschließend machen wir noch eine Bootstour, die uns aber leider enttäuscht: Obwohl sie „Historical Tour“ genannt wird, schippern wir nicht in Richtung der Altstadtinseln, sondern entlang touristisch eher weniger interessanter Stadtteile. Zum Glück haben wir durch den Kauf der StockholmCard ein wenig das Gefühl, dass die Fahrt wenigstens nichts gekostet hat (was aber natürlich nicht stimmt, schon klar… aber sonst hätten wir uns wirklich geärgert). Kilian jedenfalls merkt auch, dass das hier nicht das Wahre ist, und beschließt, die 50 Minuten für einen Mittagsschlaf zu nutzen. Als wir wieder aussteigen, ist er weiter nicht wach zu bekommen – zum Glück haben wir den Buggy dabei. Kilian schläft noch eine weitere Stunde, was uns dazu veranlasst, erst mal eine gemütliche Kaffeepause einzulegen.
Danach spazieren wir noch durch die Drottninggatan – einer der Haupteinkaufsstraßen Stockholms, und im Ahlens, Stockholms größtem Kaufhaus, erstehe ich endlich eine neue Sonnenbrille (wehe, jetzt wird das Wetter schlecht!). Diese Brille habe ich mir übrigens OHNE Beratung durch eine Verkäuferin ausgesucht, denn für eine Beratung hätte man… richtig… eine Wartenummer ziehen müssen. ;-)
Dann geht es mit der „Tunnelbana“ zurück zum Campingplatz – Stadtbesichtigungen sind schön, aber anstrengend, und darum geht’s heute bald ins Bett…
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12.07.2013
Stockholm
Der touristische Supergau, die Zweite (nach Auckland - irgendwie erwischt es uns immer in den Großstädten?!)
Der zweite Tag in Stockholm – und wieder blauer Himmel. :-)
Los geht’s ins Vasa-Museum, zuerst mit der U-Bahn, dann mit der Tram. Die suchen wir erst mal eine Zeit lang relativ ratlos – die Ausschilderungen in der Tunnelbana sind nicht so, wie wir es von München gewöhnt sind, ohne Streckenplan ist man mehr oder weniger aufgeschmissen, wenn man mal eine Verbindung mit Bus oder Tram sucht. Endlich sitzen wir in der Straßenbahn zur Insel Djurgarden.
Vor dem Museum ist eine relativ lange Schlange, die sich aber zügig voran bewegt, so dass wir bald vor dem fast 400 Jahre alten Segelschiff stehen. Wir sind alle drei tief beeindruckt – unglaublich, wie gut erhalten das Schiff nach 333 Jahren unterm Meer noch ist, und toll auch, ein so altes, so großes Schiff einmal zu sehen. Das muss ausgiebig fotografiert werden! Nur… irgendwie… funktioniert die Kamera nicht? Könnte vielleicht daher kommen, weil die Speicherkarte noch im Laptop steckt. Und der ist im Wohnmobil. Also gibt’s von heute nur zweitklassige Handy-Fotos.
Aus der einen Stunde, die wir eigentlich bleiben wollten, werden schnell zwei, und darum brauchts, als wir das Museum verlassen, erst einmal ein Mittagessen.
Wir folgen heute mal einem Tipp aus dem Baedecker-Reiseführer, und – er war Gold wert. Wir sitzen im wunderhübschen Innenhof eines Cafes, das neben einem unglaublichen Kuchenbuffet auch noch ein paar äußerst leckere Mittagsgerichte anbietet. Gerdi beschließt allerdings angesichts der Kuchen, die Hauptspeise auf ein deftig belegtes Croissant zu beschränken und greift lieber beim Kuchenbuffet zweimal zu.
