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„Bist du okay?“

Ich ziehe meine Mundwinkel nach oben, deute ein Lächeln an und nicke. Derselbe Vorgang wie immer. Was sollte ich auch sonst tun? Es wirkt. Schon ist die Aufmerksamkeit meines Gegenübers verschwunden und etwas anderem zugewendet. „Gut so.“ denke ich und doch taucht für einen Moment ein Zweifel auf ob ich nicht eigentlich will, dass jemand bemerkt wie es mir wirklich geht. Diese Person bräuchte sich nur rund 30 Sekunden Zeit dafür zu nehmen mich unabsichtlich am linken Arm kurz unterm Ellenbogen zu fassen, mein Zucken zu bemerken und meinen langen Ärmel zurückzuschieben, den ich, trotz 20 Menschen auf engstem Raum, Zigarettenrauch und laufender Heizung bis zum Handgelenk vor gezogen habe. Dann würde jemand sehen wie „okay“ ich bin. Wie „einfach“ alles ist. Wie leicht jeden Abend die Klinge in meine Hand rutscht und wie leicht sie über die Haut und durch sie hin durch gleitet.  Nicht fest genug gepackt um mich zu töten und nicht zart genug geführt um schmerzfrei zu bleiben. Grade so tief jedes Mal, dass ich etwas andere fühle als meine Selbstzweifel, als meinen Hass wenn ich in den Spiegel schaue, als das Lächeln, das alles so wunderbar versteckt, als die Hoffnungslosigkeit, die mich ständig, grundlos auf Schritt und Tritt begleitet.
Aber der Moment würde alles zerstören. Es würde jemand wissen. Es würde jemand erfahren, dass ich Sonnenschein nur unter Menschen genannt werden kann,  dass ich lache um zu überspielen womit ich mich nicht auseinander setzten will und kann, dass ich alleine sein will um ich zu sein und ich mein größter Feind bin. Dann würden nette Worte kommen wie: das hast du doch gar nicht nötig. Du bist wundervoll. So ein toller Mensch wie du braucht das doch nicht. Es gibt so viel worauf du dich noch freuen kannst. Am liebsten würde ich losbrüllen! Ihnen sagen, dass Komplimente bei mir nichts bringen weil ich mich fühle als werde ich angelogen. Aber Nein! Das tue ich nicht. Ich lächle, nicke, bedanke mich, gebe Höflichkeiten zurück, vielleicht eine kurze Umarmung, ein Kuss auf die Wange um meine Wertschätzung zu zeigen. Und dann zurück, ab hinter die Mauer, zeigen,  dass die Worte gewirkt haben und dein Gesprächspartner dich gerettet hat. In dem Moment will ich beinahe über mich selbst lachen! Gerettet? Ich habe zugehört, die Worte waren lieb und hätten jeden anderen unglaublich glücklich gemacht. Auch bei mir haben sie das Herz erreicht, aber meinen Kopf nicht überzeugt. Der hat mich schon beim Erzählen ausgelacht, mir zugeflüstert „Lüge“, mich davon überzeugt, dass er mir jedes positive Gefühl sofort wieder nimmt!
Und kaum bin ich zu hause sinke ich erschöpft auf den Boden. Entkräftet vom Vorgeben bleibe ich für einen Moment liegen und lasse die Last meines Lebens, meines Ich seins mich erdrücken. Oder wünschte mir sie würde es tun. Aber das Leben lässt dich nicht entkommen. Noch nicht, nicht einfach so. Solange du lebst bekommst du nichts geschenkt. Selbst aufgeben, aufhören musst du dir verdienen.

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