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Inhaltsangabe

Genre: Drama (P12)
Rubrik: Farin Urlaub
Status: nicht fertig

Inhalt:
Die besten Jahre sind die Jungendjahre, die wilden Zeiten, Partys ... Doch was, wenn man  lieber seine Ruhe hat und sich an den stillen Momenten erfreut? Für einen 16jährigen mehr als ungewöhnlich. Was ist geschehen und wird er noch die Sonnenseiten des Lebens entdecken?

... doch was, wenn man schon gestorben ist?

Langsam und bedächtig breitete die Sonne ihre mattgelben Strahlen am Horizont aus. Behutsam umfassten sie den grauen Beton der Stadt und tauchte ihn in ein warmes Licht.
Beinahe friedvoll flogen die Vögel gen Himmel und läuteten den Tag mit ihren lieblichen Gesang ein.
Es war Sommeranfang.
Doch nicht jeder schien die warmen Tage genießen zu können, denn ein junger Mann zog es vor im Bett zu bleiben.
Unruhig drehte er sich umher. Denn obgleich er nicht mehr schlafen konnte, bestand für ihn kein Interesse aufzustehen.
Er war einfach froh, dass er seine Ruhe hatte.
Doch die Sonne fand den Weg auch in sein Zimmer. Lautlos schickte sie ihre goldenen Finger zu ihm, kitzelte ihn auf der Nase, den Wangen und brachte ihn dazu, seine Augen zu öffnen.
Gleichgültig richteten sich die braungrünen Kreise ihr entgegen, ehe sie sich wieder abwandten und auf den Wecker starrten.
10:15 Uhr.
Aufstehen? Liegen bleiben? Aufstehen? Liegen bleiben?
Aufstehen!
Mühsam richtete sich der dünne Körper auf und entfaltete seit langem seine volle Größe.
Müde rieb sich der junge Mann über die Augen, stützte sich auf seinem Bett ab, um mit Schwung aufzustehen.
Das weiße Schlafshirt zog er abwesend gerade, ehe er lustlos in die Küche schlürfte.
Zielsicher ging er in den kleinen weißen Raum mit dem braunen Boden und den Holzschränken, um sich sein Frühstück zu suchen.
Auch wenn er keine Lust hatte aufzustehen, hunger verspürte er immer sobald er wach war.
Auf den Weg zur Küche kam er an einer weiteren Tür vorbei, da er mit seiner Mutter in einer Dreizimmerwohnung wohnte, doch hinein ging er in dieses nicht.
Jedenfalls nicht mehr freiwillig.
Zielsicher ging er deswegen zu den Küchenschränken, doch wie gewohnt fand er nur ein altes Brot, welches er schon immer zum Abendbrot aß. Deswegen begnügte er sich auch jetzt wieder mit der ungesunden Variante, Schokolade.
Er aß sie eigentlich nicht gerne, doch die Macht der Gewohnheit ließ sich nicht überwinden.
Seit er denken konnte, gab ihm seine Mutter zum Frühstück süße Lebensmittel.
Einen liebevoll eingedeckten Frühstückstisch kannte er nur aus dem Fernsehen.
Aber nach 16 Jahren war ihm das auch herzlich egal. Er nahm, was er kriegen konnte.
Auf dem Rückweg zu seinem Zimmer kam er am Wohnzimmer vorbei, hörte das monotone Gerede des Apparates und schüttelte ungläubig den Kopf.
Schon wieder schaute seine Mutter fernsehen. War er nicht erst gestern mit demselben Gerede aufgewacht, wie er abends zuvor eingeschlafen war?
Er wusste es nicht.
Gleichgültig ging er wieder in sein Zimmer und setzte sich auf sein Bett, um sein Frühstück zu essen.
Lustlos kaute er auf dem widerlich süßen Milcherzeugnis herum, bis er es zum letzten Teil vertilgt hatte.
Zwar war der Hunger nicht wirklich besiegt, doch in knapp zwei Stunden gab es Mittagessen, sodass er sich mit seinem jetzigen Gefühlszustand abfand und erneut sein Zimmer verließ, um sich die Zähne zu putzen.
Er betrat das kleine Bad, schaltete den Lichtschalter ein, weil es kein Fenster besaß und trat auf die kalten blauen Fliesen.
Sofort durchzog ihn ein eisiger Schauer.
Vielleich sollte er sich doch angewöhnen Hausschuhe zu tragen, doch gelten die als spießig – also wohl eher nicht.
Schnell führte er die Zahnbürste, samt Paste in seinen Mund, stützte dabei seinen linken Arm auf dem Waschbecken ab und nutzte wieder einmal die Zeit, um sich selbst zu betrachten.
Sich selbst betrachten.
Ein komischer Zustand und trotzdem fand er es jedes Mal faszinierend, wenn er immer näher an die glatte Oberfläche ging, seine Nasenspitze das kalte Spiegelglas beinahe berührte und sein eigener Atem Spuren hinterließ.
Irgendwie sah so nah, alles anders aus. Schöner.
Er sah seine braungrünen Augen, die helle Haut, die schmalen, aber gleichmäßigen blutroten Lippen und einige blonde Haarsträhnen, die störrisch nach vorne hingen.
Wie in Trance schaute er in seine eigenen Augen. Er liebte das Schwarz der Pupille. Ein kleiner Kreis, der so viele Emotionen offenbaren konnte, wenn man nur genau hinschaute.
Genauso beeindruckt war er von dem schwarzen Rand, der die Regenbogenhaut umfasste.
Den Kontrast zu seiner eigentlichen Augenfarbe empfand er als wunderschön, etwas besonderes und auch irgendwie verletzlich.
Denn könnte man einem Menschen so nah sein, dass man jegliche Farbe, Emotion in den Augen erkennen konnte, war man doch eigentlich schon viel zu nah. Oder nicht?
Ein Seufzen gefolgt von einem Kopfschütteln durchbrachen seine wirren Gedanken. Schnell entledigte er sich der Zahnpasta, wusch sich das Gesicht und ging erneut in sein Zimmer, um sich endlich etwas Alltagstaugliches anzuziehen.
Eine alte schwarze Hose und ein graues Shirt sollten für den Samstag ausreichen, denn auszugehen, dass hatte er nicht vor.
Viel zu sehr schätzte er den Samstag dafür, nichts zu tun.
Mit einem guten Buch in der Hand legte er sich wieder auf das Bett und verschwand in der atemberaubenden Welt des Huckleberry Finn.