Dann geht’s zurück zum Vasamuseum, daran vorbei und weiter nach „Junibacken“ – eine kleine Astrid-Lindgren-Erlebniswelt, bei der man mit einer Art Märchenzug entlang nachgestellter Buchszenen gefahren wird. Dank der Stockholm-Card bisher alles inklusive. Wie immer bekommen wir eine Wartenummer. ;-) Aber eine halbe Stunde später sitzen wir im Zug. Das Ganze ist nett gemacht, aber es ist halt nicht das Smaland, was will man machen…
Danach steht noch das Kungliga Slottet, diesmal von innen, auf dem Programm. Heute nehmen wir eines der RICHTIGEN Boote, und fahren von der Djurgarden-Insel entlang der Altstadtinseln hinüber zum Schloss. Kilian ist von der Rüstkammer tief beeindruckt, die Schatzkammer mit den königlichen Insignien ist dagegen nicht so seins, der erwartete Goldschatz entpuppt sich nur als Krone, Stab und Apfel in verschiedensten Ausführungen…
Am Schluss wollen wir noch die angrenzende Schlosskirche besichtigen, in der Viktoria und Daniel geheiratet haben – und das, obwohl wir alle schon mehr als müde sind. Aber was muss, das muss. Die Kirche ist in Wirklichkeit viel kleiner, als sie im Fernsehen erschien, aber trotzdem sehr interessant. Kilian ist begeistert vom Kampf des Hl. Georg mit dem Drachen, und nach einem kurzen Rundgang sind wir wieder draußen.
Zurück gehts zum Campingplatz. Heute ist Waschtag (muss auch mal sein, wir haben eh gut gehaushaltet, so dass wir mit diesem mal Waschen wohl durch den Urlaub kommen werden.)
Außerdem haben wir die weitere Route noch abgeändert, wir wollen am Schluss des Urlaubs nicht die sich eingestellte Erholung mit langen Fahretappen zunichte machen, so dass wir jetzt den Tiveden-Nationalpark und die nördliche Westküste ausfallen lassen (LEIDER…). Da hilft mal wieder nix anderes als wiederkommen. ;-)
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13.07.2013
Stockholm – Hjälmaren-See
Schwedisches Möbeldesign - 17. Jhd und 21. Jhd.
Wieder weckt uns die Sonne – heute ist klar: 26° - das ist Badewetter! Wir brechen also zeitig auf, und sind pünktlich zur Öffnung des Drottningholm Schlosses vor den Pforten desselben. Dank der Stockholm-Card, die noch eine dreiviertel Stunde gültig ist, können wir uns auch noch schnell auf eine Runde durch die der Öffentlichkeit zugänglichen Räume begeben. Fotografieren ist leider verboten, macht aber auch irgendwie nichts, die Räume sind barock überladen, mehr Gold und Geschnörksel, als dem Auge guttun kann – wir können uns nicht vorstellen, dass der von der Königsfamilie bewohnte Südflügel auch so aussieht, und hoffen um derentwillen, dass sie den barock überladenen Wänden und Decken lauter schlichte, moderne Möbel entgegengesetzt haben.
Nach einem kurzen Spaziergang im Schlosspark geht’s dann weiter zum nächsten Ziel: IKEA. - Ja, wir mussten da vorbei, und nein, das ging nicht hauptsächlich von mir aus, sondern von Gerdi. ;-)
Aus dem Besuch haben wir mehrere Schlüsse ziehen können:
1. Das Möbelprogramm entspricht genau dem von Deutschland
2. Das Smaland heißt hier nicht Smaland (was auch komisch gewesen wäre)
3. Die Köttbullar schmecken wie zu Hause.
Nachdem wir dort Mittag gegessen haben geht’s dann die 150 km Richtung Westen an den Hjämlaren-See, Schwedens viertgrößten See. Der Campingplatz liegt idyllisch in einem Naturschutzgebiet, und schon der Weg dahin ist wirklich und wahrhaftig „schwedisch“ – rote Höfe inmitten von viel Wald, Wiese, Natur, alles sehr einsam, alles sehr schön.
Wir haben einen guten Stellplatz ganz nah am See und nachdem das Wohnmobil geparkt ist, geht’s auch gleich los zu demselben. Wie der Nossen-See im Smaland hat auch dieser hier supersauberes Wasser (Seerosen am Ufer), und absolute Badetemperatur. Wir verbringen den Nachmittag badend, lesend, sandspielend.
Trotz des Campingplatzes in unserem Rücken und dem Umstand, dass das hier auch ein der Öffentlichkeit zugänglicher Badeplatz ist, ist hier sehr wenig los.
