Die Kälte kroch ihr in die Glieder, lähmte ihren Körper und ihre Gedanken, stoppten jedes Gefühl, hielten den Lauf der Zeit in ihrem Leben an. Ihr Atem ging langsamer, ruhiger, von Sekunde zu Sekunde fühlte sie weniger, ihr Körper war schwer, sie wollte sich von ihm befreien. Wollte frei sein nach all den Jahren dieser Schwere, die sie jede Nacht in die feuchten Gassen trieb.
Celia schlug die Augen auf. Das grelle Neonlicht über ihr brannte ihr in den Augen, sodass sie sie heftig zusammenkniff. Vor ihren geschlossenen Lidern zuckten Blitze über ihre Netzhaut, die in ihren Augen schmerzten, immer und immer wieder musste sie das Echo der ungewohnten Helligkeit ertragen, bis die Dunkelheit überwog und das Licht schwächer wurde.
Langsam öffnete sie die Augen wieder und diesmal ließ sie ihnen Zeit, sich an das beinahe aggressiv helle Licht zu gewöhnen. Die Decke über ihr war weiß. Es war ein kaltes, abstoßendes Weiß, das in ihr den Drang weckte, es durch irgendetwas zu stören, es war zu perfekt. Kein Fleck zierte die Fläche über ihr. Kein Insekt krabbelte an den Wänden. Egal, wie lange sie diese Decke anstarre, sie konnte nichts entdecken, das ihr Weiß störte.
Ein stechender Schmerz durchfuhr sie, als sie stöhnend ihren Oberkörper aufrichtete. Celia unterdrückte einen Aufschrei, der plötzliche Schmerz schnitt Furchen in ihr Puppengesicht und ihre Hand schnellte an ihren Hinterkopf. Was ist bloß geschehen?, frage sie sich. Wo bin ich?
Skeptisch schaute sie sich im Raum um. Abgesehen von dem schmalen Stahlbett, auf dem sie saß, befanden sich keine weiteren Möbelstücke in dem Zimmer. Verwirrt runzelte sie die Stirn. Es gab auch keine Fenster, der Boden war noch roher Beton und es gab genau eine Neonlampe, die den quadratischen Raum mit Licht erfüllte. Sie saß in der Mitte des Bettes, welches die Mitte des Raumes kennzeichnete.
Plötzlich spürte sie einen Blick in ihrem Rücken. Ein stechender, bohrender, klarer Blick in ihrem Rücken, der ihre Seele auszog und ihren Körper lähmte. Die Angst kroch ihre Glieder hoch, griff nach ihrem Herzen und hüllte es mit seinem ekelhaften, beißenden Atem ein, vergiftete es, tränkte es mit der Furch vor dem Unbekannten, das hinter ihrem Rücken lauerte.
Celia hatte das Gefühl zu ersticken, sie wollte sich befreien, wollte die Angst aus ihren Gliedern vertreiben, sie wollte schreien, stark sein. Doch der folternde Blick auf ihren Nacken ließ sie nicht los, peinigte sie weiter, hielt sie gefangen in einem Käfig, dessen Gitterstäbe aus Angst waren.
„Was hast du, hübsches Mädchen? Lass mich doch dein Gesicht sehen, ich will in deine wunderschönen Augen blicken und ein zweites Mal mich selbst in ihnen erkennen. Wovor hast du Angst, mein Mädchen? Ich tu dir nicht weh, das könnte ich doch niemals. Das weißt du. Dreh dich um, Kindchen...“
Tränen rollten über ihre Wangen, ein nicht enden wollender Strom aus Tränen, der versuchte ihre Hilflosigkeit und Verzweiflung auszudrucken, floss ihr Gesicht hinab, als sie langsam ihren Kopf zu drehte. Die Bewegung schmerzte zusätzlich, da sie nicht wollte, sie wollte ihn nicht sehen, wollte nicht in diese harten, eiskalten Raubtieraugen sehen. Nie wieder wollte sie das. Sie presste ihre Augen fest zu.
Sanft strich er Celia die Tränen aus dem Gesicht, streichelte ihre Wange, ihre Lippen, ihren Hals... Jede seiner Berührungen fühle sich an, als ob er sie schlagen würde.
„Mach doch die Augen auf, du weißt, wie schön ich sie finde...“
Sie riss die Augen auf, wollte schreien, doch ihr Schrei blieb in ihrer Kehle stecken, als sie in seine Augen sah. Ihr Feuer ergriff Celias Herz, erwärmte es, nahm ihr die Angst und ließ sie in seinen von ihr verhassten Armen einschlafen.