Er wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als seine Ohren das Geräusch von Kochtöpfen auf Herdplatten vernahmen.
Seine Mutter machte also Mittagessen.
Wurde auch langsam Zeit, dachte er sich mit einem Seitenblich auf die Uhr, welche mittlerweile 11:45 Uhr zeigte.
Um seinen rumorenden Magen abzulenken, widmete er sich erneut den schwarzgedruckten Buchstaben auf dem gelblichen Papier.
Wieder wurde er durch die Kraft der Worte abgelenkt bis zu dem Zeitpunkt als sich seine Zimmertür öffnete.
„Jan, kommst du? Mittagessen ist fertig“, sagte seine Mutter und obwohl es freudig klingen sollte, wirkte es aufgesetzt und monoton.
Er klappte das Buch zu, wollte die Frage bestätigen als seine Zimmertüre auch schon wieder geschlossen war.
Jan kannte es nicht anders. Er aß immer alleine und immer endete es gleich, denn sobald er vor den Nudeln saß, die in zu viel Dosengulasch getaucht waren, verabschiedete sich sein Appetit.
Während seine Mutter lautlos im Wohnzimmer verschwunden war, stocherte er selbst gelangweilt in den Nudeln herum.
Ab und an nahm er eine in den Mund, kaute sekundenlang darauf herum und saß seine Zeit ab.
Ungefähr zehn Minuten wartete er, damit ihn niemand fragte, ob es nicht geschmeckt hätte, ehe er samt Teller in das Badezimmer ging, das Essen in die Toilette schüttete und zurück in die Küche ging, um das dreckige Geschirr abzuwaschen.
Es war beinahe wie ein wochenendliches Ritual, dass er lieber noch eine weitere Süßware mit in sein Zimmer nahm, als das ewig gleiche Mittagessen zu verspeisen.
Trotz der ungesunden Ernährungsweise war Jan nicht dick, denn dank seiner stattlichen Größe von 1.94 m verteilten sich die kleinen Fettpölsterchen so gut, dass er immer noch viel zu dürr erschien.
Doch es kümmerte ihn nicht.
Viel zu sehr freute er sich auf einen ruhigen Tag und scheinbar sollte er den auch bekommen, denn seine Mutter verschwand noch schneller als sonst wortkarg in ihrem Zimmer, dem Wohnzimmer.
Jeder hatte somit ein Zimmer für sich. Seine Privatsphäre, sein Reich.
Wobei sich Jans Gebiet durch Einfachheit auszeichnete.
Ein Bett, ein Kleiderschrank, ein Bücherschrank und ein Schreibtisch.
Der graue alte Teppich wirkte abgenutzt, die Wände waren weiß und insgesamt erschien sein Zimmer für einen Teenager viel zu ordentlich.
Aber er liebte die Ordnung. Liebte die Struktur und die Gewissheit, dass alles dort war, wo es zu sein hatte. Keinerlei böse Überraschungen verbargen sich in seinem Zimmer. Dort hatte er die Kontrolle.