Gut. Wer sich einmal eine schwedische Landkarte zur Hand nimmt, kann erahnen, woran das liegt. Bei der geringen Bevölkerungsdichte und der Masse an Seen in diesem Land kommt auf einen See vielleicht eine Handvoll Schweden…
Das führt leider auch zu Verhaltensweisen, die uns völlig fremd sind, vor denen in einem Reiseführer auch schon „gewarnt“ wurde (die wir aber nicht glauben wollten): Die Schweden baden gern im See. Und mit Baden ist Einseifen, Haare-Waschen, Rasieren gemeint. Am See Nossen schon zweimal beobachtet und nur erklärbar dadurch, dass bei so viel See pro Einwohner das bisschen Shampoo wohl keine Seerose am Wachsen hindert? Was bei uns jedenfalls zu lautstarken Protesten führen würde, wird von den umstehenden Schweden nicht einmal beachtet.
Egal. Hier hat (noch) keiner im See geduscht, und auch deshalb könnten wir es auch hier schon wieder länger aushalten. Leider ist für morgen Regen angesagt – auch wenn wir das kaum glauben können, die Sonne scheint uns noch immer vom strahlend blauen Himmel direkt ins Wohnmobil, aber Wetterwechsel gehen hier dank fehlender Staulagen deutlich schneller als bei uns – so dass der Weiterfahrt Richtung Westküste wohl nichts im Wege steht (bei Sonne bleiben wir vielleicht noch einen Tag…)
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14.07.2013
Hjälmaren-See – Schloss Läckö (Vänernsee)
Schwedengeburtstag
Eigentlich hätte man es ahnen müssen – wer den ganzen Tag über mit lautstarker Musik den Campingplatz beschallt, wird sich von so etwas Seltsamem wie „Nachtruhe“ nicht aufhalten lassen…
Unsere Nachbarn sind im Konvoi angereist, und haben drei Wohnwägen zur Wagenburg aufgestellt. Techno-Beats begleiten uns das Abendessen lang, und nachts… in unverminderter Lautstärke wird wieder und wieder die gleiche CD abgespielt, darunter die Techno-Pippi-Langstrumpf-Version auf schwedisch. Um Mitternacht dann ein laut gegrölter Trinkspruch – da wurde wohl in einen Geburtstag hinein gefeiert. Und danach nicht aufgehört. Irgendwann gegen 1.00 Uhr wird es langsam ruhiger, wenigstens die Kinder gehen jetzt ins Bett. Endlich schlafen. Wäre da nicht: DIE MÜCKE. Die erste Mücke im Wohnmobil raubt uns mit ihrem Gesumse den Schlaf, und es dauert bis 3.30 Uhr, bis ich sie im fahlen Licht der aufgehenden Sonne auf meinem Arm sitzen und saugen sehe – und ihr endlich den Garaus machen kann.
Dass Kilian uns bis 8.00 Uhr schlafen lässt, macht die Sache dann leider nur ein wenig besser – völlig gerädert schälen wir uns aus den Betten und lassen uns von… einem wolkenverhangenen Himmel begrüßen. Also Zelte abbrechen und weiter gen Westen.
Wir fahren bis zum Schloss Läckö, das auf einer Insel im Vänernsee, Schwedens größtem und Europas drittgrößtem See, liegt. Abwechselnd machen Gerdi und ich einen späten Mittagsschlaf, und schauen daher auch abwechselnd das Schloss und den Vänern an.
Das Wetter ist im Laufe des Nachmittags wieder viel besser geworden und die Sonne scheint, aber zum Baden ist es heute zu kalt. Bei 17 Grad Lufttemperatur verspürt niemand von uns den Wunsch nach einer Abkühlung, und so wird’s ein gemütlicher Nachmittag mit einem frühen Abendessen. Danach gehen Gerdi und Kilian noch kurz Klettern (es gibt ein Klettergebiet ganz in der Nähe, Gerdi ist begeistert), und ich lese ein bisschen. Alles sehr geruhsam.
Morgen geht’s weiter an die Nordsee, den Skagerrak. Hier wollen wir noch zwei bis drei Tage auf den Schären verbringen, bevor wir am Mittwoch oder Donnerstag dann die Rückreise nach München antreten.
