Aufgeben hat etwas Verlockendes an sich. Einfach die Karten sinken lassen, aufhören dieses Spiel mitzuspielen. Ja, warum nicht aufgeben? Warum spiele ich immer weiter, dieses sinnloses Spiel, wo doch die Karten alles immer noch schlimmer machen, von Tag zu Tag. Wovor habe ich Angst? Vor dem Tod? Nein, nein, vor dem Tod nicht. Den stelle ich mir friedlich vor, erlösend. Wie bei der kleinen Meerjungfrau: zu Schaum werden, über den Wolken schweben, so leicht und frei, auf alle hinunterblicken...
Aber nein, nein ich mache weiter und es tut weh, es tut alles so weh. Meine Mutter weiß es, sie weiß was ich mache, sie weiß, dass ich kotze und sie ist so... gemein. Ihre Worte, es ist so verletzend, so unglaublich verletzend. Warum macht sie das? Warum sagt sie solche Dinge? Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. Will mich einfach nur noch verkriechen, irgendwo, ganz alleine sein. Sie soll mich in Ruhe lassen, sie soll weggehen. Sie redet und redet und es tut weh, ihre Stimme...
Es ist wie ein Alptraum, nur bin ich wach, sehne mich danach einzuschlafen, Ruhe zu finden, zur Ruhe zu kommen. Sterben... zu Schwach bin ich dafür. Zu viele Hemmungen um es durchzuziehen... ich versage. Meine Mutter hat doch Recht, natürlich hat sie Recht. Peinlich bin ich, eine Versagerin, nichts kriege ich auf die Reihe, mein Leben kriege ich nicht auf die Reihe und damit nehme ich mir etwas raus.
Verdammt, ich will schreien! Ich will um mich schlagen! Ich will hier weg! Ich will das alles nicht mehr! Ich will nicht mehr, ich kann das nicht mehr. Das ist zu viel, ich will nicht mehr an allem Schuld sein...