Kapitel 9: Die Wege trennen sich
Sie liefen noch gemeinsam bis die Sonne ihren niedrigsten Punkt erreicht hatte. Die Wölfe ruhten sich nun aus. Währenddessen suchte Cynara nach Kräutern. Sie begegnete einem weiteren fremden Wolf. Vorsichtig kam sie ihm näher und sah, dass es sich dabei um eine Fähe handelte. Sie schien nach jemanden zu suchen. Cynara wollte kein Risiko eingehen und fragte nicht, wer sie war. Cynara erstattete, nachdem sie wieder bei den Wölfen war, Zeno Bericht. Dieser machte sich mit Silver auf den Weg zu ihr. >Sie könnte doch aus dem Rudel sein, von dem Silver gesprochen hatte. <, dachte Zeno. Als sie die Fähe erreichten, rief Silver: „Mina? Mina! Was machst du hier?“ Die Wölfin erschrak und sah zu Silver herüber. Als sie Zeno sah, fing sie an zu knurren. „Beruhige dich, Mina. Er ist keine Gefahr.“ Mina war perplex, da sie nicht wusste, wie sie über Silver reden sollte. Sie hatte ihn noch nie so gesehen. „Silver!? Was soll das?“, knurrte sie. „Wieso begleitet dich dieser Wolf oder warum begleitest du ihn? Willst du uns etwa verlassen?“ Ihre Stimme klang erzürnt. „Nein! Er wird uns nicht weiter begleiten, da er seinen Platz bei euch hat. Wir haben ihm nur geholfen. Das ist alles!“, meldete sich Zeno zu Wort. „Und wenn wir schon einmal beim Reden sind: Ich bin Zeno.“ Er grinste nur noch und drehte um. „Auf Wiedersehen. Ich hoffe wir sehen uns wieder.“, rief er noch kurz zu den Beiden herüber und ließ sie damit auch allein. Langsam begriff die Fähe, was los war. „Er hat dir also geholfen?“ Silver nickte nur. Er wollte nicht weiter darüber reden, da das Thema ihn schon die ganze Zeit beschäftigt hatte. „Ich sollte mich entschuldigen. Meine Reaktion eben war nur, weil ich mir Sorgen um dich gemacht habe.“, sagte sie mir Reue. „Führst du mich zu dem Rudel?“ Silver nickte nur und lief voraus. Die Fähe rannte hinterher. Sie roch einen Menschen, nämlich Cynara, und zischte: „Wir können nicht näher. Dort ist ein Mensch.“ Silver grinste und antwortete: „Sie begleitet die Wölfe um zu erfahren, wer sie wirklich ist. Sie ist keine Gefahr. Ich habe sie schon kennengelernt. Nun komm. Ich stelle sie dir vor.“ Kurz darauf stießen sie auf das Rudel. Zeno ging an die Spitze und verneigte sich kurz. „Es tut mir leid. Ich hatte einfach nur Sorge um unseren Krieger.“, gab die Fähe von sich. Zeno schüttelte kurz den Kopf und antwortete ihr: „Es ist nicht schlimm und ich verstehe es gut.“ Die Fähe sah auf. „Ich bin übrigens Mina“, sagte sie und verneigte sich kurz. Sie war immer noch misstrauisch, da ein Mensch unter ihnen weilte. „Wer ist eigentlich dieser Mensch, dort?“, fragte sie Zeno. Er grinste leicht und antwortete: „Ja, sie heißt Cynara.“ Cynara hörte Mina, Silver und Zeno bei ihrem Gespräch zu und überlegte, ob sie mit hingehen sollte. Schließlich ließ sie es sein. „Kann man ihr vertrauen?“ Mina’s Stimme klang besorgt. „Du denkst also, dass sie gefährlich für uns ist?“ Mina nickte leicht. „Dann komm mit zu ihr. Sie ist keine Gefahr. Und sie würde uns nie verraten!“ Mina war ziemlich verwirrt, da sie es nicht gewöhnt war, dass Wölfe einem Menschen vertrauten. Sie ging mit Zeno zu Cynara. Cynara sah die beiden an und lächelte. „Ähm… Hallo“, sagte Mina vorsichtig. „Hallo“, antwortete Cynara freundlich. „Cynara, das ist Mina. Sie ist die Alphafähe des Rudels, welches Silver sucht.