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15.07.2013
Schloss Jäckö – Insel Orust
Ziel heute ist die Insel Orust, Schwedens drittgrößte Insel, nördlich von Göteborg. Die Fahrt dorthin geht wie immer sehr gut – das Verkehrsaufkommen in Schweden ist nicht der Rede wert – nicht einmal, als wir zur Rush-Hour-Zeit durch Stockholm gefahren sind, haben wir es „geschafft“ einen Stau zu finden. ;-)
Und auch heute fahren wir die 160 km ohne zeitliche Verzögerung. Kurz vor Orust geht’s noch in einen Supermarkt, um unsere Vorräte aufzustocken und dann über eine Brücke auf die Insel, nach Ellös, an der Westküste von Orust. Der Campingplatz ist sehr schön, liegt eingebettet inmitten einer tollen Schärenlandschaft – man kann sich auf kurzen Wanderwegen die Schärenküste sehr gut erschließen.
Das einzige Problem, das wir bei strahlend blauem Himmel haben, sind die orkanartigen Böen. An Baden ist heute nicht zu denken, wir müssen uns teilweise mit ganzem Körpergewicht gegen die Windböen stemmen. Zusammen mit der Sonne und der kargen Schärenküste ist das aber auch sehr beeindruckend. Kilian findets toll – der Weg geht über die Felsen, und in Waldabschnitten über Bretterbohlen. Die Aussicht in die Schärenwelt des Skagerrak ist super, und so muss es ja nicht immer Baden sein.
Zurück von unserem Spaziergang machen wir eine kleine Pause im Wohnmobil – das wird vom Sturm ganz schön durchgeschüttelt, alle Achtung!
Nach einem schnellen Abendessen will Kilian unbedingt noch Minigolf spielen – viele Campingplätze haben eine kleine Minigolfanlage, und er liegt uns damit schon seit Urlaubsbeginn in den Ohren – und wir versuchen ihm seit Urlaubsbeginn klar zu machen, dass er dafür eventuell noch etwas zu klein ist. Aber er will uns das nicht glauben, und so probieren wir es einfach – entweder ist er ein Naturtalent und der nächste Tiger Woods, oder er glaubt uns dann, dass das Ganze vielleicht noch ein bisschen schwer ist.
12 Bahnen später gehen wir mit einem weinenden Kind zurück zum Wohnmobil – der blöde Ball, der blöde Wind, der blöde Schläger! Und überhaupt mag er Verlieren gar nicht! Und mit einem Erwachsenenschläger wäre das nicht passiert! Alles ist also ganz schlimm, und es dauert eine Zeitlang, bis er getröstet ist – aber ein guter Minigolfer ist noch genau so wenig vom Himmel gefallen wie ein guter Verlierer, also schon wieder was gelernt… ;-)
Jetzt lassen wir uns von unserem im Wind schaukelnden Wohnmobil in den Schlaf wiegen und für morgen hoffen wir auf Windstille, dann statten wir der nächsten Schäreninsel, der Insel Tjörn, noch unseren Besuch ab (ein bisschen Baden, ein bisschen Klettern), und dann gehts noch ein Stück weiter in den Süden, bis kurz vor Göteborg, auf die letzte Station unserer Reise.
Bilder gibt es hoffentlich bald wieder, Internet ist hier ganz schlecht – vielleicht liegts am Sturm?
Vielen Dank auch für eure Gästebucheinträge – wir freuen uns, dass ihr mitlest!
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16.07.2013
Orust- Tjörn – Marstrand – Varberg
Salz auf unserer Haut!
Eigentlich heißt unser heutiges Ziel ja Marstrand – aber dann kam es doch ein bisschen anders (besser)…
Am Morgen geht es gemütlich los auf die Insel Tjörn, wo wir eigentlich Baden und Klettern wollten. Baden fällt aber aus, der Wind von gestern weht heute noch fast genauso stark, und es ist einfach zu kalt zum Baden. Am vermeintlichen Kletterfelsen angekommen, müssen wir feststellen, dass es keine Parkmöglichkeit für unser Wohnmobil gibt, und so beschließen wir, die 70km gleich weiter nach Marstrand zu fahren.
Die Strecke ist wunderschön, geht von Insel zu Insel mitten durch die Schärenwelt des Skaggeraks. In Marstrand angekommen, müssen wir aber feststellen, dass der Campingplatz bereits voll belegt ist. Es gibt aber noch einen Parkplatz für Wohnmobile, auf dem Übernachten erlaubt ist. Nach kurzer Überlegung beschließen wir aber, lieber noch ein Stück Richtung Süden zu fahren – der Parkplatz ist alles andere als schön, baden kann man hier auch nicht, und darum kommt einfach nur die Zeit totzuschlagen auch nicht in Frage. Wir suchen uns einen Campingplatz ein gutes Stück südlich von Göteborg aus und fahren nochmal 120 km nach Süden – vielleicht haben wir ja auch Glück, und der Wind ist dort an der Küste etwas schwächer.
