Sie ließ sich mitreißen, ließ sich tragen von ihrem leichten Lachen, von ihrer Fröhlichkeit. Sie lachte mit dieser Ehrlichkeit, mit dieser ungezwungenen Schönheit. Sie genoss es, ihre Hand zu spüren, wie sie ganz fest ihre eigene hielt, so als wollte sie sie nie verlieren. Beinahe so, als wäre diese Berührung ein Band zwischen ihren Herzen, ihren Seelen und nicht die bloße Verbindung zwischen zwei einzelnen Körpern. Ihr Händedruck fühlte sich an, wie ein Versprechen. Ein Versprechen, nie loszulassen, egal wie tief der Fall auch sein mag.
„Wo laufen wir denn hin?“
Ihre Stimme klang fröhlich. Neugierig. Und irgendwie glücklich. Die warme Morgensonne über ihnen ließ das saftige Hellgrün der jungen Buchenblätter noch kräftiger leuchten, rund um sie herum zwitscherten die Vögel und trockene Äste zerbrachen unter ihren weiten Schritten. Sie liefen schnell, sie liefen so schnell. Doch an ihrer Seite hatte Celia das erste Mal das Gefühl, nicht verfolgt zu werden. Ihr Herz hüpfte, sie fühlte sich frei.
„Das sag ich dir nicht!“
Dieses Lachen brachte sie beinahe um den Verstand, dieses neckende Lachen. Es hörte sich an, als würden die tausend Schmetterlinge, die in ihrem Bauch flatterten, zugleich singen. Erfüllt von Sonne, erfüllt von Ehrlichkeit und Mut war dieses Lachen. Es war noch immer dasselbe Lachen, in das sie sich verliebt hatte, damals vor so langer Zeit. Vor so vielen Kämpfen. Doch die Vergangenheit ruhte, als sie den Druck auf ihrer Hand spürte.
Taja wurde langsamer, bis sie schließlich ganz stehen blieb. Langsam drehte sie sich um. Ein zartes Lächeln zierte ihre Lippen, ihre wunderschön geformten Lippen. Der Wind umspielte ihre langen schwarzen Haare, wehte sie ihr sanft ins Gesicht, bedeckte ihre Wange mit dem seidig glänzenden Haar, dessen Duft sie so liebte. Celias Blick traf Tajas, sie konnte durch diese treuen, bestimmten, funkelnden blauen Augen bis in ihre Seele sehen und nichts als Liebe erkennen.
Sie standen sich gegenüber, konnten ihre Blicke nicht voneinander lassen. Sanft strich sie über Celias Wange. Der Himmel verfinsterte sich über ihren Zärtlichkeiten und Celia erwachte aus ihrer Trance.
„Du siehst süß aus, wenn du rot wirst.“
Celia blickte über Tajas Schulter und konnte ein mit Moos bewachsenes Fleckchen im Wald erkennen. Sie lief los und legte sich hin, während Taja stehen blieb und lächelte. Sie liebte dieses Mädchen, liebte einfach alles an ihr. Celia beobachtete, wie der Himmel grau wurde, wie die Welt von Sekunde zu Sekunde grauer und kälter wurde.
Ihr Kuss traf sie mitten ins Herz färbte ihre Welt bunt und impfte ihrer Seele die Wärme ein, nach der sie schon so lange gesucht hatte. Sie wurden eins, und sie wussten, sie würden eins bleiben, ganz gleich, was der Rest der Welt von ihnen hielt – sie hatten ihre Einsamkeit gefunden, nach all den Jahren.
Der erste Tropfen fiel auf sie herab. Es folgten viele weitere, schwere Tropfen, die ihre Kleidung durchnässten, ihren Körper erfrieren lassen wollten, doch sie spürten es nicht. Sie spürten bloß einander, die Wärme in ihrer Liebe.
Tränen verschleierten ihren Blick, als sie erwachte. Ihre Zunge fühlte sich schwrer an, ihr Kopf fühlte sich schwer an, plötzlich erschien ihr alles zu schwer, ihr Körper fühlte sich an wie ein lästiger Gegenstand, er gehörte nicht zu ihr. Er engte sie ein, hielt sie gefangen wie ein wildes Tier, das sich nicht mehr wehren konnte, weil es schon zu lange durch Metallverstrebungen in die Welt blickte.
„Hast du schön geträumt?“
Der Hass, der unendlich tiefe Hass, und sein schneidender Spott in seiner Stimme ließen sie zusammenfahren. Sie konnte nicht antworten, sie konnte noch nicht einmal atmen, ihr Herz schien zu Eis erstarrt zu sein, ihre Lungen brannten wie Feuer und ihr Puls pochte in ihrem Schädel. Heiße Tränen flossen ihre Wangen hinunter, doch sie zwang sich aufzuhören. Ihr Kopf drohe zu explodieren.
„Taja also..“