Vom Märchen und dem/n Gütigen
Für Enrico, dafür, dass er da war.
Ich bin das Märchen.
Ich habe nie versucht, mich auf eine Seite zu stellen; meine Aufgabe war es, die Fantasie anzuregen – ich war nie nur gut und nie nur böse. Immer nur das Märchen.
Doch dann kam ein Feind, er kam in Farbe und man musste nicht denken; und dieser Feind bekam Kinder, die er ‚Actionfilm’ und ‚PC-Spiel’ nannte. Von da an wurde ich nicht mehr in das Reich der Gläubigen eingelassen.
Niemand, nicht einmal jene, die mir Treue zusagten, wollten mehr zwischen den Zeilen lesen, als ich begann, mit immer neuen Geschichten Aufmerksamkeit erregen zu wollen.
Denn keiner war fleißig genug, das geschlossene Buch, das ich war, zu öffnen, wenn es doch um so vieles einfacher war, sich den Bildern, die ich in deinem Kopf mit noch viel farbenprächtigeren Gestalten füllen konnte, die der Bildschirm, hohl und eitel in seinem Wesen, nicht zaubern konnte, zu verschließen,.
Seit dieser Zeit beginne ich zu sterben wie die griechischen Götter, die ihre Anhänger brauchen, die sie anbeten, um überleben zu können.
Oder wie die Pflanze, die das Licht und die Sonne zum Wachsen braucht.
Doch seit diesem Tag hoffte ich auch auf einen Menschen wie dich.
Einen Menschen, der fähig ist, die Augen offen zu halten.
Einen Menschen, der fähig ist, zu glauben.
Willst du die Augen verschließen, weil es einfacher ist? Oder wirst du versuchen, meine Geschichten, so unglaublich und verworren sie auch sein mögen, verstehen zu wollen, wo doch mein geheimer Name ‚Sage’ ist und ich, zwar nicht immer, aber oft genug, einen wahren Kern, jedoch zu jeder Zeit einen lehrreichen Sinn besitze, zu verstehen?