“ Cynara sah Mina an und bemerkte ihre Angst. „Keine Sorge. Ich tue euch schon nichts.“ Nero kam plötzlich zu Cynara und setzte sich neben sie. Aus Reflex sprang Mina weg. „Ein… Ein Löwe!?“ Silver erschrak auch, da er den Löwen auch nicht kannte. Er ging vor Mina und knurrte: „Verschwinde oder du bereust es!“ Cynara stand auf und kraulte Nero. „Nero, geh lieber“, sagte sie mit einer ruhigen Stimme. Zeno stellte sich vor Silver und “überknurrte“ ihn. „Sei still. Nero hat uns schon aus gefährlichen Situationen geholfen. Und wenn du so weiter knurrst, haben wir alle keine Chance zu überleben!“ Silver zuckte zusammen und schwieg daraufhin. Zeno beruhigte sich auch wieder. Nero und Cynara gingen inzwischen weg. „Wir werden euch nun verlassen. Ich wünsche euch alles Gute auf eurer Reise“, verabschiedete sich Mina und ging mit Silver. „Kommt alle her“, sagte Zeno und das Rudel sammelte sich um ihn. „Wir werden morgen losziehen. Also ruht euch gut aus.“ Er ging zu Cynara, Nero und Aki und legte sich neben sie.
In der Nacht wurde Cynara von seltsamen Geräuschen geweckt. Ausversehen weckte sie auch Nero. Er sah auf und fragte leise: „Ist irgendwas?“ Cynara sah ihn an und flüsterte: „Nein, nur, dass ich gerade etwas gehört habe.“ Sie legte sich zurück und versuchte zu schlafen. Diesmal wachte Nero auf, da er die Geräusche nun auch hörte. „Cynara, hier ist noch jemand munter. Wir sollten schauen wer.“ Cynara und Nero standen auf und sahen sich um. Weit und breit war kein anderer zu sehen. Sie gingen ein Stück und sahen, wie mehrere Löwen durch das Gebiet zogen. Nero lief ihnen vorsichtig entgegen, doch vorher sagte er zu Cynara: „Geh lieber zurück. Ich weiß nicht, wie sie auf dich regieren werden.“ Cynara nickte nur und ging zurück.
Nero lief auf vorsichtig auf die anderen Löwen zu. Einer der Löwen knurrte: „Wer bist du?“ Darauf antwortete Nero: „Mein Name ist Nero.“ Einige der Löwen fingen an zu tuscheln, da ihnen der Name etwas sagte. „Ruhe“, brüllte einer der Löwen. „Du bist also Nero. Vor dir fürchten sich viele Tiere, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.“ Nero nickte nur und bemerkte auch, wie sich ein Löwe von hinten anschlich. Nero ries herum und überwältigte den Löwen. Die anderen Löwen erschraken und wischen zurück, bis auf einer. Er fragte: „Und was machst du hier? Ich dachte, du hättest dich in irgendeine Höhle verkrochen.“ Nero überlegte, was er antworten sollte. Schließlich entschloss er sich die Wahrheit zu sagen. „Ich begleite ein Rudel Wölfe auf ihrem Weg in ihr altes Revier.“ Diese Antwort hätten die Löwen nicht erwartet. Nero ging nun wieder zurück zu den Wölfen. Er setzte sich neben Cynara. Sie fragte: „Wolltest du nicht mit den anderen Löwen weiterziehen?“ Nero schüttelte den Kopf und antwortete darauf: „Nein, denn ich habe ja hier noch etwas zu tun.“ Cynara sah kurz zu ihm und lächelte. „Und ich denke, dass ich auch weiterhin an der Seite der Wölfe bleiben werde. Schließlich habe ich mich hier ja schon eingefunden.“ Cynara legte sich hin und sah in den Sternenhimmel. „Es ist schön, dass du dich wohlfühlst“, sagte sie und schlief ein. Nero legte sich auch hin und schlief.