Briefe der Verzweiflung
Freitag, 02.Mai:
Meine Hand schmerzt wie sau. Habe zusätzlich zu dem Herz auch noch einen Riss in die Hand geritzt. Linke Handfläche. Mit einer stumpfen Schere. Neu gekauft, von meiner Mutter, sie hat keine Ahnung. Die Schmerzen tun nicht mehr gut, doch man fühlt sich lebendig. Das eigentliche Ziel ist auch erreicht, ich denke nur an sie. Es tut so weh. Sie meinte heute, sie brauche eine Pause. Dabei waren wir noch nicht mal zusammen. Eine Pause. Und ich liebe sie doch. Eine Pause. Pause. Pause.
Kurz nach 22 Uhr völlig überraschend die SMS. Es täte ihr Leid, ob ich ihr verzeihen könnte. Ich liebe sie, doch traf mich das heute sehr. Verzeihen. Wie oft habe ich es schon? Wie oft soll och es tun? Doch kann ich ihr böse sein? Hassen kann ich sie momentan nicht. Verzeihen. Hmm…
Ihre Pause hielt sie ganze 2,5 Stunden durch. Verzeihen. Sie vermisse mich schon wieder, meint sie, sie habe mich doch so gern. Verzeihen. Kein Wort von Liebe. Verzeihen. Nur ein Herz in der SMS. Es sollte ihre letzte sein – Geld alle. Verzeihen.
Ich werde die Pause mindestens auf das gesamte Wochenende beziehen, sie wollte doch eine Pause haben. Ich liebe sie aber immer noch, hoffe, dass die Pause kein Ende ist, wir haben doch noch so viel vor.
Arbeite kurz am Herz. Höre auf. Die Schmerzen sind zu groß. Noch tun sie nicht gut. Ich spüre sie noch während ich einschlafe.
Samstag 03.Mai:
Scheiße. Nachts vor Schmerzen mehrmals aufgewacht, kann die Hand nicht schließen, nichts berühren. Vor allem der neue Schnitt tut höllisch weh. Schmerzen. Mal sehen, was der Tag so bringt. Das Rasieren war übel. Das Aftershave brannte wie sau. Ich tat es für sie. Wie bescheuert, als ob sie so was freuen könnte. Naja, Pech. Ich will mir nie wieder selbst Wunden zufügen. Das bringt es einfach nicht. Nein, das bringt es nicht.