Der Schweden-Campingführer verspricht uns jedenfalls einiges – ein nicht zu großer Campingplatz direkt am Meer, Sandstrand, familienfreundlicher Zugang zum Meer. Wir fahren hin, und auch hier ist´s schon ziemlich voll. Wir haben aber Glück: Für eine Nacht können wir bleiben. Die Sonne scheint, der Wind bläst viel schwächer, und der Campingplatz liegt direkt hinter den Dünen an der Nordsee.
Also Wohnmobil parken, umziehen, ab zum Strand. Und der ist toll, toll, toll! Weicher, feiner Sand, der Strand endet zu beiden Seiten irgendwo am Horizont, und es sind Leute im Meer - also Badetemperatur! Nichts wie hinein in die Fluten! Da es sehr flach ins Wasser geht, ist das Meer auch angenehm warm, wieder so um die 20° schätzen wir.
Wenn mir vor dem Urlaub jemand hätte garantieren wollen, dass ich in sowohl in der Ost-, als auch der Nordsee und in mehreren Seen schwimmen würde, ich glaube, ich hätte dagegen gewettet… :-)
Wir werfen uns in die Wellen und schwimmen mit ihnen, danach werden eifrig Sandburgen gebaut (zählt man den „Steinekerker“ als extra Burg, sind es vier Stück…), gelesen, gesonnt, und weil es Kilian und mir noch nicht reicht, springen wir kurz vor dem Abendessen nochmal ins Meer. Der Reiseführer hat nicht übertrieben, diesen Küstenabschnitt mit „schwedischer Riviera“ zu bezeichnen. :-)
Dann mache ich Abendessen, Kilian und Gerdi sind derweil noch auf dem Spielplatz, und nachdem Kilian sich 3x vom Couscoussalat nachgenommen und 2 Portionen Joghurt als Nachspeise verdrückt hat, fällt er glücklich und müde ins Bett. Gerdi geht noch abspülen und wenn der Reisebericht für heute jetzt gleich fertig ist, ist noch ein Strandspaziergang angesagt:
Bestes Wetter + Westküste = Sonnenuntergang!
Was für ein schöner Abschluss eines wunderbaren Urlaubs. :-))))
Morgen geht es dann nach Helsingborg und mit der Fähre hinüber nach Dänemark, dann können wir die restlichen 1.200 km auf drei Tage aufteilen – damit wir die Erholung, die wir hier getankt haben, auch mit nach Hause nehmen können.
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17.07.2013
Varberg – Helsingborg – Helsingör – Rødby – Puttgarden
„Hej då Schweden – Bis bald!“
Obwohl der Wetterbericht für heute eigentlich strahlenden Sonnenschein vorausgesagt hatte, ist der Himmel wolkenverhangen – fast zum Glück, sonst wäre uns der Abschied von dem tollen Strand viel schwerer gefallen.
Wir wollen heute bis Helsingborg fahren und wenn möglich noch mit der Fähre nach Dänemark übersetzen – ob das klappt, wissen wir nicht, wir haben die Fährverbindung ja nicht gebucht. Im Notfall müssten wir den Umweg durch Dänemark über die beiden Brücken fahren.
In Helsingborg angekommen lassen wir fast alle restlichen schwedischen Kronen noch in einem Supermarkt, um unsere Vorräte für die mehrtägige Heimreise aufzustocken, dann geht’s los zum Fährhafen. Das Ticket für beide Fährverbindungen bekommen wir an einem Mautstation-ähnlichem Kassenhäuschen, wir müssen nicht mal ins Hafenbüro, und man winkt uns direkt durch zur Spur 9 – und dort gleich weiter auf die Fähre. Wie ? Was? So schnell geht das? Keine Wartezeiten ohne Reservierung?
Wir haben deutlich Stress, uns schnell noch umzuziehen und aus dem Autodeck hoch zu kommen. Weil gerade Mittag ist, werden die allerletzten Kronen in zwei schwedische Bockwürste investiert – und die müssen wir runterschlingen, denn die Überfahrt nach Helsingör in Dänemark dauert gerade mal 15 Minuten. Schnell wieder runter zum Wohnmobil und runter von der Fähre – wir hatten nicht mal Zeit, Schweden vom Schiff aus nochmal „Auf Wiedersehen“ zu winken, schon sind wir in Dänemark.
