Sie glauben noch immer: Wir sehen MADDIE wieder
Kate und Garry McCann : Vor viel Jahren verschwand ihre Tochter: Sie geben die Suche nicht auf
Sie halten sich an den Händen,wirken entspannt. Kate und Gerry McCann,beide 43,haben gerade ihre 6 Jährigen Zwillinge Sean und Amelie zur Schule gebracht. Auf den ersten Blick deutet kaum etwas darauf hin,wie hart dieses Ehepaar vom Schicksal getroffen wurde.
"Wer uns nicht kennt,würde uns für eine glückliche Durchschnittsfamilie halten", sagen Kate und Gerry.
Am 3.Mai 2007 war ihre damals fast vier Jährige Tochter Madeleine während eines Familienurlaubs aus einer Hotelanlage am Algarve in Portugal verschwunden.Der "Fall Maddie" ging um die Welt.Doch das Schicksal des kleinen Mädchens ist trotz einer beispiellosen Suchkampagne noch immer ungeklärt. Nun erscheint am 16.September Kate McCanns Buch "Madeleine-Das Verschwinden unserer Tochter und die lange Suche nach ihr"
Wir trafen das Ehepaar in seinem Wohnort Leicester in Mittelengland.
Wie geht es Ihnen,mehr als vier Jahre nach dem Verschwinden Ihrer Tochter?
Kate: Es tut immer noch weh.
Doch wir lernen langsam,besser mit unseren Gefühlen umzugehen.In den ersten Wochen und Monaten war da nichts als Schmerz und Angst.Manchmal ertappte ich mich inzwischen dabei,dass ich wirklich glücklich bin,wenn ich mit unseren Zwillingen Sean und Amelie lache und Spiele.
Ist ein normaler Alltag für Sie möglich?
Gerry: In den ersten Tagen und Wochen waren wir nicht einmal imstande ,uns um Sean und Amelie zu kümmern.
Inzwischen funktionieren wir wieder besser. Es ist extrem selten,dass wir beide am selben Tag in ein tiefes Loch fallen.
Kate: Wir waren beide hoffnungslos,aber ich brauchte länger als mein Mann,bis ich mich wieder gefangen hatte.Es gab aber allerdings auch Tage , an denen Gerry nicht aufhören konnte zu weinen.Das war hart.
Gerry:Ich schaffe es kaum,die intensive Arbeit an der Kampagne für Maddie und meinen Vollzeitjob als Arzt zu bewältigen und nebenbei noch Zeit für Familie zu finden. Aber aufhören zu suchen? Unvorstellbar!
Viele Ehen zerbrechen,wenn ein Kind verschwindet,stirbt oder entführt wird.
Gerry:Zu keinem Zeitpunkt hat einer von uns dem anderen auch nur andeutungsweise vorgeworfen,er habe womöglich mehr Schuld an Maddie´s Verschwinden. Wenn wir angefangen hätten,uns gegenseitig Vorwürfe zu machen ,dann hätte unsere Beziehung das nicht überlebt.
Zu beginn der Ermittlungen gerieten auch sie in Verdacht.
Kate: Das war einfach so ungerecht nach allem,was Maddie zugestoßen war und was wir durchgemacht hatten.Damals fühlte sich mein Körper an,als würde er explodieren vor Schmerz,Frust,Wut und Ungerechtigkeit.Es war furchtbar-es war wirklich furchtbar.
Gerry:Wer sie auch entführt hat,ist immer noch auf freiem Fuß.Und vermutlich lacht er auch noch.
Haben Sie sich Vorwürfe gemacht,dass Sie Maddie damals mit den Zwillingen im Hotelzimmer allein gelassen haben?
Kate:Wir haben damals kein Risiko gesehen.Bei der leisesten Ahnung hätten wir anders gehandelt.Ich habe mir immer wieder die schrecklichsten Vorwürfe gemacht:dass Maddie furchtbare Angst gehaben muss,dass ich sie im Stich gelassen habe.
Welche Erinnerungen haben sie an Madeleine?
Kate:Ihr Zimmer haben wir unverändert gelassen.Ich gehe jeden Morgen und Abend hinein,ziehe die Gardinen auf und sage ihr dann kurz Hallo. In den letzten Tagen bin ich noch länger geblieben und habe ein Gebet für sie gesprochen.
Gerry:Madeleine liebte Fußball und wir haben immer im Garten gespielt.Eine meiner schönsten Erinnerungen ist,wie ich sie durch den Garten gejagt habe und sie vor Vergnügen jauchzte.
Wenn die Zwillinge schon im Bett lagen,bekam Madeleine immer eine halbe Stunde Extrazeit,da knabberte sie dann einen kleinen Keks und kuschelte sich an mich.
Wie gehen Ihre Zwillinge mit Madeleines Verschwinden um?
Gerry: Sie schließen Maddie in die meisten ihrer Spiele mit ein.Wenn sie Süßigkeiten als Belohnung bekommen,sagen sie : "Das letzte Bonbon heben wir für Maddie auf"
In ihrem Zimmer liegen inzwischen ein Haufen Tüten,in denen jeweils nur ein Bonbon ist.Die bleiben liegen,bis sie anfangen zu schimmeln.
Ihre Suche nach Madeleine ist sehr Kostspielig.Allein die Übersetzung von 30.000 Seiten portugiesischer Polizeiakten..
Gerry: ... kostete rund 100.000 Pfund
Interview: Carmen Durrant/Michael Mutz Bunte Redaktion