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Ja   nein   

Sie wollte schreien, wollte so laut schreien, wie sie nur konnte. Sie wollte schreien, er solle ihren Engel in Ruhe lassen, wollte toben, ihre Hände um seinen Hals legen und fest zudrücken. Sie wollte sehen, wie er rot anläuft, Verzweiflung in seine verdammten Augen steigt und er panisch nach Luft schnappt, wie ein Fisch der elendig am Strand verreckt.
Doch kein Laut kam über ihre Lippen, nicht ein Finger krümmte sich. Sie blieb ganz ruhig auf diesem kalten Bett sitzen und starrte auf die leere Wand ihr gegenüber. Sie starrte zurück, mit tausend weißen Augen, tausend weißen  Augen, die den puren Hass in ihrem Blick trugen und ihr tief in die Seele blickten.
Celia hielt sie nicht auf. Sie hatte nicht die Kraft zu kämpfen. Ihr Wille ließ nach, weißer Nebel umhüllte ihren Verstand und packte ihn in Watte. Nichts drang in ihre Gedanken ein, kein Gefühl, kein Geräusch, kein Bild, kein Geruch konnte zu ihr durchdringen. Absolute Leere umhüllte sie, weiße Leere, von der man nichts bemerkte, von der man kein Zeichen, keinen Grund für ihre Handlungen erkennen konnte.
Das Weiß griff mit klammen Händen nach ihrem Herzen, berührte es sanft mit seinen wattigen Fingerspitzen, umfasstes es, als wäre es kostbar, ein lang gesuchter Schatz. Es fühlte das Pochen, das ewig gleiche Pochen ihres Herzens, ein Pochen, das Celia nie als wichtig empfunden hatte. Und auch jetzt tat sie es nicht, sie konnte nicht. Sie empfand nichts, es wäre ihr egal, wenn das Weiß ihr Herz nehmen würde und für immer in sich tragen würde, um zu leben. Die Hand schloss sich fester um ihr Herz.
Etwas in ihr explodierte, Flammen züngelten durch ihren Körper, ein Schmerz durchfuhr sie und die Watte verglühte zu einem schwarzen Nichts, das ein Loch in ihrem Herzen hinterließ, welches sie immer daran erinnern würde zu fühlen.
Eine heiße Träne schlich sich lautlos über ihre Wange und brannte eine Narbe, rot wie Blut, in ihre blasse Haut. Ohne jegliches Geräusch fiel sie in Celias Schoß und verglühte dort. Sacht schloss sie die Augen, bemüht, keine weiteren Tränen zu vergießen, nicht noch mehr Blöße zu zeigen. Er sollte nicht sehen, wie schwach ihr Herz schlug und wie verschwindend gering der Mut in ihrem Herzen war.
Sie konnte den Wald hören. Spürte die Dunkelheit um sich herum, roch das Moos und den regenfeuchten, laubbedeckten Herbstboden. Unweit krächzte ein Uhu sein schauriges Lied und die Füchse schlichen durchs Unterholz. Das Mondlicht warf bizarre, furchteinflößende Schatten in den Wald. Doch sie hatte keine Angst. Denn sie konnte Tajas ruhigen Atem hören und ihre Hand in der eigenen fühlen.
Celia öffnete langsam ihre Augen, trennte sich von ihren Erinnerungen und stellte sich seinem Blick. Seine Pupillen waren kohlrabenschwarz, die Iris tiefblau, umrahmt von einem samtschwarzen Ring, der das eisige berechnende Blau hervorstechen ließ wie Dolche.
„Du liebst sie, nicht wahr?“
Sie sah ihr tief in die Augen. In die einzigen Augen, die ihm seit jeher ein Rätsel geblieben waren. Die einzigen Augen, in denen er blanke Angst und puren Schmerz erkennen konnte, ohne jeden Schimmer dessen, was Celia am Leben erhielt. Sie hatte ihn verändert, ihn an sich gebunden und ihm ein Rätsel zu lösen gegeben. Doch langsam ließ seine Beharrlichkeit in seiner Suche nach. Er wollte nicht mehr in ihre Augen sehen, wollte nicht erkennen, wie sie sich fühlte, Tag für Tag. Er konnte ihr Leid nicht länger teilen, ihm fehlte die Kraft.
Verwirrung trat in ihre Augen, als er zu Boden blickte und sich abwand. Verwirrung, Leichtigkeit, sie war frei. Für den Moment frei.

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