Wir beschließen, noch bis Rødby zu fahren – dem Fährhafen ganz im Süden von Dänemark, der die kürzeste Schiffverbindung nach Deutschland darstellt – nach Puttgarden auf der Insel Fehmarn. Es ist ja erst Mittag, und obwohl wir eigentlich vorhatten, die Nacht in Dänemark zu verbringen, wollen wir jetzt auch nicht unnötig Zeit totschlagen, also weiter zum nächsten Hafen, ca. 230 km südlich von Helsingör und wenn´s klappt, gleich noch hinüber nach Deutschland.
In Rødby angekommen, haben wir erst mal Pech – obwohl wir auch hier sofort durchgewunken werden auf die Wartespuren zum Einschiffen, fährt uns die Fähre gerade vor der Nase weg – wir schätzen, jetzt heißt es mindestens eine Stunde Warten. Wir machen es uns im Wohnmobil bequem, da sagt Gerdi plötzlich: „Ui, da kommt ja schon die nächste Fähre!“ Nach knapp 20 Minuten Wartezeit sind wir schon unterwegs nach Deutschland, die Fahrzeit beträgt diesmal 45 Minuten und wir haben etwas Zeit, auf Deck gedanklich Tschüss zu sagen zu Skandinavien.
Dann läuft die Fähre auch schon in den Hafen von Puttgarden ein, und wir rollen vom Schiff. Wir beschließen, einen Campingplatz im Süden von Fehmarn mit Aussicht auf den Fehmarnsund und die Fehmarnbrücke anzufahren.
Dort geht’s nach einem kurzen Strandspaziergang und einem Besuch auf dem Spielplatz bald ins Bett – langsam freuen wir uns auf die Betten zu Hause, die etwas entspanntere Platzsituation in Küche und Bad, die Spülmaschine, das eigene Zimmer und die zurück gelassenen Spielsachen – aber trotzdem ging der Urlaub viel zu schnell vorbei, und wir hätten noch ein bisschen mehr Schweden vertragen. ;-)
Bis München sind es noch 926 km, und wir beschließen, dass das an zwei Tagen gut zu schaffen ist. Morgen geht´s also wieder nach Grifte. Auf dem Stellplatz, auf dem wir unsere erste Nacht verbracht haben, wollen wir auch unsere letzte verbringen, der Stellplatz liegt nämlich zufällig genau in der Mitte der Reststrecke… ;-)
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18.07.2013
Fehmarn – Grifte
„Heading South“
Nach einer ruhigen Nacht geht es los Richtung Süden – über die Fehmarnbrücke, die mir als Kind noch gigantisch groß vorgekommen war, die jetzt aber unter dem Eindruck der Stoerebelt- und der Öresundbrücke ein wenig von Ihrer Eindrücklichkeit verloren hat, und auf der A1 Richtung Süden.
In Hamburg machen wir Mittagspause, danach geht es weiter. Auf der A7 hart nach Süden. :-)
Mit diversen weiteren Stopps und ein wenig Stau um Hamburg herum dauert es aber dann doch bis 18.30 Uhr, bis wir in Grifte ankommen. Hier gibt’s noch ein schnelles Abendbrot, und morgen geht’s weiter nach Hause. Durch die überraschend schnelle und problemlose Fährüberfahrt kommen wir jetzt einen Tag zu früh an – trotz der Tatsache, dass wir uns so ja eigentlich einen Tag länger in Schweden hätten leisten können, ist es so doch etwas entspannter, wenn man zwei Tage hat, bis einen die Arbeitswelt wieder hat… ;-)
Ein schönes Land, freundliche, unkomplizierte Leute – Schweden ist nur zu empfehlen!
Und die Gerüchte über kalte Sommer und Stechmückenplagen bewahrheiteten sich für uns nicht – dafür müsste man wohl weiter gen Norden fahren. Oder wir hatten einfach nur Glück. Oder beides.
Jedenfalls: Wäre da nicht die über 2-tägige Anreise, würde Schweden uns sehr, sehr bald wiedersehen!
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