Softwareunternehmen als Konjunkturbarometer?
Von Banken sind seit der Lehman-Pleite nur selten Unternehmensdaten in Umlauf gelangt, die auf einen Konjunkturaufschwung hoffen lassen. Auch Fluggesellschaften lassen nicht hoffen: Wenn Banker und andere Vielflieger auf Geschäftsreisen verzichten, sinken die Reisebudgets der Unternehmen. Flüge sind schlechter ausgelastet und müssen gestrichen werden.
Die Zahlen der Flugunternehmen können Prognosen für das Warenwirtschaftssystem liefern. Einbrechendes Luftfrachtgeschäft ist ein Indikator für die Erwartungen anderer Firmen. Sinkende Lagerbestände, vor allem bei hochwertigen und verderblichen Gütern, bedeuten weniger Transportaufträge.
Dagegen ist die Auftragslage bei Softwareherstellern positiv. Große Hersteller von ERP-Software steigern ihre Umsatzzahlen bei Neulizenzen von Software oder können mit einer höheren Gewinnausschüttung für ihre Anleger aufwarten.
Allerdings können diese Aussichten auch Ausdruck der weiter voranschreitenden Rationalisierung in den Unternehmen sein. Der möglicherweise daraus resultierende Abbau von Arbeitsplätzen würde sich nicht positiv auf die Binnennachfrage auswirken.
Zwar ist der Binnenmarkt in diesem Jahr gewachsen, dies jedoch vor allem in den Bereichen Vorleistungsgüter und Investitionsgüter. Die Aufträge für Konsumgüter stiegen dagegen nur gering. Metalle, Chemieprodukte, Fahrzeuge und Maschinen wurden zudem seltener für Großaufträge bestellt.
Einen Indikator für wachsenden Rationalisierungswillen von Unternehmen liefert eine zunehmende Nachfrage nach dem Vergleich von ERP Systemen. Die Bündelung von Unternehmensprozessen in einer Software ermöglicht das Einsparen von Verwaltungskräften und den Ausbau der Just-in-time-Produktion.
Da diese Produktionsweise auf ein gutes Angebot von Logistik-Dienstleistungen angewiesen ist, könnte sich die Auftragslage von Luftfrachtunternehmen entsprechend bessern.
Allzu hohe Erwartungen an solche Prognosen sind jedoch problematisch: Der für 2012 von der EU geplante Emissionshandel dürfte das Fliegen deutlich verteuern. Die Unternehmen werden dies an ihre Kunden weitergeben.
Andererseits werden die Produktionskosten im Luftfahrtsegment gerade gesenkt, was die Gewinnerwartungen der Unternehmen in naher Zukunft hebt. Sollte die Optimierung hauptsächlich zu Lasten der Angestelltengehälter gehen, würde dies zumindest nicht die Aussichten für die Hersteller von Unternehmenssoftware trüben.