Mit seinem Buch setzte er sich wieder auf sein Bett. Verbrachte Stunde um Stunde damit, in einer Welt zu versinken, die doch so viel schöner war als seine bis seine Ohren erneut eine Stimme wahrnahmen.
Die Stimme seiner Mutter.
Da die Wände der alten Plattenbauwohnungen sehr dünn waren und seine Mutter ihr Zimmer direkt neben seines hatte, hörte er sie sprechen.
Zwar verstand er keine ganzen Sätze, aber einzelne Worte und so wusste er sehr bald, dass sie mit ihrer Mutter, seiner Großmutter telefonierte.

Jan versuchte sich erneut auf sein Buch zu konzentrieren, aber die einzelnen Wörter, welche immer wieder an sein Ohr drangen, machten es ihm nicht gerade leicht und so kam es, dass es von seiner jugendlichen Neugier getrieben, aufstand, leise seine Zimmertüre öffnete und in den dunklen Flur schlich, wo er einfach stehen blieb und den Worten lauschte.
Jede Faser seines Körpers spannte er an, versuchte so leise wie möglich zu atmen und verkrampfte sich doch nur unter seinen Bemühungen.
Aber er wollte wissen, was seine Mutter redete.
Gleichzeitig beschlich ihn für einen kurzen Augenblick das schlechte Gewissen, dort zu stehen und unerlaubt mit zu hören, aber sie würde ihm sowieso nichts erzählen.
Jedenfalls nicht die Wahrheit oder wahlweise ihre Wahrheit, welches sich aus Auslassung von Bestandteilen und Überspitzungen einzelner Sachverhalte darstellen lässt.
Doch so schnell seine Neugier auch gekommen war, genauso schnell verabschiedete sie sich wieder, als er einige Sätze nun in ihrer Länge vernahm.
Es war das alte Thema, wie schwer sie es doch hatte und wie überdrüssig sie ihres Lebens war.
Jan seufzte und schüttelte verachtend den Kopf, ehe er sich abwand und wieder in sein Zimmer ging.
Wenn er eins verabscheute, dann war es so schwach so wirken und um Mitleid zu buhlen.
Er hatte doch das Gleiche erlebt, war immer dabei und trotzdem bemühte er sich stark zu sein, sich an Kleinigkeiten zu erfreuen und weiter zu leben.
Aber seine Mutter hatte in diesem Sinne aufgeben.
Wie oft hatte er sich gewünscht, dass sie über die Vergangenheit sprachen, doch sie sprach nur mit ihren Flaschen, die sie wie ein Verbrecher im Schrank versteckte.

Ein Blick auf die Uhr verriet, dass es kurz nach 19 Uhr war.
Nachdenklich zog Jan die Augenbrauen zusammen und setzte sich auf sein Bett. Zu gut wusste er, was seine Mutter nach ihrer Ansprache über die schlechte Welt machen würde, doch er wollte seinen ruhigen Samstag nicht aufgeben.
Angestrengt dachte er nach, bis ihm schließlich nur eine Lösung in den Sinn kam.
Er musste hier raus und zwar am besten gleich.
Obgleich der junge Mann das Lesen von Bücher präferierte und den jugendlichen Tätigkeiten wie Tanzen und Trinken aus dem Weg ging, hatte er keine andere Wahl als ein größeres Übel durch ein mittleres Übel auszutauschen.
Missmutig darüber, doch noch hinaus zu müssen, zog er sich eine schwarze Jeans und ein gelbes Sex Pistols Shirt an, wartete, dass seine Mutter mit dem Telefonieren fertig war und ging mit pochendem Herzen in ihr Zimmer.
„Ich wollt fragen, ob ich heute noch weg kann?“, unsicher blieb er im Türrahmen stehen und schaute sie scheu an.
Es war schwer einzuschätzen, wie seine Mutter reagierte. Manchmal verbot sie ihm jegliche Kleinigkeiten, wie ein Konzertbesuch und andermal war es ihr völlig gleich.

Stur starrte sie weiter gerade aus, so als hätte sie ihn gar nicht gehört, doch dann drehte sie plötzlich ihren Kopf um und zwei tiefschwarze Augen schauten ihn an.
Er sah sofort, dass sie geweint hatte, doch all sein Mitleid wurde sogleich im Keim erstick.
„Ja, hau du doch auch noch ab! Lasst mich einfach alle in Ruhe“, schrie sie ihm wütend entgegen, wobei ihre Gesichtsfarbe einen tiefroten Schimmer bekam.
Innerlich zog sich alles in ihm zusammen, doch äußerlich blieb er ruhig, nickte und schloss wieder die Tür.
Es war zwar nicht ganz so, wie er erwartet hatte, aber er konnte gehen.
Schnell griff er sich seine Jacke, da er nicht abschätzen konnte, wie kalt es in der Nacht werden würde, nahm seinen Schlüssel und ging hinaus.

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